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Kopf-an-Kopf-Rennen um Dresdens Direktmandate

Kurz vor der Bundestagswahl zeichnen sich Tendenzen ab, Prognosen wechseln. Der aktuelle Stand für Dresden und wie die Kandidierenden damit umgehen.

Das sind die Dresdner Direktkandidierenden aus beiden Wahlkreisen, der im Bundestag vertretenden Parteien.
Das sind die Dresdner Direktkandidierenden aus beiden Wahlkreisen, der im Bundestag vertretenden Parteien. © Sven Ellger, Christian Juppe, Marion Doering, René

Dresden. Wer gewinnt die beiden Direktmandate in Dresden? Laut einer Prognose lagen vor einer Woche noch die beiden AfD-Kandidaten Jens Maier im Wahlkreis Dresden I und Andreas Harlaß im Wahlkreis Dresden II/Bautzen II deutlich vor ihren Konkurrenten. Jetzt hat sich das Bild gewandelt.

Maier wurde laut Prognose von Election.de von CDU-Kandidat Markus Reichel überholt. Aber auch Katja Kipping (Linke) liegt im ersten Dresdner Wahlkreis nahe dran. Lars Rohwer (CDU) hat im Wahlkreis Dresden II/Bautzen II den Rückstand auf Harlaß deutlich verkürzt. Andere Umfrage-Portale kommen wiederum zu ganz anderen Ergebnissen. Demnach hat die SPD die besten Chancen auf ein Direktmandat in Dresden.

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Bislang galt es quasi vorab als gesetzt, dass die CDU in Dresden die beiden Direktmandate für den Bundestag holt. So war es nach der Wende bis jetzt. Vor vier Jahren wurde es allerdings ziemlich knapp für die CDU.

Die Linke hat den Wahlkreis der Bundestagsabgeordneten Katja Kipping (Dresden I) zum strategischen Wahlkreis erklärt. Der Verein "Campact" ruft dazu auf, Kipping zu wählen, um AfD-Mann Maier "Rechtsaußen mit strategischer Erststimme zu verhindern", so der Verein. Doch das anhaltende Umfrage-Hoch für die SPD könnte die beiden Dresdner Kandidierenden auch zum Direktmandat bringen. Und Grünen-Kandidatin Merle Spellerberg (Dresden II) werden ebenfalls Chancen eingeräumt. Das einzige, was sicher scheint: Es kann am Wahlabend verdammt knapp werden.

Prognose I: CDU und AfD je ein Mandat

Am klarsten war die Prognose von Election.de. Das Hamburger Portal erstellt politische Analysen und Prognosen. Bei der Prognose vor einer Woche lag die Wahrscheinlichkeit, dass Harlaß das Direktmandat im Wahlkreis Dresden II/Bautzen II holt, bei 63 Prozent. Rohwer folgte mit 19 Prozent Wahrscheinlichkeit auf einen Sieg und bei Merle Spellerberg (Grüne) lag diese bei zehn Prozent.

Mittlerweile haben sich diese Prognosezahlen ziemlich verändert. Harlaß liegt zwar noch vorne, aber der Vorsprung ist deutlich geschrumpft. Die Wahrscheinlichkeit, dass er gewinnt, liegt demnach bei 50 Prozent. Dahinter hat sich Rohwer auf 35 Prozent angenähert, Spellerberg bleibt unverändert.

Im Wahlkreis Dresden I sah das Portal ebenfalls den AfD-Kandidaten vorne. Maiers Siegchancen wurden mit 45 Prozent angegeben. Kipping lag bei 29 Prozent und CDU-Kandidat Reichel hatte demnach zu 22 Prozent Aussicht darauf, den Wahlkreis zu gewinnen.

Mittlerweile führt Reichel mit 40 Prozent Sieg-Wahrscheinlichkeit vor Maier (32 Prozent) und Kipping (26 Prozent). Demnach ginge ein Mandat an die CDU (Reichel) und eines an die AfD (Harlaß).

Prognose II: Mandate für SPD und CDU

Zu ganz anderen Ergebnissen kommt das Berliner Portal Wahlkreisprognose.de. Dieses sah im Wahlkreis Dresden I SPD-Kandidatin Rasha Nasr als führend im Kampf um das Direktmandat. Im zweiten Dresdner Wahlkreis lag dort ebenfalls die SPD an der Spitze, demnach würde Stephan Schumann den Wahlkreis gewinnen und direkt in den Berliner Bundestag einziehen.

Die aktuellsten Prognosen sehen weiterhin Nasr im Wahlkreis Dresden I vorne. Aber im Wahlkreis Dresden II/Bautzen II hat die Führung von Schumann zu CDU-Kandidat Rohwer gewechselt. In beiden Fällen ist es laut Prognose aber äußerst knapp. Nasr und Rohwer haben dort aktuell einen hauchdünnen Vorsprung.

Prognose III: SPD und AfD gewinnen

Auch das Markt- und Sozialforschungsinstitut "Insa" aus Erfurt erstellt ähnliche Prognosen. Hier wird ebenfalls die Wahrscheinlichkeit auf das Direktmandat bewertet. "insa-consulere.de" sah vergangene Woche im Wahlkreis Dresden I die SPD mit Nasr in Führung und im Wahlkreis Dresden II/Bautzen II Merle Spellerberg von den Grünen.

