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"Unser direkter Draht nach Berlin ist gekappt"

Die Schlappe ihrer Partei schreiben die CDU-Bürgermeister dem Kanzlerkandidat zu. Das Scheitern von Veronika Bellmann ist für sie aber besonders bitter.

Veronika Bellmann (rechts vorn) hat sich für viele Projekte in der Region stark gemacht, so auch für den Sportplatzausbau in Hartha.
Veronika Bellmann (rechts vorn) hat sich für viele Projekte in der Region stark gemacht, so auch für den Sportplatzausbau in Hartha. © Dietmar Thomas

Döbeln/Leisnig/Hartha/Ostrau. Dass er vom Wahlergebnis enttäuscht ist, daraus macht der Ostrauer CDU-Bürgermeister Dirk Schilling überhaupt keinen Hehl. Bei den Zweitstimmen landen die Christdemokraten im Wahlkreis 161 mit 17,5 Prozent hinter AfD (30 Prozent) und SPD (18,5 Prozent) nur auf Platz 3.

"Das Ergebnis bei den Zweitstimmen hat sich die Partei selbst zuzuschreiben", sagte Dirk Schilling. Er habe als Kanzlerkandidat nicht Armin Laschet vorn gesehen, sondern Friedrich Merz. Auch sonst habe sich die CDU im Wahlkampf einige Fehler geleistet und sei jetzt von den Wählern abgestraft worden.

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Schon am Wahlabend hatte sich dazu auch der Döbelner Oberbürgermeister und mittelsächsische Kreisvorsitzende der CDU Sven Liebhauser geäußert: "Es liegt ganz deutlich am Spitzenkandidaten. Wir haben uns da jemanden anderen gewünscht."

Unverständlich ist für den Ostrauer Bürgermeister Dirk Schilling aber, dass CDU-Direktkandidatin Veronika Bellmann deutlich hinter Carolin Bachmann von der AfD gelandet ist. Diese erlangte 33,4 Prozent der Stimmen, rund zehn Prozent weniger waren es am Ende für Bellmann."

Oft, wenn ich vor der Wahl mit Leuten gesprochen habe, habe ich herausgehört, dass die gute Arbeit von Veronika Bellmann geachtet wird. Doch das schlägt sich im Wahlergebnis überhaupt nicht nieder", so Schilling. Das habe aus seiner Sicht nichts mit Anerkennung von Leistung zu tun.

Wahlergebnis erschwert Arbeit vor Ort

Bellmann sei gut vernetzt und habe für die Region viel bewirkt. "Ich denke da zum Beispiel an den Wilden Mann in Ostrau, für dessen Sanierung sie sich stark gemacht hat oder auch an den Breitbandausbau", so Schilling. Dagegen ziehe nun eine Kandidatin für Mittelsachsen in den Bundestag, die noch keinen Arbeitsnachweis für die Region erbracht habe.

Das Wahlergebnis mache die Arbeit an der Basis nicht leichter. "Es ist doch entscheidend, wie sich das Ergebnis auf die Region auswirkt", so Schilling.

Diese Meinung vertritt auch sein Leisniger CDU-Bürgermeisterkollege Tobias Goth. "„Die direkte Verbindung ist damit erst einmal gekappt“, sagte er am Morgen nach der Wahl.

Mit ihr habe Goth in mehr oder weniger regelmäßigem Kontakt gestanden. Zuletzt war Veronika Bellmann am 14. September in Leisnig, als Vertreter der Kommune die Pläne für das neue Sport- und Kulturzentrum am Rande der Stadt präsentierten. Bellmann war es gewesen, die die Stadt auf diese Möglichkeit hingewiesen hat, über ein Bundesförderprogramm eine Vision umzusetzen und marode Anlagen für Sport und Kultur so zu sanieren, dass sie den Anforderungen der Zukunft entsprechen.

Der Leisniger Bürgermeister geht davon aus, dass die Stadt zugesagten mehr als zwei Millionen Euro Fördergeld trotz des bevorstehenden Wechsels im Bundestag erhält. Eine schriftliche Bewilligung liegt im Rathaus noch nicht vor. Sie ist für Dezember angekündigt.

Harthas Bürgermeister sieht Chance für Neubeginn

Harthas Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) hatte ein eindeutigeres Ergebnis bei der Bundestagswahl erwartet. „Mit solch einem knappen Ausgang auf Bundesebene habe ich nicht gerechnet“, sagte Kunze.

Er bedaure es, dass Veronika Bellmann (CDU) ihren Platz im Bundestag verloren habe. „Sie hat sich stets für die Belange der Menschen in unserer Region eingesetzt“, so der Bürgermeister. Dennoch habe sie es nicht geschafft, die Wähler hinter sich zu bringen. „Sicher ist das für die Region ein Verlust, aber man muss die Entscheidung der Wähler akzeptieren“, sagte Kunze.

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Doch er sehe in dieser Situation auch die Chance für einen Neuanfang. „Die Kandidaten, die jetzt neu in den Bundestag einziehen, müssen sich an dem, was sie erreichen, messen lassen“, so Ronald Kunze.

Er wünsche sich, dass sich der Zusammenhalt der Menschen wieder verbessert. „Die Gesellschaft ist in vielerlei Hinsicht gespalten. Zu oft zählt nur die eigene Meinung“, so Kunze.

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