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Spannend, unvorhersehbar: Die Wahl im Kreis Meißen

Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und AfD erwartet. Doch vor allem zwei junge Frauen könnten noch für eine Überraschung gut sein.

Der linke Flügel beim Wahlforum im Großenhainer Kulturschloss v.l.n.r: Markus Pohle (Die Linke), Karin Beese (Grüne) und Stephanie Dzeyk (SPD). Doch direkt gewählte Bundestagsabgeordnete werden sie wohl nicht. Das machen zwei andere unter sich aus.
Der linke Flügel beim Wahlforum im Großenhainer Kulturschloss v.l.n.r: Markus Pohle (Die Linke), Karin Beese (Grüne) und Stephanie Dzeyk (SPD). Doch direkt gewählte Bundestagsabgeordnete werden sie wohl nicht. Das machen zwei andere unter sich aus. © Norbert Millauer

Meißen. Womöglich gibt es am Sonntag auch im Meißner Bundestagswahlkreis eine große Überraschung. Das Meinungsforschungsinstitut Insa sagte vor wenigen Tagen für ganz Sachsen einen klaren Sieg der AfD (26 Prozent) vor der CDU (18 Prozent) voraus. Die eigentliche Überraschung wäre aber die SPD. Sie liegt in dieser Umfrage mit ebenfalls 18 Prozent gleichauf. Linke und FDP kämen auf elf Prozent, die Grünen auf acht.

Solche Verwerfungen gab es früher nicht. Der Wahlkreis 155 Meißen war immer in der Hand der CDU. Seit 2009 gewann stets Thomas de Maizière das Direktmandat, meist mit großem Vorsprung. Allerdings hatte er vor vier Jahren etwas Mühe, den AfD-Mann Carsten Hütter auf Distanz zuhalten. Jetzt geht er in Polit-Rente und sein Nachfolger, CDU-Kreisvorsitzender Sebastian Fischer, gibt sich größte Mühe (mit über 2.500 Plakaten im Landkreis), in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten. Sie sind ihm natürlich noch zu groß. Seine Erfolgschance im erwarteten Zweikampf mit der AfD-Kandidatin Barbara Lenk bezeichnet er selbst mit 50:50.

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Barbara Lenk wird intern hoch gehandelt, was weniger mit ihrer Person zu tun hat, sondern eher mit ihrer Partei, der AfD, als ein Sammelbecken des Protestes, sei es gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung oder die Corona-Maßnahmen. Anders als Sebastian Fischer ist Frau Lenk in der Region wenig bekannt, obwohl sie in Klipphausen wohnt. Bei ihrem Auftritt auf dem Meißner Wahlforum der Bundeszentrale für politische Bildung mit Unterstützung der Sächsischen Zeitung ließ sie wenig über ihre politischen Absichten erkennen. Sie hielt sich zurück. Beim zweiten Wahlforum in Großenhain vertrat sie der AfD-Kreisvorsitzende Detlev Spangenberg, der kräftig gegen alles vom Leder zog.

Möglicherweise könnte die junge SPD-Ersatzkandidatin Stephanie Dzeyk noch ein gutes Ergebnis hinlegen. Für sie selbst wären fünf Prozent schon ein großer Erfolg, möglicherweise werden es - im Windschatten des starken bundesweiten Scholz-Auftriebes - aber doch noch deutlich mehr. Dzeyk, die 1.600 Plakate aufgehängt hatte, steht wohl eher für die linken Partei-Traditionen: "Es sollen alle Menschen bei der Veränderung der Arbeitswelt mitgenommen werden." Sie ist für eine stärkere Besteuerung der Reichen.

Ein Wandel in der Politik gewünscht

Die Kandidatin der Grünen Karin Beese (750 Doppelplakate aufgehängt) hinterließ auf den Wahlforen einen hochkompetenten Eindruck. Trotz Anfeindungen und Drohungen, sagt sie, sei spürbar, "dass immer mehr Menschen einen Wandel in der Politik möchten - hin zu mehr Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit." Die Grünen haben es im Landkreis Meißen schwer, sagt sie. "Trotzdem ist diese Wahl so spannend und unvorhersehbar wie nie zuvor."

Die Linken und die FDP werden mit elf Prozent etwa gleich stark taxiert. Für erstere wäre das ein deutlicher Stimmenverlust, für die anderen dagegen ein deutlicher Gewinn. Beide Direktkandidaten zeigten auf den Wahlforen eine gute Performance. Der Linke Markus Pohle hat 1.300 Plakate aufgehängt und scheute die Auseinandersetzung im Wahlkampf nicht. Er machte auch deutlich, wen er vertreten möchte: Jene, die nicht auf der Sonnenseite leben. Allerdings kam er auch mit recht radikalen außenpolitischen Thesen. Die Linke ist prinzipiell gegen alle Kriegseinsätze und die NATO. Johannes Schmidt-Ramos, von Beruf Immobilienkaufmann, befindet sich da eher auf einer Gegenposition. Er ist gegen Steuererhöhungen und Beeinträchtigungen der Wirtschaft. Irgendwo muss das Geld, das die Linken verteilen wollen, ja auch verdient werden.

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Der Großteil der Fragen beschäftigte sich mit dem Klimaschutz. Ein Podiumskandidat war gar nicht eingeladen.

Der Wahlkreis 155 hat 201.310 Wahlberechtigte bei 256.600 Einwohnern. Die Wahllokale sind am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Laut sächsischem Landeswahlleiter Martin Richter herrscht keine 3G-Regel. Jeder kann, auch ohne Impfung und Test, wählen gehen. Allerdings nur mit Maske.

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