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"Es ist unsere Verantwortung, den Wahlkreis zu gewinnen"

Die Dresdner Bundestagsabgeordnete Katja Kipping (Linke) wirbt zum ersten Mal gezielt darum, das Direktmandat zu holen. Weshalb sie daran glaubt.

Katja Kipping (Linke) will als Bundestagsabgeordnete noch mehr in Dresden unterwegs sein.
Katja Kipping (Linke) will als Bundestagsabgeordnete noch mehr in Dresden unterwegs sein. © René Meinig

Dresden. Für die Partei Die Linke ist der linkselbische Bereich Dresdens ein bundesweit strategischer Wahlkreis. Hier setzt die Dresdner Politikerin und langjährige Bundesvorsitzende der Linken, Katja Kipping, voll auf Sieg. „Soziale Gerechtigkeit ist wählbar“, lautet einer ihrer Slogans. „Schließlich geht es um eine Richtungsentscheidung“, sagt Kipping.

Die 45-Jährige sitzt seit 2005 im Bundestag. So habe sie daran mitgewirkt, das Sozialticket in Dresden einzuführen und die Kulturloge auch nach Dresden zu holen. Der Förderverein verhilft Dresdnern mit geringem Einkommen zur Teilnahme am kulturellen Leben.

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Katja Kipping: Eine Bitte an Sie
Katja Kipping: Eine Bitte an Sie

Lassen Sie uns verhindern, dass der Ruf Dresdens beschädigt wird.

Jetzt fordern Kipping und die Linke ein Grundeinkommen auch für Kinder, ein gerechteres Steuermodell, und Kipping verspricht: „Wir werden im Bund Druck machen, dass die Corona-Krise nicht auf Kosten der kleinen Bürger abgewickelt wird.“

„Wir wollen Familien und Rentner besser stellen“

Das Steuermodell der Linken sei durchgerechnet und werde jede Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro um 4.300 Euro pro Jahr entlasten. „Das ist eine Richtungsentscheidung“, so Kipping. „CDU und FDP wollen die Reichsten entlasten, wir die öffentliche Hand handlungsfähig erhalten.“

Sie fürchte, nach der Wahl werde bei der Sozialpolitik gekürzt, wenn sich CDU und FDP durchsetzen. „Wir wollen Familien und Rentner besser stellen.“

Generell wolle sie sich, nachdem sie nicht erneut als Bundesvorsitzende der Partei angetreten ist, noch mehr um Dresden kümmern. Bisher sei sie etwa die Hälfte der Zeit in Berlin und in Dresden. Das werde sich zugunsten ihrer Heimatstadt verschieben. „Ich bin permanent in engem Austausch mit der Fraktion, veranstalte regelmäßig das ,rote Wohnzimmer‘, bei dem mich die Dresdner direkt in ihrem Stadtteil treffen können.“ Dieses Angebot werde auch gut angenommen und Kipping erhalte so direkt von den Bürgern Hinweise, wo es Probleme gibt, und entwickle Ideen, was sie konkret als Politikerin dagegen tun kann.

CDU-Mandat keine Selbstverständlichkeit

Die Dresdner wenden sich mit Müll-, Mieten- und vielen weiteren Problemen an Kipping. „Es war immer mein Anspruch, direkt bei den Menschen zu sein. Wir dürfen den öffentlichen Raum nicht Querdenkern überlassen.“ Es gebe aber auch immer wieder Fälle, in denen Kipping wüsste, was sie tun müsste. „Ich kann es aber nicht, weil wir nicht in der Regierung sind.“ Das war lange so gewollt, aber Kipping hätte es auch gerne anders. „Eine Mehrheit links von der Union ist dieses Mal nicht ausgeschlossen. Darauf müssen wir vorbereitet sein.“ Schließlich wolle sie ja möglichst eine Kindergrundsicherung einführen.

Es sei auch „keine Selbstverständlichkeit“, dass die CDU das Dresdner Direktmandat holt, sagt Kipping. „Bei der letzten Wahl lagen drei Kandidaten nahe beieinander. Jetzt hat die CDU einen eher unbekannten Kandidaten.“ Kipping tritt unter anderem gegen Markus Reichel (CDU) und Jens Maier (AfD) an. „Die Dresdnerinnen und Dresdner entscheiden, ob sie soziale Gerechtigkeit oder soziale Kälte wollen“, sagt sie. „Die AfD ist nicht nur in Ausländer-Fragen unsozial, sie ist gegen sozialen Wohnungsbau, für Sanktionen bei Hartz-IV-Beziehenden.“

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Sie sei sich bewusst, dass es auch durch den bundesweit schlechten Trend für die Linke „total schwer“ werde. „Aber wir stehen in einer Verantwortung, dass nicht jemand wie der AfD-Rechtsaußen Maier den Wahlkreis gewinnt.“ Deshalb kämpfen Kipping und die Linke auch besonders und erstmals auch um die Erststimmen für das Direktmandat. „Das wird nicht leicht, aber es ist möglich.“ Kipping ist allerdings über die Linken-Liste zudem abgesichert, sie ist verheiratet und hat ein Kind.

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