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Diese Sachsen wollen in den Bundestag

Langjährige Abgeordnete aus Sachsen treten in diesem Jahr nicht mehr zur Bundestagswahl an. Wer rückt nach?

Ein Schattenspiel zeichnet sich im Plenum des Bundestags ab.
Ein Schattenspiel zeichnet sich im Plenum des Bundestags ab. © Kay Nietfeld/dpa

Derzeit vertreten 40 Abgeordnete aus dem Freistaat sächsische Interessen im Bundestag. Bei der Wahl im Herbst wird es zu spürbaren Veränderungen kommen. Langjährige Parlamentarier treten nicht mehr an, junge Politiker wollen nachrücken. Wer schafft es nach Berlin?

Ausgangslage: Die spannende Frage nach der stärksten Kraft

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Der Abend der Bundestagswahl 2017 glich einem politischen Beben im Freistaat. Die AfD übertrumpfte, wenn auch nur knapp, die CDU und war auf Landesebene stärkste Kraft. Der CDU-Abgeordnete Michael Kretschmer verlor seinen Wahlkreis. Regierungschef Stanislaw Tillich trat schließlich zurück und übergab die Amtsgeschäfte – Kretschmer. Kann die AfD diesen Erfolg wiederholen? Zu den großen Themen, mit denen sich sächsische Bundespolitiker auseinandersetzen müssen, zählt neben sozialen Fragen der Strukturwandel in den Tagebauregionen. Wie kann der Bund helfen, kommt das Geld an, welche Ideen gibt es?

Die CDU: Ostbeauftragter soll an der Spitze stehen

Trotz Verlusten noch immer stark vor Ort: Zwölf der 16 Wahlkreise gewann 2017 die CDU. Kein Vertreter kam über die Landesliste ins Parlament, alle sind direkt gewählt. Für die CDU dürfte es kein einfacher Wahlkampf werden, auf Landesebene hat die AfD in Umfragen jüngst zugelegt, der langjährige Bundesminister Thomas de Maizière kandidiert nicht mehr. Der CDU-Vorstand schlägt den Ostbeauftragten Marco Wanderwitz für Platz eins der Liste vor, die im April gewählt wird. Der Abgeordnete hat sich mehrfach deutlich gegen die AfD positioniert. Der Landeschef der Jungen Union tritt im früheren Kretschmer-Wahlkreis Görlitz an – gegen AfD-Bundeschef Tino Chrupalla. Florian Oest will es direkt schaffen und kandidiert nicht auf der Liste.

Die AfD: Partei will über 30 Prozent kommen

Landeschef Jörg Urban gibt als Ziel ein Zweitstimmenergebnis von mehr als 30 Prozent aus. Elf Abgeordnete entsandte die Partei 2017 nach Berlin. Aber: Drei verließen die Fraktion wieder. Spektakulärster Austritt war der von Parteigründerin Frauke Petry, die sich wegen Richtungsquerelen verabschiedete. Auf Platz eins der bereits gewählten Liste steht der Abgeordnete Chrupalla, der keinen Gegenkandidaten hatte. Bei den umkämpften folgenden Plätzen setzten sich meist Bewerber durch, die radikale Töne anschlugen. Bei den jüngsten Landtagswahlen im Südwesten verlor die AfD, auch weil sie nicht von den Corona-Protesten profitieren konnte. In Sachsen ist das womöglich anders.

Die Linke: Kipping steht für Regierungskurs

Ein Novum: Sören Pellmann, intern auch als „Pelle, der Eroberer“ gefeiert, gewann 2017 für die Linke das Direktmandat in Leipzigs Süden. Die anderen vier Wahlkreise, die an Linke gingen, liegen alle in Berlin. Pellmann tritt wieder als Direktbewerber an. Die Landesliste will die Partei, die sieben sächsische Abgeordnete stellt, Ende April wählen. Als Spitzenkandidatin bewirbt sich Katja Kipping. Die langjährige Bundeschefin gilt als Vertreterin eines Kurses, der die Regierungsbeteiligung, falls möglich, mit SPD und Grünen als Ziel hat.

Katja Kipping (Linke)
Katja Kipping (Linke) © dpa
Marco Wanderwitz (CDU)
Marco Wanderwitz (CDU) © dpa
Paula Louise Piechotta (B90/Grüne)
Paula Louise Piechotta (B90/Grüne) © Dennis Williamson
Torsten Herbst (FDP)
Torsten Herbst (FDP) © imago-images
Rasha Nasr (SPD)
Rasha Nasr (SPD) © Julian Hoffmann
Tino Chrupalla (AfD)
Tino Chrupalla (AfD) © imago-images

Die Grünen: Aus zwei mach drei, vier?

Das wäre mehr als eine Verdopplung: Knapp neun Prozent holten die Grünen 2017 bundesweit, in Umfragen liegen sie nun bei bis zu 20 Prozent. Eine Steigerung könnte dem sächsischen Verband mit derzeit zwei Abgeordneten helfen. Stephan Kühn ist mittlerweile Bürgermeister in Dresden. Die Leipzigerin Monika Lazar tritt nicht mehr an. Der Leipziger Verband hegt Ansprüche, den Spitzenplatz zu besetzen. Er stattete die Ärztin Paula Piechotta mit einem Votum für Platz eins aus, der Parteitag entscheidet Ende April.

Die SPD: Aus vier mach zwei?

Der Bundestrend zeigt nach unten. Statt vier könnte die SPD, läuft es schlecht, nur zwei Abgeordnete stellen. Ex-Minister Thomas Jurk und die Leipzigerin Daniela Kolbe treten nicht mehr an. Die Liste soll am 29. Mai besiegelt werden, am Tag davor macht Parteichef Martin Dulig einen Vorschlag. Die für April geplante Vorstandswahl verschob die SPD aus Pandemiegründen. Gepokert werden dürfte bis zum Schluss, vor allem um den weiblichen Spitzenplatz und den Leipziger Anspruch auf aussichtsreiche Plätze. Zu den bestätigten Direktkandidaten zählen die Abgeordnete Susann Rüthrich (Meißen), der Leipziger Landespolitiker Holger Mann und die Dresdnerin Rasha Nasr. Auch der Chemnitzer Abgeordnete Detlef Müller dürfte eine Rolle spielen.

Die FDP: Dresdner Abgeordneter auf Platz eins

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