Mittlerweile hat sich die AfD mit Harlaß im Wahlkreis Dresden II/Bautzen II die Führung in dieser Prognose geholt. Im Wahlkreis Dresden I liegt weiter Nasr vorne. Derzeit hätten beide aber weniger als drei Prozent Vorsprung auf die Konkurrierenden.

"Zu viel Aufmerksamkeit für einen Nazi"

"Wir arbeiten an einer Trendwende", versichert Kipping. "Es wäre schrecklich für Dresden, wenn Maier das Direktmandat holt. Wir stehen in der Verantwortung, dass das nicht passiert." Sie werde in ihren Gesprächen mit den Dresdnern häufig darauf angesprochen. "Von Leuten, die bisher nicht Linke gewählt haben, es nun aber tun wollen." Sie hoffe, dass in Dresden der Wunsch nach einer "kulturvollen und vielfältigen" Stadt überwiegt.

Damit versucht die Linke auch direkt Wähler von SPD und Grünen quasi abzuwerben. Das nimmt Nasr aber nicht so einfach hin, zumal sie in zwei der Prognosen sogar auf Platz eins gesehen wird. "Ich will diesen Wahlkreis gewinnen und werde das Feld nicht anderen überlassen. Wir können uns nicht von einem Nazi fremd bestimmen lassen." Damit meint Nasr Maier. Dieser hat Anfragen der SZ zum Kampf um das Direktmandat bisher unbeantwortet gelassen.

"Ich habe einen Gestaltungsanspruch und rufe alle auf, mich zu wählen", so Nasr kämpferisch. Durch Kampagnen wie der von "Campact" für Kipping erhalte "ein Nazi zu viel Aufmerksamkeit". Maier wird vom sächsischen Verfassungsschutz als Rechtsextremist eingestuft.

Aber auch CDU-Kandidat Reichel sieht das Rennen ums Direktmandat noch lange nicht als verloren an. "Ich bin ein anschlussfähiger Kandidat", wirbt dieser um Stimmen. Kipping und Maier seien beim Wählerklientel "eingemauert", wie er es bezeichnet. Reichel ist überzeugt, es wird ein enges Rennen. "Es wird auf jede Stimme ankommen und die CDU wird noch Auftrieb bekommen." Allerdings werden auch der Grünen-Kandidat Kassem Taher Saleh und FDP-Kandidat Torsten Herbst nicht kampflos aufgeben.

"Keine Macht den Extremisten"

Drei unterschiedliche wahrscheinliche Sieger in drei Prognosen. Im Wahlkreis Dresden II/Bautzen II scheint das Rennen noch offener. "Ich freue mich natürlich, aber ich gebe auf solche Prognosen nicht so viel", reagiert AfD-Kandidat Harlaß. Schließlich hat dieser bei der Landtagswahl 2019 in Prognosen auch vorne gelegen und dann gegen CDU-Kandidat Rohwer verloren. Nun kommt es zum zweiten Mal zum Duell der beiden, allerdings - laut Prognosen - mit härterer Konkurrenz.

Deshalb wolle Harlaß nun weiter im Wahlkampf "Gas geben". "Der Sieg wäre mir äußerst wichtig, weil es das erste AfD-Direktmandat in einer Großstadt wäre - und damit ein Fanal." Rohwer ist nicht weniger kämpferisch, obwohl die Prognosen ihn nicht als Sieger sehen. "Wir kämpfen um jede Stimme. Ich will mit der Erststimme das Direktmandat erringen, um mit Ausgleich und Entwicklung auf Augenhöhe den Wahlkreis im Deutschen Bundestag zu vertreten." Dann fügt Rohwer an: "Keine Macht den Extremisten."

Die Grünen-Kandidatin Spellerberg rechnet sich durchaus Chancen aus. "Für uns ist klar, dass wir um beide Stimmen kämpfen." Grundsätzlich könne sie sich taktisches Wählen vorstellen. "Wenn es Aussicht auf Erfolg hat, einen Nazi im Bundestag zu verhindern. Aber Harlaß ist durch seinen Listenplatz ziemlich sicher drin und wird nicht verhindert werden können." Sie möchte aber keinesfalls, dass die AfD den Wahlkreis gewinnt - sondern am besten sie.

Allerdings sieht eine der Prognosen auch SPD-Kandidat Schumann als wahrscheinlichsten Sieger. "Das zeigt vor allem, dass das Rennen offen ist", so Schumann. Die CDU habe beim letzten Mal mit einem deutlich besseren Bundesergebnis den Wahlkreis knapp gewonnen. "Der Trend spricht eher dafür, gegen die AfD auch mit der Erststimme SPD zu wählen und die Stimmung, die wir beim Straßenwahlkampf mitbekommen ist positiv", sagt Schumann. Sein Team und er werden die verbliebenen Tage bis zur Wahl unterwegs sein und für eine starke SPD und für sich werben. Zudem kämpfen von den großen Parteien Silvio Lang (Linke) und Silke Müller (FDP) um die Gunst der Wähler.

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