merken
PLUS Pirna

Landkreis SOE: Großes Interesse an der Briefwahl

In Freital will bis jetzt jeder Fünfte zu Hause und vorab über den Bundestag abstimmen. Andere Städte melden ähnliche Zahlen. Ein Wissenschaftler sieht das jedoch skeptisch.

Markus Wiesenberg vom Altenberger Rathaus. Bereits seit Tagen im Wahlmodus. Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.
Markus Wiesenberg vom Altenberger Rathaus. Bereits seit Tagen im Wahlmodus. Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz. © Egbert Kamprath

Markus Wiesenberg ist in Altenberg schon seit Tagen voll im Wahlmodus. Am 26. August öffnete im Rathaus das Briefwahllokal, das der Mitarbeiter im Bürgerbüro jetzt betreut. Am Tag kommen rund 60 Leute hier vorbei, um ihre Wahlunterlagen für die Bundestagswahl abzuholen.

Weitere 40 beantragen sie online. Die Wahlscheine werden dann per Post versendet. Von den rund 7.000 Wahlberechtigten in der Stadt Altenberg, zusammen mit Hermsdorf/Erzgebirge, haben so immerhin schon 1.400 Bürger ihre Wahlscheine für den Bundestag erhalten. Markus Wiesenberg schätzt, dass es am Ende rund 2.500 sein werden, die auf diese Weise abstimmen wollen: 35 Prozent. Die meisten geben an, dass sie am Wahltag im Urlaub sind oder arbeiten müssen. Corona spielt dagegen kaum eine Rolle.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Auch in Freital ist das Interesse an der Briefwahl groß. Laut Stadtsprecher Matthias Weigel sind bereits rund 6.500 Wahlscheine ausgestellt worden. In Freital gibt es 32.000 Wahlberechtigte. Bei der Landtagswahl 2019 wurden 5.900 Wahlscheine für die Briefwahl ausgestellt. Diese Marke ist schon geknackt. Bei der letzten Bundestagswahl 2017 hingegen erreichten knapp 5.000 Wahlscheine das Rathaus, die dann bei dem Ergebnis genauso wie die in der Wahlkabine abgegebenen Stimmen berücksichtigt wurden.

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.

Der Verfassungsrechtler Markus Ogorek sieht einen hohen Briefwahlanteil als problematisch an, wie er vor wenigen Tagen dem Deutschlandfunk sagte. So seien die Wahlgrundsätze Freiheit, Geheimheit und Öffentlichkeit nicht in vergleichbarer Art und Weise gewährleistet wie beim Gang an die Wahlurne. So könnten zum Beispiel Wähler zu Hause eher beeinflusst werden. „Ich will jetzt nicht sagen, der Haustyrann, aber der Patriarch sitzt vielleicht mit seiner Frau im Wohnzimmer und gibt dann Anweisungen, wer gewählt werden soll. Eine freie Wahl ist nicht ausgeschlossen; (...) aber das Ganze ist nicht so klar und eindeutig wie bei einem Gang zur Wahlurne. Für den Faktor geheim gilt im Grunde dasselbe“, sagte er dem Sender. Er sagte aber auch, dass zu Corona-Zeiten ein hoher Briefwahlanteil vertretbar sei.

Jeden Abend die wichtigsten Nachrichten aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Ihrem Postfach. Hier können Sie sich für unseren kostenlosen Newsletter SOE kompakt anmelden.

Viele finden die Briefwahl einfach nur komfortabel. Es reicht, den QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung einzulesen, einige Felder auf dem Onlinedokument auszufüllen und auf senden zu drücken. Schon sind die Unterlagen beantragt und werden nach Hause zugeschickt. Die Anzahl der Briefwähler hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, resümiert Markus Wiesenberg vom Altenberger Rathaus. (ek/SZ)

Mehr zum Thema Pirna