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Bundestagswahl: Sachsen wollen politischen Neuanfang

Die Mehrheit wünscht sich einen Neustart nach der Wahl. Wie Umfragen zeigen, gibt es für viele aber nicht den passenden Kanzlerkandidaten dafür.

Die deutliche Mehrheit der Sachsen wünscht sich nach der Bundestagswahl einen politischen Neuanfang. Einem der drei Kanzlerkandidaten trauen sie dies am ehesten zu.
Die deutliche Mehrheit der Sachsen wünscht sich nach der Bundestagswahl einen politischen Neuanfang. Einem der drei Kanzlerkandidaten trauen sie dies am ehesten zu. © WDR

Weniger als zwei Wochen vor dem Urnengang hat der Endspurt zur Bundestagswahl begonnen. Wie beim zweiten Triell der Kanzlerkandidaten am Sonntag deutlich wurde, werden die Debatten schärfer und der Ton wird rauer. Wir wollten wissen, welche Erwartungen die Sachsen an die Bundestagwahl haben. Zusammen mit den Meinungsforschern von Civey haben wir mehrere Umfragen in Auftrag gegeben und nun ausgewertet. Das sind die Ergebnisse.

Die Erwartungen

Selten zuvor waren mit der Stimmabgabe so wichtige Entscheidungen verbunden wie bei dieser Bundestagswahl. Ob Corona-Maßnahmen, Klimaschutz, bezahlbare Mieten oder die Zukunft der Renten- und Sozialsysteme - viele Parteien grenzen sich bewusst vom bislang eingeschlagenen Weg ab. Damit treffen sie bei vielen Sachsen offenbar einen Nerv.

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Denn wie eine repräsentative Umfrage zeigt, spricht sich eine deutliche Mehrheit der Sachsen für einen politischen Neuanfang aus. Deutlich mehr als die Hälfte (58,4 Prozent) wünscht sich eindeutig oder eher einen politischen Neuanfang. Eine Minderheit (16,5 Prozent) plädiert hingegen für Kontinuität. 18,6 Prozent wünscht sich etwas von beidem.

Am ehesten wird dieser Neuanfang der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock zugetraut, die zumindest beim Klimaschutz für einen politischen Neuanfang steht. Das zeigt eine weitere Umfrage. Etwas mehr als ein Viertel der Sachsen (27,9 Prozent) verbindet mit ihr die Begriffe Aufbruch und Neuanfang. SPD-Kandidat Olaf Scholz und CDU-Vertreter Armin Laschet kommen hier nur auf 12 beziehungsweise 4,3 Prozent.

Zugleich zeigt die Umfrage aber auch, dass viele sich zwar einen Neuanfang wünschen, es aber aus ihrer Sicht nicht den richtigen Kanzlerkandidaten dafür gibt. Fast 60 Prozent der Sachsen verbinden diesen Begriff mit keinem der drei Kanzlerkandidaten.

Keine Überraschung ist hingegen das Ergebnis der Umfrage, welcher Kandidat Kontinuität in der Regierungsarbeit verkörpert. 32,2 Prozent der Sachsen ordnen diesen Begriff dem aktuellen Bundesfinanzminister Olaf Scholz zu. Armin Laschet, der Chef der derzeitigen Regierungspartei, bekommt diese Zuschreibung von 22,3 Prozent der Sachsen. 3,5 Prozent nennen Baerbock. Eine große Zahl der Sachsen (46,4 Prozent) sagt auch hier, dass keiner der drei Kandidaten diesen wert verkörpert.

Nach diesen Umfrageergebnissen ist zumindest bemerkenswert, dass Scholz in den Augen der Sachsen der überzeugendste Kanzlerkandidat ist. Obwohl er den von vielen Sachsen erwünschten Neuanfang nicht verkörpert, halten ihn fast ein Viertel der Sachsen (23,3 Prozent) am geeignetsten für das Kanzleramt. Auf Platz zwei folgen das Spitzenkandidaten-Duo der AfD, Alice Weidel und Tino Chrupalla, mit 19,8 Prozent. Baerbock und Laschet kommen nur auf 8 beziehungsweise 5,4 Prozent der Stimmen.

Die Vorliebe für die AfD bei vielen Sachsen zeigt sich auch bei einer weiteren repräsentativen Umfrage. 22,1 Prozent der Sachsen sind der Meinung, dass die Alternative für Deutschland die bislang überzeugendste Wahlkampagne geführt hat. Dahinter folgt mit 18,5 Prozent die SPD. Die anderen Parteien bekommen jeweils weniger als 10 Prozent. 27,3 Prozent haben keine Antwort auf die Frage.

