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"Der Wohnraum ist knapp und unbezahlbar"

Die SZ befragt Dresdner vor der Wahl, welche Probleme sie sehen und was sie von der Politik erwarten. Heute: Eter Hachmann, Vorsitzende vom Ausländerrat.

Eter Hachmann ist Chefin des Dresdner Ausländerrates. Was Dresdens neue Bundestagsabgeordneten tun sollten, davon hat sie eine klare Vorstellung.
Eter Hachmann ist Chefin des Dresdner Ausländerrates. Was Dresdens neue Bundestagsabgeordneten tun sollten, davon hat sie eine klare Vorstellung. © Marion Doering

Dresden. Hier haben die Dresdner das Wort: Wenige Wochen vor der Bundestagswahl möchte die SZ in einem für alle gleichen Fragenkatalog wissen, wo der Schuh drückt - in Deutschland, in Dresden, im jeweiligen Stadtteil. Die Befragten antworten und sagen, was sie sich von den Politikern, die ihre Stadt im Bundestag vertreten, erwarten.

Eter Hachmann ist Vorsitzende vom Dresdner Ausländerrat und Politikwissenschaftlerin.

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Wo sehen Sie aktuell die größten Probleme in Deutschland?

In der Spaltung der Gesellschaft und im fehlenden Vertrauen in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. Die radikalen Kräfte wissen diese Spaltung für sich zu nutzen und manipulieren mit den Ängsten der Gesellschaft. Das ist fatal.

Wo sehen Sie aktuell die drängendsten Probleme in Dresden?

Der Wohnraum ist knapp und unbezahlbar, soziale Segregation nimmt zu. Die „Reichen“ können sich alles leisten, die „Armen“ können sich nichts leisten, nicht mal einen Zoobesuch. Die soziale Ungerechtigkeit zwischen verschiedenen Stadtteilen (Weißer Hirsch und zum Beispiel Prohlis) nimmt zu.

Wo sind die Probleme in Ihrem Kiez?

Es gibt zu wenig gepflegte und funktionstüchtige Spielgeräte und Spielplätze, das Angebot für Kinder zwischen 6 und 16 Jahren hält sich in Grenzen. Einige Radwege sind lebensgefährlich oder gar nicht vorhanden.

Was muss sich ändern?

Gesellschaftlicher Zusammenhalt und das allgemeine Pflichtbewusstsein Sachen gemeinsam anzupacken, müssen gestärkt werden. Ein starkes „Wir“-Gefühl statt „Ich“.

Was sollten Politiker dafür tun bzw. ändern?

Anfangen direkt und ohne politische Floskeln zu reden. Probleme direkt ansprechen und identifizieren. Schuld oder Mängel offen bekennen und sich klar gegen Antisemitismus und grundsätzlich gegen alle Arten von Rassismus positionieren.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder/die künftigen Generationen?

Eine gesunde Stadt mit wenig Autos, vielen Grünplätzen und sauberer Luft. Chancengleichheit und Fairness in den Schulen und Bildungseinrichtungen. Vielfalt und die Freude daran möglichst viel über die verschiedenen Kulturen zu erfahren.

Wenn Sie 100.000 Euro verteilen dürften in Dresden. Was würden Sie damit tun?

Ich würde mit 60.000 Euro ein Mehrgenerationenhaus gründen, in dem alle Generationen miteinander ins Gespräch kommen und voneinander lernen könnten. Die restlichen 40.000 würde ich den in Dresden lebenden Lebenskünstlern geben, denn nichts hat Dresden so stark geprägt wie Kunst und ich glaube in der Coronazeit wurde an alle gedacht, aber nicht (ausreichend) an Künstler und Künstlerinnen.

Corona hat viel verändert. Welches Problem ist Ihnen bewusst geworden und was wünschen Sie sich von Dresdner Bundestagsabgeordneten, um es lösen zu können?

Politiker sollten mehr für die Geflüchteten und Menschen in schwierigen Lebenssituationen tun. Diese gezielt unterstützen und in die politischen Prozesse einbinden. Der Kunstszene eine Stimme geben. Dresden hat eine wunderbare Kunst und Musikszene, diese muss unterstützt werden.

Bisher sind in der Serie erschienen:

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