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Das Triell ging scharf los - und noch schärfer weiter

Die Kanzlerkandidaten hatten Lust auf Streit. Und das war gut so: Manche Position klärte sich. Die unglücklichste Figur machten die Moderatoren.

Mehr Kontroverse, mehr Streit - das zeichnete das zweite Triell aus.
Mehr Kontroverse, mehr Streit - das zeichnete das zweite Triell aus. © WDR/dpa

Von Robert Birnbaum und Hans Monath

Das zweite TV-Triell ist keine zwei Minuten alt, da beißen die Moderatoren schon auf Granit. Nein, Armin Laschet will nicht sagen, ob er auch als Nummer Zwei in eine Koalition gehen würde. „Wir kämpfen um Platz Eins“, sagte der Unionskandidat. Nein, die Grüne Annalena Baerbock will nicht direkt sagen, wer für sie ein liebster dritter Koalitionspartner wäre. Aber die Linke habe mit ihrem Nein zur Rettungsaktion in Kabul „klar gemacht, dass sie sich dieser Verantwortung nicht stellen will“.

Und SPD-Mann Olaf Scholz will wieder nicht in aller Form ausschließen, dass er nicht mit der Linken koalieren würde. Als „immer absurdere Theateraufführungen“ tut der SPD-Kandidat alle Koalitionsfragen ab. Der Unionskandidat findet das überhaupt nicht.

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„Wenn es eine rechnerische Mehrheit gibt, werden Sie eine Koalition mit der Linken machen“, hält er Scholz vor. „Jeder, der mich kennt, weiß was er kriegt“, merkelt Scholz zurück. Es geht scharf los im Studio 20 im Berliner Fernseh- und Innovationspark an diesem Sonntagabend. Und es geht noch schärfer weiter.

Bei einer Zoll-Spezialeinheit gegen Geldwäsche in Scholz‘ Ministerium hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück eine Razzia durchgeführt wegen des Verdachts der Strafvereitlung. Scholz hatte herablassend darauf reagiert: Die Ermittler hätten ja auch einfach schreiben können.

Jetzt betont er, beim Aufbau dieser Financial Intelligence Unit (FUI) und nach der Wirecard-Affäre habe er persönlich für Konsequenzen gesorgt. „Genau das, was notwendig ist, ist gemacht worden. Das ist meine Leistungsbilanz, auf die ich auch sehr stolz bin!“ Laschet grätscht rein: „Schönrednerei“ sei das. Scholz habe seine Aufsichtspflicht vernachlässigt – wie in anderen Fällen auch. Der CDU-Mann zählt auf: das gleiche bei der Überwachung des betrügerischen Wirecard-Konzerns, das gleiche in der Steuerbetrugsaffäre um „Cum Ex“-Geschäfte. „Wenn mein Finanzminister so arbeiten würde wie Sie, dann hätte der ein ernstes Problem!“

„An Ihrer Frage merkt man, wie unehrlich Sie sind!“

Scholz hat bisher rechts außen mit seiner sparsamen Eichenschrankmiene gestanden. Jetzt kneift er die Augen zusammen und schaltet auf Angriff als Verteidigung. Er attackiert den CDU-Mann persönlich: "Das machen Sie aus nicht guten Gründen“, schimpft er. „An Ihrer Frage merkt man, wie unehrlich Sie sind!“

Aber da hat auch Baerbock noch eine Nachfrage: Ob der Minister jetzt also ein Protokoll aus dem Finanzausschuss zur Wirecard-Affäre endlich freigebe?

Als nächstes kommen die Problemfälle dran. Laschets Problemfall heißt Hans-Georg Maaßen. „Steht Herr Maaßen in der Mitte der CDU?“, fragt Moderatorin Illner. Der Ex-Verfassungsschutzchef sei Mitglied, sagt der CDU-Chef. „In der Mitte der Partei steht er nicht.“ Würden Sie ihn wählen? „Ich wähle im Wahlkreis Aachen.“

Baerbocks Problemfall heißt Boris Palmer. „Er ist Mitglied unserer Partei und hat eine rassistische Äußerung getätigt“, sagt die Grünen-Kandidatin. Weil sich der Tübinger Oberbürgermeister dafür nicht entschuldigen wolle, werde jetzt sein Ausschluss geprüft. „Das unterscheidet uns beide“, stichelt Baerbock Richtung Laschet. Scholz setzt bei dieser Fragerunde aus. Die SPD hat im Moment keinen Problemfall.