Die Themen

Weniger als zwei Wochen vor der Bundestagswahl zeigt sich, dass die Zukunft der Renten- und Sozialsysteme für die deutlich meisten Sachsen das wichtigste Thema ist. Das zeigt eine weitere Umfrage von Civey und sächsische.de. 63,9 Prozent sind demnach der Meinung, dass dieses Thema die eigene Wahlentscheidung am meisten beeinflussen wird. Auf den Plätzen dahinter folgen die Themen "Wirtschaft und Arbeitsplätze" (37,6 Prozent), "Innere Sicherheit" (37,4 Prozent), "Umwelt- und Klimapolitik" (32,7 Prozent) sowie "Gesundheitspolitik" (31,5 Prozent).

Bemerkenswert ist dabei, dass die meisten Sachsen entgegen ihrer persönlichen Prioritäten denken, dass die Umwelt- und Klimapolitik ebenfalls eine bestimmende Rolle bei der Bundestagswahl spielen wird. 59,1 Prozent der Sachsen setzen auch bei dieser Umfrage die Zukunft der Renten- und Sozialsysteme an die Nummer eins. Gleich dahinter folgt jedoch die Umwelt- und Klimapolitik mit 55,3 Prozent. Das Themenfeld "Wirtschaft und Arbeitsplätze" folgt auf Rang drei mit 40,1 Prozent Zustimmung.

Die Entscheidung

Erste Zahlen deuten bereits darauf hin, dass es bei der Bundestagswahl einen neuen Rekord in Sachen Briefwahl geben wird. Diese Prognose wird auch durch eine weitere Umfrage von Civey und sächsische.de gestützt.

Demnach geben derzeit fast 40 Prozent der Sachsen (39,6 Prozent) an, dass sie ihre Stimme per Briefwahl abgeben werden. Zum Vergleich: Bei der vergangenen Bundestagswahl gab es in Sachsen knapp über 20 Prozent Briefwähler. Zugleich sagen aber auch etwas mehr als die Hälfte der Sachsen (52,8 Prozent), dass sie eine Briefwahl für eher unwahrscheinlich halten oder komplett ausschließen. 7,6 Prozent sind unentschieden.

Wie eine weitere Umfrage zeigt, scheint es in Teilen der Gesellschaft ernsthafte Bedenken gegen eine Briefwahl zu geben. Zwar sagt etwas mehr als die Hälfte (52,3 Prozent), dass sie keine Bedenken gegen das Briefwahlsystem hat. Zugleich denken aber auch 35,7 Prozent der Sachsen, dass Wahlbetrug damit vereinfacht wird. 19,3 Prozent finden es problematisch, dass die Wahl nicht mehr geheim sein könnte. 15,1 Prozent bemängelt, dass aktuelle Ereignisse bei der Wahlentscheidung nicht mehr berücksichtigt werden.

Egal ob Briefwähler oder nicht - die deutlich meisten Sachsen haben sich knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl bereits entschieden. Das zeigt eine weitere Umfrage von Civey und sächsische.de. 62,9 Prozent der Sachsen haben entweder gedanklich oder tatsächlich per Briefwahl ihre Kreuze bereits gesetzt. Weitere 20,6 Prozent haben zudem bereits eine klare Tendenz. Tatsächlich noch unentschieden und damit potenziell offen für die Wahlkampagnen in den letzten Tagen vor der Wahl sind 14,6 Prozent der Sachsen.

Die "Sonntagsfrage" für Sachsen hatte Ende August die AfD (23 Prozent) vor der CDU (21 Prozent) gesehen. Großer Gewinner waren der Umfrage zufolge die Parteien einer möglichen Ampelkoalition. Die Grünen legen fünf Prozentpunkte zu und kommen aktuell auf zehn Prozent, die SPD landet bei 15 Prozent (plus vier Prozentpunkte) und die FDP bei zwölf Prozent (plus vier Prozentpunkte). Die Linke käme bei einer Wahl am kommenden Sonntag nur noch auf elf Prozent (minus fünf Prozentpunkte) und setzt damit ihren Abwärtstrend in Ostdeutschland fort.

Bundesweit ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Hier liegt die SPD nach den jüngsten Umfragen vor der CDU. Wahlrecht.de gibt den Überblick über die Umfrageergebnisse der vergangenen Tage.

Information zu Umfragen mit Civey

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Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.

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