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So denkt Sachsen über die Ampel, Scholz und Laschet

Vom Ausgang der Bundestagswahl leitet die Mehrheit der Sachsen eine klare Meinung zu Koalitionen und dem neuen Kanzler ab. Auch wieso die AfD so stark ist.

Die Menschen in Sachsen finden, dass nach dem Wahlsieg der SPD auch deren Kandidat Olaf Scholz (rechtes Plakat) Kanzler werden sollte. Armin Laschet genießt nur wenig Zuspruch.
Die Menschen in Sachsen finden, dass nach dem Wahlsieg der SPD auch deren Kandidat Olaf Scholz (rechtes Plakat) Kanzler werden sollte. Armin Laschet genießt nur wenig Zuspruch. © Kay Nietfeld/dpa

Dresden. Das Ergebnis der Bundestagswahl zu akzeptieren, so scheint es, fällt einem Politiker besonders schwer: Armin Laschet (CDU). Der Unions-Kandidat hat am vergangenen Sonntag für die Schwesterparteien CDU und CSU auf Bundesebene das historisch schlechte Ergebnis von 24,1 Prozent eingefahren. In Sachsen ist der Absturz noch gravierender: Nur 17,1 Prozent der Zweitstimmen sind an die CDU gegangen - so wenig wie nie zuvor.

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Dennoch sieht Armin Laschet für sich und die Union weiterhin den Auftrag, eine Regierung zu bilden. Jamaika soll es werden, ein Bündnis aus Unionsparteien, Grünen und FDP. Am Sonntag wollen sich in Berlin Spitzen von CDU/CSU und FDP treffen, parallel reden am Wochenende aber auch FDP und Grüne jeweils separat mit der SPD über eine Ampel.

Ginge es nach den Menschen in Sachsen, würde ein Zustandekommen einer Regierung unter der Führung von Armin Laschet und der Union allerdings nur sehr wenig Zuspruch finden. In mehreren repräsentativen Umfragen hat Sächsische.de mit den Meinungsforschern von Civey untersucht, wie die Sachsen den Ausgang der Wahl beurteilen - unter anderem hinsichtlich der Koalitions- und Kanzlerfrage.

Sachsen wollen Ampel und Scholz als Kanzler

Die Meinungen dazu sind eindeutig: 42 Prozent der befragten Menschen in Sachsen wünschen sich eine Ampel aus SPD, FDP und Grünen. Ein Jamaika-Bündnis favorisieren hingegen nur 18 Prozent. Die als Deutschlandkoalition bezeichnete Konstellation aus SPD, FDP und Union liegt sogar noch höher in der Gunst der Sachsen: 22 Prozent könnten sich eine solche Bundesregierung vorstellen. Eine SPD-geführte Große Koalition (7 Prozent) oder ein Kenia-Bündnis (2 Prozent) lehnen die Sachsen ab.

Bei der Kanzlerfrage zwischen Olaf Scholz und Armin Laschet wird das Ergebnis noch deutlicher. Den Unionskandidaten Laschet können sich nach der Bundestagswahl nur 20 Prozent der Sachsen als künftigen Kanzler vorstellen. Mit 22 Prozent geben sogar noch mehr Menschen an, dass sie in dieser Frage nicht entscheiden könnten. Die deutliche Mehrheit (58 Prozent) sagt, dass Olaf Scholz, dessen SPD bei der Wahl mit 25,7 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden ist, der nächste Kanzler werden sollte.

Die Umfragen zeigen: In Sachsen wünscht man sich, dass die Union ihr Ergebnis als Wahlniederlage akzeptiert. Auch die sächsische CDU hatte sich als einer der ersten Landesverbände nach der Wahl deutlich dafür ausgesprochen. "Die CDU hat diese Wahl nicht gewonnen", sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer bereits am Montag und forderte statt Jamaika-Gesprächen "eine Neuausrichtung der CDU Deutschland".

Dafür dürften dann auch personelle Veränderungen nötig werden. Beim Posten des Parteivorsitzenden der CDU, momentan mit Armin Laschet besetzt, sehen die Menschen in Sachsen offenbar sehr großen Handlungsbedarf. Dreiviertel (75 Prozent) der Befragten sagen, Laschet sollte von dem Amt zurücktreten.

Union und Linke die Verlierer - SPD der Gewinner

Einsortiert in die Rollen der größten Gewinner und größten Verlierer beurteilen die Sachsen das Bundestagswahlergebnis ebenfalls sehr eindeutig. Gefragt danach, welche Partei die Menschen im Freistaat als Gewinner der Wahl sehen, geben mehr als die Hälfe der Befragten die SPD (56 Prozent) an. Grüne und FDP liegen fast gleichauf bei 12 respektive 14 Prozent. Die Union halten zwei Prozent für einen Gewinner, die Linke fast niemand.

Die AfD, die in Sachsen zwar die Wahl mit 24,6 Prozent der Zweitstimmen und zehn errungenen Direktmandaten klar gewonnen hat, wird von den Menschen im Bundesland aber nicht als Gewinner gesehen. Nur 13 Prozent der befragten Sachsen halten die AfD für einen Wahlgewinner.

Umgekehrt sagen aber auch nur drei Prozent der Befragten, die AfD zählt zu den größten Verlierern der Wahl. Diese Rollen ordnen die Sachsen eher der CDU/CSU und der Linken zu: 55 Prozent sagen, die Union ist der größte Verlierer der Wahl, 30 Prozent halten die Linke für den größten Wahlverlierer.

Information zu Umfragen mit Civey

In diesem Artikel wurden fünf Umfragen ausgewertet, die Sächsische.de in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey durchgeführt hat.

  • An der Umfrage zu Koalitionsoptionen haben 11.304 Menschen teilgenommen, aus 5.021 abgegeben Stimmen wurde eine repräsentative Stichprobe gezogen.
  • An der Umfrage zum nächsten Kanzler haben 138.657 Menschen teilgenommen, aus 5.086 abgegeben Stimmen wurde eine repräsentative Stichprobe gezogen.
  • An der Umfrage zum CDU-Parteivorsitz haben 14.915 Menschen teilgenommen, aus 5.063 abgegeben Stimmen wurde eine repräsentative Stichprobe gezogen.
  • An der Umfrage zu den größten Wahlgewinnern haben 24.197 Menschen teilgenommen, aus 5.061 abgegeben Stimmen wurde eine repräsentative Stichprobe gezogen.
  • An der Umfrage zu den größten Wahlverlierern haben 17.321 Menschen teilgenommen, aus 5.063 abgegeben Stimmen wurde eine repräsentative Stichprobe gezogen.

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Stichproben für Sachsen entsprechen jeweils der Grundgesamtheit der Wahlbevölkerung im Land. Detailangaben zu Befragungszeitraum, Stichprobengröße und statistischem Fehler entnehmen Sie den jeweiligen Grafiken. Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.

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