Die Fragen der Moderatoren wirken wie Kraut und Rüben

Nächste Runde: Impfpflicht? Die Frage wurde schon im ersten Triell vor zwei Wochen behandelt. Der Erkenntnisgewinn bleibt gering: Scholz und Laschet sind gegen eine Pflicht, Baerbock will sie für „einige Berufsgruppen“.

Weiter geht’s zum digitalen Entwicklungsland Deutschland. Baerbock hat aus der Opposition heraus leichten Stand: 16 Jahre zu wenig getan. „Ich wohne ja selber in einem Bundesland, wo wir viele, viele weiße Flecken haben“, sagt die Brandenburgerin. Laschet nimmt den SPD-Kollegen mit in Haftung: „Es waren in den letzten Jahren mehrere Parteien an der Regierung, aber es reicht nicht.“ Scholz merkt an, am Geld scheiterten Vorhaben wie der Schul-Digitalpakt jedenfalls nicht.

Im Mittelteil werfen die Moderatoren ein Thema nach dem anderen ein: Steuererhöhungen (zwei dafür, einer dagegen), Bildung. Maybritt Illner ist für das ZDF als Duell-Veteranin dabei – sie hat schon die erste deutsche Kanzler-Schlacht 2002 zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber mit moderiert. Oliver Köhr für die ARD ist neu dabei. Ihre Fragen wirken streckenweise wie Kraut und Rüben.

Baerbock: "Jedes Verbot ist auch ein Innovationstreiber.“

Die Fronten bleiben wie gehabt: Vor allem Laschet und Scholz beharken sich. Beim Thema Klimawandel ist das eigentlich wenig logisch, werben beide doch für etwas, was Scholz einen „moderaten Weg“ nennt. Beide plädieren auch für schnellere Genehmigungsverfahren.

Laschet beansprucht aber das Copyright: „Es ist jetzt schön, dass sie viel von dem übernehmen, was die Union sagt.“ Tatsächlich hätten SPD und Grüne bisher vieles blockiert, was Union in dieser Hinsicht vorgeschlagen habe. Scholz kontert mit einem anderen Vorwurf: Die Union habe noch vor kurzem behauptet, Deutschland brauche für die Transformation der Wirtschaft gar nicht mehr Strom.

Baerbock nutzt die günstige Gelegenheit, sich noch einmal als Garantin einer wirksamen Klimaschutzpolitik zu empfehlen. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen der Konkurrenten zeigten, warum Deutschland bislang seine Klimaziele verfehlt habe, was „dramatische Auswirkungen“ nach sich ziehe. Und was den Vorwurf der Verbotspartei betreffe: „Jedes Verbot ist auch ein Innovationstreiber.“

Hoffnung für Laschet?

Zuletzt hat jeder wieder eine Minute für das Statement in eigener Sache. Das Los hat Laschet an die erste Stelle gesetzt. Er wirbt für sich als „Bundeskanzler des Vertrauens“. „Sie können mir vertrauen, dass ich Bürokratie abbaue, dass ich Sie nicht gängele“, dass Wirtschaft und Bürger sich entfalten könnten: „Dafür steht die Union.“

Baerbock stellt „echten Aufbruch“ gegen ein „Weiter so“. In den nächsten vier Jahren gebe es die letzte Chance, den Klimawandel aufzuhalten. Das Schlusswort fällt Scholz zu. An die Solidarität appelliert der Sozialdemokrat und an „Respekt vor jedem und für jede“. Der Umbau der Wirtschaft, ein Mindestlohn – „Ich möchte Ihnen als Bundeskanzler dienen.“

Hinterher kommen die Triellanten ins Nachbarzelt und lassen sich von den geladenen Parteifreunden beklatschen. Aus Bayern sendet CSU-Chef Markus Söder eine Ferndiagnose: „Punktsieg“ für Laschet.

Im Blitz-„Politbarometer“ der Forschungsgruppe Wahlen sind die Punkte auf den ersten Blick anders verteilt: Scholz liegt mit 32 Prozent vorn, Baerbock ist an zweiter Stelle mit 26, Laschet an letzter mit 20 Prozent.

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Nach dem Triell sollte weder Laschet abgeschrieben werden, noch ist Baerbock aus dem Rennen. Aber Scholz zeigt, warum er in den Umfragen aktuell gut dasteht.

Aber für Laschet und Scholz sind zwei andere Zahlen wichtiger. In der Kanzler-Präferenz, die die Demoskopen vor und nach dem Triell erfragten, steckt für Scholz wie Laschet ein Hinweis. Den SPD-Favoriten sähen hinterher nicht mehr ganz so viele gern im Kanzleramt. Und Laschet hat dort zugelegt.

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