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Wahl: Überraschende Siege und Niederlagen in Sachsen

Durch das Ergebnis der Bundestagswahl verlieren einige sächsische Abgeordnete ihren Job, andere ziehen zum ersten Mal ins Parlament ein.

Nach der Bundestagswahl muss im Plenarsaal des Berliner Reichstags umgebaut werden.
Nach der Bundestagswahl muss im Plenarsaal des Berliner Reichstags umgebaut werden. © dpa

Die Bundestagswahl hat einiges durcheinander gewirbelt. Bekannte Vertreter Sachsens müssen ihre Stühle im Bundestag räumen, während Einige überraschend Direktmandate gewinnen, andere kommen nur auf Umwegen ins Parlament.

Florian Oest: Konnte AfD-Chef Chrupalla nicht schlagen

Seine Aufgabe war schwer, zu schwer. Florian Oest sollte für die CDU einen besonderen Wahlkreis zurückerobern. Im Wahlkreis Görlitz hatte 2017 Ministerpräsident Michael Kretschmer überraschend sein Bundestagsmandat an die AfD verloren. Auch am Sonntag ging der Wahlkreis wieder deutlich an AfD-Bundeschef Tino Chrupalla. „Noch bitterer als 2017“ sei die Niederlage, hieß es im Lager des 34-Jährigen. Florian Oest wirkte sichtlich enttäuscht von der Wahl. „Wir wollen eine Volkspartei sein. Das passt mit dem Wahlergebnis nicht zusammen.“ Der ehemalige Landesvorsitzende der Jungen Union wolle sich aber nicht entmutigen lassen. „Auch wenn es schwer sein wird, sich zu motivieren: Wir haben jetzt den Sommer 2022 im Blick.“ Dann wird im Kreis Görlitz der Landrat gewählt.

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Am Wahlabend schaut sich der CDU-Kandidat Florian Oest nachdenklich die Ergebnisse aus den Städten und Gemeinden im Wahlkreis Görlitz an.
Am Wahlabend schaut sich der CDU-Kandidat Florian Oest nachdenklich die Ergebnisse aus den Städten und Gemeinden im Wahlkreis Görlitz an. © Martin Schneider

Katja Kipping: Trotz linkem Absturz im Bundestag

Das war knapp: Ohne die drei Direktmandate wären die Genossen infolge ihres 4,9 Prozent-Debakels komplett aus dem Bundestag geflogen. Nach den Erfolgen von Gregor Gysi und Gesine Lötzsch in Berlin sowie Sören Pellmann in Leipzig dürfen sie bleiben, wenn auch deutlich reduziert. Auch die sächsische Spitzenkandidatin Katja Kipping darf ihr Mandat behalten – sie zieht über die Liste ein. Ihr Ziel war eigentlich, selbst ein Mandat in Dresden zu gewinnen. Darum zu kämpfen, „war Arbeiten am Wunder“, schreibt die 43-Jährige auf Twitter. Am Ende konnte sie zwar die AfD knapp schlagen, das Mandat holte aber die CDU.

Jens Maier: Verliert sein Bundestagsmandat

Der AfD-Politiker war von seiner Partei auf den eigentlich sehr aussichtsreichen Listenplatz zwei gesetzt worden. Da die AfD aber zehn Wahlkreise gewinnen konnte, spielte die Landesliste bei der Mandatsverteilung keine Rolle. Maier hätte seinen Wahlkreis in Dresden also gewinnen müssen, um wieder in den Bundestag einzuziehen. Das gelang ihm jedoch nicht, der CDU-Bewerber war stärker. Offen ist, ob Maier wieder in seinen früheren Beruf als Richter zurückkehren wird. Rechtlich hätte er einen Anspruch auf eine Stelle mit der alten Besoldung, in Dresden oder anderswo. Allerdings könnten Äußerungen Maiers eine disziplinarrechtliche Prüfung erfordern. Über etwaige Maßnahmen entscheide der Präsident des Landgerichts Dresden als Dienstvorgesetzter Richter, teilte das Justizministerium mit.

