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"Wir lassen Talente und Potenziale zurück"

Die Corona-Krise hat Thomas Linke in die Politik finden lassen. Als Teil der Basisdemokratischen Partei Deutschlands will er nun in den Bundestag ziehen.

Thomas Linke (Die Basis) will unter anderem für eine gute finanzielle Ausstattung der Gemeinden kämpfen.
Thomas Linke (Die Basis) will unter anderem für eine gute finanzielle Ausstattung der Gemeinden kämpfen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Am 26. September wird der 20. Deutsche Bundestag gewählt. Im Wahlkreis 161 Mittelsachsen, zu dem die Region Döbeln gehört, werben acht Direktkandidaten um die Gunst der Wähler.

Saechsische.de hat sie gefragt: Wie sind sie in die Politik gekommen? Wofür stehen sie? Wie wollen sie sich für die Region einsetzen?

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Heute: Thomas Linke von der Basisdemokratischen Partei Deutschland (die Basis).

Aus der Pandemie in die Politik

Thomas Linke hatte sich lange Zeit wenig mit Politik beschäftigt, wie er selbst sagt. Ein Studium als Bauingenieur, Familie und die Arbeit prägten lange Zeit das Leben des 49-Jährigen.

"Im vergangenen Jahr, während der Corona-Krise, habe ich mich dann gefragt, was für Ziele man im Leben noch haben kann und sollte. Daraufhin habe ich mich entschieden, mich politisch zu engagieren und bin auf die Basisdemokratische Partei Deutschlands gestoßen", erinnert sich der zweifache Vater.

Die Basis ging im Juli 2020 aus der kurzlebigen Partei "Widerstand 2020" hervor, die sich zuvor im Umfeld der Proteste gegen die Corona-Schutzmaßnahmen gegründet hatte. Zu ihren Mitgliedern zählt unter anderem der umstrittene Mediziner Wolfgang Wodarg. "Babylon Berlin"-Schauspieler Volker Bruch, der als einer der bekanntesten Gesichter hinter der Aktion #allesdichtmachen für Aufsehen sorgte, hatte in einem Interview sein Interesse für den "basisdemokratischen Ansatz" der Basis bekundet.

Ein wirkliches Wahlprogramm für die Bundestagswahl hat die Partei "netzpolitik.org" zufolge nicht. Stattdessen wirbt sie auf ihrer Website mit einem Rahmenprogramm bestehend aus vier Säulen: Freiheit, Machtbegrenzung, Achtsamkeit und Schwarmintelligenz.

Diese vier Säulen sowie der Fakt, dass es sich um eine junge Partei handelt, waren es, die Thomas Linke begeisterten. "Ich habe hier noch immer die Möglichkeit, Dinge mitzugestalten und bin nicht in einem festen Konstrukt gelandet, wie es bei den alteingesessenen Parteien der Fall ist."

Geld für Kommunen, Engagement von den Bürgern

Thomas Linke sei es dabei wichtig, Bürgern und Kommunen wieder mehr Verantwortung und Handlungsfreiheit zu überlassen. "Wenn wir heute in einer Gemeinde etwas bauen wollen, müssen wir erst einmal Fördermittel beantragen. Wir sind auf Gemeinde-Ebene eigentlich nicht handlungsfähig, laufen nur irgendwelchen Anträgen hinterher. Und was gerade nicht gefördert wird, wird auch nicht umgesetzt."

Linke zufolge wäre es besser, Gemeinden würden einen festen Betrag erhalten, über den sie frei verfügen können. "Die Leute vor Ort wissen ohnehin besser, wo gerade der Schuh drückt, ob nun eine Schule saniert oder eine Straße gebaut werden muss. Woher sollte jemand in Dresden oder in Berlin wissen, was gerade im kleinen Dorf um die Ecke wichtig ist?"

Mit den neuen Freiheiten für Kommunen gehe gleichzeitig einher, dass sich die Bürger in den Ortschaften einbringen. "Viele haben sich dort zurückgezogen, weil sie sagen: 'Das bringt alles nichts.' Wir müssen den Leuten zeigen, dass dem nicht so ist. Natürlich bringt es etwas, wenn man sich beteiligt. Nur, wer mitmacht, kann letztendlich auch entscheiden."

Die Stärken der Kinder fördern

Darüber hinaus wolle sich Thomas Linke für mehr Wohl für Kinder einsetzen, wobei er im Gespräch mit Saechsische.de vor allem das Thema Schule ansprach. "Wir müssen unseren Kindern optimale Möglichkeiten bieten. Unser Schulsystem ist dafür allerdings nicht mehr auf dem modernsten Stand."

Gerade die Aufteilung in Förder- und Mittelschule sowie Gymnasium zu Beginn der 5. Klasse sieht der Bauingenieur kritisch. "Viele Kinder haben sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht richtig entwickelt, dadurch lassen wir viel zu viele Talente und Potenziale zurück. Da müssen wir uns in Zukunft besser aufstellen."

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Linke hält es für besser, die Stärken der Kinder zu fördern. "Wenn jemand von Mathe kein Verständnis hat, bringt es nichts zu versuchen, ihm das einzubläuen. Die Talente liegen dann aber anderswo. Die müssen wir erkennen und dann fördern."

Dem zweifachen Vater zufolge müsse zudem die Belastung für Kinder thematisiert werden. "Gerade im Gymnasium. Um ein Beispiel zu nennen: Meine Tochter hat die Schule zuletzt mit Eins-Komma abgeschlossen. Sie war immer gut, ohne sich ständig anstrengen zu müssen, aber sie hatte trotzdem eine 60-Stunden-Woche. Da ist doch die Frage, ob das so sein muss oder ob wir vielleicht bessere Ansätze finden."

Die Erfahrungen gerade der letzten Monate hätten gezeigt, dass es mehr gibt als nur die Schule. "Ich denke, da gibt es viele neue Ideen. Die muss man jetzt vielleicht auch mal zur Umsetzung bringen beziehungsweise auch umsetzen dürfen."

Eine Verwaltung mit mehr Bürgernähe

Auch in Bezug auf seinen Wahlkreis will Thomas Linke für eine gute finanzielle Ausstattung der Gemeinden kämpfen. Hinzu kommt eine bessere Verkehrsanbindung des Landkreises. "Mittelsachsen hängt aktuell zwischen den drei Großstädten Sachsens in der Luft. Wenn ich von hier aus nach Leipzig, Dresden oder Chemnitz möchte, dann geht das nur über eine bessere Schienenanknüpfung. Daran müssen wir arbeiten."

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Der 49-Jährige fordert zudem eine Verwaltung mit mehr Bürgernähe für den Landkreis, wie er es ausdrückt. "Wenn ich ein Auto zulassen möchte, muss ich dafür einen Tag frei nehmen, weil es so viel Zeit in Anspruch nimmt. Das gleiche aktuell beim Umtausch meines Führerscheins, da muss ich auch erst irgendwo hin fahren."

Linke zufolge könnten derlei Aufgaben auch Gemeindeämter übernehmen. "Das sind alles Sachen, die am Computer erledigt werden. Was bringt uns Digitalisierung, wenn wir den Bürger noch immer durch die Gegend fahren lassen?"

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