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Gysi droht mit Weitermachen

Solange die Einheit in Deutschland nicht erreicht ist, will er weitermachen. Den Zuhörern auf dem Markt in Pirna zeigte er sich auch reumütig.

Die Linke holte Gregor Gysi zu einer Wahlkampfveranstaltung nach Pirna.
Die Linke holte Gregor Gysi zu einer Wahlkampfveranstaltung nach Pirna. © Daniel Schäfer

Gregor Gysi hat seine Fans. Auch bei der Kundgebung am Mittwochnachmittag auf dem Marktplatz von Pirna hat der bekannteste Linken-Politiker Autogrammwünsche erfüllt, obwohl er spät dran war. Zwischen Terminen in Berlin und Dresden war Pirna Station.

Geduldig harrten etwa 250 Interessierte eine halbe Stunde aus, bis der 73-Jährige ans Mikrofon trat. Sofort kam er auf die Fehler der Regierungsparteien zu sprechen und was die Alternative der Linken gewesen wäre. Seine Partei sei nicht nur die einzige gewesen, die bislang gegen jeden Kriegseinsatz im Bundestag gestimmt hat, sondern hatte zusammen mit den Grünen schon vor Monaten die organisierte Rettung von Ortskräften aus Afghanistan gefordert. Es kam anders und sei ein Desaster. Darüber am Weltfriedenstag zu berichten, sei besonders bitter. Deutschland habe die Rolle des Vasallen der USA eingenommen, der planlos in Kriege folge.

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Er geißelte neoliberale Politik der Bundesregierung, die unfähig ist, Krisen zu meistern. "In Kliniken muss es um Gesundheit gehen, nicht darum, ob es sich rechnet", sagte er. Das gelte auch bei der Hochwasserkatastrophe in Westdeutschland. Dort seien Menschen gestorben, weil Warnsysteme nicht funktionierten. Solche Ausgaben müssten getätigt werden, ohne Wenn und Aber.

Lehren aus der DDR gezogen

Dann gab sich der Rechtsanwalt als die Stimme des Ostens. Er habe seinen Kritikern "gedroht", solange im Bundestag zu bleiben, bis die Einheit endgültig vollzogen ist. Weil es noch immer Unterschiede bei Renten und Löhnen gibt, "müsse" er eben noch weitermachen. Er kandidiert in Berlin. Die Menschen in Pirna forderte er auf, sich die Ungleichbehandlung nicht länger bieten zu lassen. Seine Zuhörerschaft war bunt gemischt, quer durch alle Altersklassen. Die Rentner saßen vorn an Tischen. Die Jüngeren standen dahinter.

Nur einmal zeigte er sich etwas reumütig, als er über das Wirtschafts-Programm seiner Partei sprach. Da habe die Linke Lehren aus der DDR gezogen. Mittelstand müsse unterstützt werden, weil es dort Konkurrenz gibt, die tatsächlich einen Markt darstellt. Die Superreichen sollten dagegen mehr der gesellschaftlichen Lasten tragen.

Die Corona-Krise habe die soziale Fehlentwicklung nur zu deutlich gezeigt. Während die Reallöhne im vergangenen Jahr gesunken sind, sei die Zahl der Millionäre um fünf Prozent gestiegen.

Digitalisierung made in Uganda

Zur Belustigung seiner Anhänger erklärte er, dass Entwicklungshilfe und Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Staat Uganda doch nützlich wäre. Dort gäbe es überall guten Mobilfunkempfang, wie ihm berichtet wurde - anders als in Deutschland. Deshalb könnten Ingenieure von dort, hier vielleicht hilfreich sein.

Zu seinem Fraktionskollegen und erneuten Direktkandidaten André Hahn sagte er, dass dieser nerve. Allerdings weniger seine Partei, sondern als Opposition im Geheimdienstausschuss des Bundestags. Als strategisches Ziel nannte auch Hahn in seiner Rede, die CDU aus der Regierung zu verabschieden. Dazu gebe es zur Wahl nur eine Option - die Linke. In allen anderen Konstellationen würde die CDU immer weiter regieren. Das könne doch keiner ernsthaft wollen, sagte Gysi.

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Er habe schon viele Wahlkämpfe erlebt. Jedes Mal wurde erklärt, dass der aktuelle Wahlkampf ein ganz besonders wichtiger ist. Was 2021 anders ist als früher? Dass er noch nie so eine "völlige Verunsicherung" der Menschen erlebt hat, mit denen er ins Gespräch gekommen ist. Aber der Ausgang der Wahl sei auch noch nie so offen gewesen. Dann stieg er wieder ins Auto und verabschiedete sich nach Dresden. Vor einigen Jahren hat Gysi noch den kompletten Markt in Pirna füllen können - auch das ist anders in diesem Wahljahr.

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