Jens Maier konnte das Direktmandat im Dresdner Wahlkreis 159 nicht gewinnen. Er scheiterte mit etwa 4.000 Stimmen Unterschied bei den Erststimmen an CDU-Kandidat Markus Reichel.
Jens Maier konnte das Direktmandat im Dresdner Wahlkreis 159 nicht gewinnen. Er scheiterte mit etwa 4.000 Stimmen Unterschied bei den Erststimmen an CDU-Kandidat Markus Reichel. © Matthias Rietschel

Sören Pellmann: Verteidigt sein Mandat gegen die Grünen

Als einer von nur drei Linken-Politikern bundesweit hat Sören Pellmann es geschafft, erneut als Direktkandidat ins Parlament einzuziehen. Der gebürtige Leipziger bekam im südlichen Leipziger Wahlkreis 22,8 Prozent. Grüne und SPD werfen ihm unlauteren Wahlkampf vor, weil Unbekannte Flugblätter verteilt haben, die ihn als einzigen aussichtsreichen Kandidaten des linken Spektrums darstellten, dabei gibt es auf Wahlkreisebene gar keine Umfragen. Für die Genossen ist Pellmann, 44, Grundschullehrer, ein Lokalheld. Und das, obwohl er als einziger mit Sahra Wagenknecht auftritt, die wegen ihrer Forderung nach einer schärferen Asylpolitik in der Kritik steht. Den größten Erfolg holte Pellmann dann in Connewitz, wo er 42,1 Prozent der Erststimmen bekam. Das Plattenbauviertel Grünau, sein angestammtes Revier, in dem er aufwuchs und in dem sein Wahlkreisbüro liegt, verlor der Abgeordnete indes komplett an die SPD und an die AfD. Pellman war 1993 – mit 16 Jahren – in die PDS eingetreten, 2017 löste er als Direktkandidat knapp den CDU-Abgeordneten Thomas Feist ab. Als Obmann im Ausschuss für Bildung und Forschung sowie als Mitglied im Petitions- und im Sportausschuss nahm man ihn in Leipzig jedoch weniger wahr.

Paula Piechotta: Zweitstimme top, Erststimme Flop

Dass Kandidaturen in grünen Hochburgen nicht automatisch ein Ticket nach Berlin sind, musste am Sonntag Paula Piechotta erfahren. In ihrem Leipziger Wahlkreis gewannen den Grünen zwar die meisten Zweitstimmen, das Direktmandat holte aber ein Linker. Die Spitzenkandidatin der sächsischen Grünen zieht auf Platz 1 der Landesliste trotzdem in den Bundestag ein. Den gewann die bis dahin eher unbekannte Politikerin im parteiinternen Duell gegen Katharina Krefft – die langjährige Fraktionsvorsitzende der Grünen in Leipzig. Bisher arbeitete die 34-Jährige als Fachärztin für Radiologie am Leipziger Universitätsklinikum. Neben der Gesundheitspolitik will sie ihren Fokus auf Ostdeutschland im Bundestag legen.

Die Radiologin Paula Piechotta zieht für die Grünen zum ersten Mal in den Bundestag ein.
Die Radiologin Paula Piechotta zieht für die Grünen zum ersten Mal in den Bundestag ein. © Jürgen Lösel

Detlef Müller: Erstes Direktmandat für die SPD seit 2005

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Die SPD ist der Gewinner in Chemnitz. Das liegt auch an Detlef Müller. Der 57-Jährige holte in Chemnitz das Direktmandat für die Sozialdemokraten – zum ersten Mal seit 2005. „Nicht blau, sondern SPD-Rot. Gut für Kulturhauptstadt Europas 2025 und auch ein sachsenweites Zeichen!“, schrieb Müller auf Twitter. Schon seit 2014 sitzt der gelernte Lokführer im Bundestag, damals rückte er für Wolfgang Tiefensee nach, weil der Wirtschaftsminister in Thüringen wurde. Müller ist der einzige Lokomotivführer im Parlament, seine Lehre machte er in den 80ern bei der Deutschen Reichsbahn, nach der Wende war er vor allem bei der Erzgebirgsbahn tätig. Seit 2013 liegt die Lizenz allerdings auf Eis, man muss mindestens 100 Stunden im Jahr fahren, um sie zu erhalten. Sein Spezialgebiet im Bundestag: Verkehrspolitik.

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