merken
PLUS Politik

Was die Kanzlerkandidaten über den Osten sagen

Beim "TV-Triell" reden die Kanzlerkandidaten zumindest kurz über den Osten. Es geht um Strukturwandel und Löhne.

Peter Kloeppel und Pinar Atalay wollten wissen, wie es die Kanzlerkandidaten mit Ostdeutschland halten.
Peter Kloeppel und Pinar Atalay wollten wissen, wie es die Kanzlerkandidaten mit Ostdeutschland halten. © RTL

Dresden. Die Überleitung wirkt überraschend. Eigentlich wollen die RTL-Moderatoren von den drei Kanzlerkandidaten beim „Triell“ am Sonntagabend wissen, wie ihre Positionen zum Gendern und zu Wörtern sind, die eventuell als diskriminierend empfunden werden. Plötzlich fragt Peter Kloeppel Finanzminister Olaf Scholz unvermittelt: „Darf man noch Ossi und Wessi sagen?“

Der Sozialdemokrat überlegt, sagt dann: „Darf man, klar.“ Schränkt aber ein, dass es wenig Sinn mache, er sehe sich vielmehr verpflichtet die Einheit weiter voranzubringen. „Da gibt es noch viel zu tun“, analysiert Scholz und nennt routiniert die Unterschiede bei Renten und Löhnen. „Und wenn man sich die Führungspositionen um Osten ansieht, sieht man, dass das viele Westdeutsche sind, die dort überall sind.“

Zoo Dresden
Tierisch was erleben
Tierisch was erleben

Welche spannenden Neuigkeiten gibt es bei Pinguin, Elefant und Co.? Wer wird Tier des Monats? Hier können Sie abstimmen und erfahren mehr über die tierischen Bewohner des Zoo Dresden.

Damit hat Scholz die Reizthemen genannt, Kloeppel und Komoderatorin Pinar Attalay kommen nun zur eigentlichen, recht kurzen Ost-Runde. Wie lassen sich Gegensätze überwinden, fragen sie die drei westdeutschen Spitzenkandidaten.

Armin Laschet zieht Vergleiche zum Strukturwandel im Westen

Der aus Aachen stammende CDU-Mann Armin Laschet sagt, dass der Osten den Anspruch habe, „dass man seine Probleme anschaut“. Er ergänzt: „Jedesmal, wenn ich in Ostdeutschland unterwegs bin, spüre ich, dass das Menschen sind, die von der Politik Ehrlichkeit erwarten.“ Der NRW-Ministerpräsident will vermitteln, dass er – etwa mit Blick auf das Steinkohleaus – Erfahrungen mit Umbrüchen hat. Industrien seien an Rhein und Ruhr verschwunden, neue entstanden. „Strukturwandel haben wir im Westen gelernt.“ Im Osten sei der nach 1990 teils „sehr rapide“ und mit „großen Verlusten“ verlaufen. Man müsse, etwa bei der Energiepolitik, auch liefern, sagt Laschet, was wohl bedeutet, dass ein früherer Braunkohleausstieg mit ihm nicht machbar ist.

Wertschätzung ist ihm wichtig: „Dieses ehrliche Erkennenlassen, was die Menschen in 30 Jahren geleistet haben, das kann man auch als Westdeutscher ganz gut.“ Den Namen eines oder einer Ostdeutschen für sein Schattenkabinett lässt sich Laschet nicht entlocken.

Annalena Baerbock verweist auf ihren Wohnort in Brandenburg

Die Grünen-Spitzenfrau Annalena Baerbock lebt wie Scholz in Hauptstadtnähe in Brandenburg. Sie betont zunächst weniger das Trennende: „Diese harte Spaltung Ost – West, die gibt es zum Glück nicht mehr so.“ Ungleichheiten bei Verdiensten will Baerbock mit einem deutschlandweiten Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde entgegenwirken.

Strukturschwachen Regionen, in denen das Kita- und Bus-Netz ausgedünnt sei, soll mit einem Maßnahmepaket für gleichwertige Lebensverhältnisse geholfen werden. Baerbock will zudem den Glasfaserausbau für schnelles Internet im Osten intensivieren. In Sachsen ist die Staatsregierung bislang darüber uneins, ob Kommunen bei der Kofinanzierung der Breitbandförderung des Bundes unterstützt werden sollen.

Olaf Scholz hält "Aufbruch Ost" für möglich

Scholz verweist auf die Erfahrungen als junger Anwalt, als er in den 1990er-Jahren Betriebsräte im Osten bei der Aufstellung von Sozialplänen unterstützte. Er habe damals viele beeindruckende Frauen und Männer kennengelernt. Scholz nennt unter dem Slogan „Aufbruch Ost“ die für die Region zukunftsweisenden Technologien wie Wasserstoff, Elektromobilität, Batterieproduktion: „Da ist viel möglich, wenn wir uns jetzt kümmern.“

Weiterführende Artikel

AfD bei U18-Wahl in Sachsen stärkste Kraft

AfD bei U18-Wahl in Sachsen stärkste Kraft

Umfrage sieht Zugewinn für Union, Laschet warnt erneut vor Rot-Rot-Grün nach der Wahl, Rekord für "Wahl-O-Mat" - der Newsblog zur Bundestagswahl.

Das Triell ging scharf los - und noch schärfer weiter

Das Triell ging scharf los - und noch schärfer weiter

Die Kanzlerkandidaten hatten Lust auf Streit. Und das war gut so: Manche Position klärte sich. Die unglücklichste Figur machten die Moderatoren.

Drei Mal Nein zum Start, dann macht Scholz auf Merkel

Drei Mal Nein zum Start, dann macht Scholz auf Merkel

Nach dem Triell sollte weder Laschet abgeschrieben werden, noch ist Baerbock aus dem Rennen. Aber Scholz zeigt, warum er in den Umfragen aktuell gut dasteht.

So schön kann Wahlkampf sein

So schön kann Wahlkampf sein

Die Qual der Wahl? Das Meckern über Sprechblasen und Plakate war schon immer schick. Schluss damit! Ein Loblied auf die heiße Phase der Demokratie.

Ob und wie die Kandidaten damit zwischen Ostseestrand und Erzgebirge punkten konnten, ist offen. Nach einer von RTL und NTV in Auftrag gegebenen Zuschauerumfrage ist Scholz „Triell“-Sieger. 36 Prozent der mehr als 2.500 von Forsa Befragten sehen den Sozialdemokraten als Gewinner, 30 Prozent Baerbock, 25 Prozent Laschet. Neun Prozent erkennen keinen Sieger. Eine Aufsplittung der Werte nach Ost- und Westdeutschland liegt aber nach RTL-Angaben nicht vor.

Mehr zum Thema Politik