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AfD-Politikerin Barbara Lenk gewinnt Wahlkreis Meißen

Erstmals seit 1990 kann die CDU kein Direktmandat im Wahlkreis Meißen erringen. Der Meißner Newsblog zur Wahl.

Afd-Politikerin Barbara Lenk und ihr Landtagskollege René Hein aus Radebeul freuen sich über die guten Werte für die Direktkandidatin der AfD.
Afd-Politikerin Barbara Lenk und ihr Landtagskollege René Hein aus Radebeul freuen sich über die guten Werte für die Direktkandidatin der AfD. © Claudia Hübschmann

23.20 Uhr Sebastian Fischer hat die Wahl deutlich verloren. Die Ursachen sieht er weiter und tiefer. Im Interview verrät er, was Thomas de Maizière zum Wahlausgang sagt.

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23.05 Uhr Erstmals seit 1990 kann die CDU kein Direktmandat im Wahlkreis Meißen erringen. Stattdessen setzt sich AfD-Bewerberin Barbara Lenk, Jahrgang 1982, mit 31 Prozent deutlich gegen Sebastian Fischer (CDU) durch, der lediglich 22,3 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen kann.

23.00 Uhr. Wie hat Wahlgewinnerin Barbara Lenk (AfD) ihren Sieg aufgenommen? Im Interview spricht sie über ihr Interesse für Kultur, Medien und Technologie.

22.00 Uhr. Der deutlichen Aufschwung der Grünen im Bund spiegelte sich im Wahlkreis Meißen nicht wieder: Direktkandidatin Karin Beese sieht in dem Ergebnis dennoch den Beginn eines Wandels: "Auch wenn wir kein sehr hohes Ergebnis erzielten, haben wir in allen bisher ausgezählten Gemeinden zugelegt." Hinter Beese liegt ein auszehrender Wahlkampf und die Erkenntnis, wie stark das Gefälle zwischen im Landkreis sei. "In Teilen von Radebeul haben wir ein zweistelliges Ergebnis erzielt: Es ist schade, dass es so eine Kluft zwischen Stadt und Land gibt." Das habe sich schon im Wahlkampf gezeigt, als Passanten vor ihre Wahlstände gespuckt hätten.

Der Kreisverband von Bündnis 90/Grünen verfolgt die Auszählung im "Café Grünlich" in Radebeul.
Der Kreisverband von Bündnis 90/Grünen verfolgt die Auszählung im "Café Grünlich" in Radebeul. © Claudia Hübschmann

21.45 Uhr. Der liberale Direktkandidat im Wahlkreis Meißen, Johannes Schmidt-Ramos, hat sich erfreut über die Zuwächse für seine Partei sowohl bei den Erst- als auch den Zweitstimmen gezeigt. Im Vergleich zur vorangegangenen Bundstagswahl hätte die FDP signifikant zulegen können. Bei der CDU habe sich gezeigt, dass die Partei nicht in der Lage gewesen sei, die Lücke zu füllen, welche das Ausscheiden von Thomas de Maizière aus der aktiven Politik hinterlassen habe. Dass statt seiner nun die AfD-Politikerin Barbara Lenk in den Bundestag einziehe, erfülle ihn mit Bedauern, so der Liberale. Beim Meißner Kandidatenforum der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung habe sich gezeigt, dass sie kaum in der Lage gewesen sei, auf viele der Sachfragen überzeugend zu antworten. Statt der Person hätten viele Wähler offenbar auch bei der Erststimme ausschließlich aufgrund der Partei entschieden. Schmidt-Ramos zufolge wollen die Liberalen den jetzigen positiven Schwung nutzen, um nachhaltig ihre politische Basis auszubauen.

21.00 Uhr. Trotz des deutlichen Vorsprungs der AfD-Kandidatin überwiegt bei der "Wahlbeobachtung" der CDU die Hoffnung. Die großen Städte waren schließlich noch nicht ausgezählt. An den Tischen der Gaststätte Goldener Anker diskutieren die Mitglieder darüber, wie es zu dieser Diskrepanz zwischen dem städtischen und dem ländlichen Raum kommen konnte. Bewerber Sebastian Fischer kann sich das schlechte Ergebnis auch nicht erklären – an Inhalten könne es nicht gelegen haben – und lobte stattdessen den geschlossenen Wahlkampf seiner Partei. "Letztlich ist das ein gutes Zeichen für die Demokratie."

Der Blick auf die Ergebnisse sorgt für eine zerknirschte Stimmung.
Der Blick auf die Ergebnisse sorgt für eine zerknirschte Stimmung. © Claudia Hübschmann

20.15 Uhr. Barbara Lenk sitzt zusammen mit dem Radebeuler Landtagsabgeordneten René Hein in Meißen über einen Rechner gebeugt. Die beiden Politiker freuen sich über die Farbverteilung im Freistaat: "Alles, was blau ist, ist angenehm", sagt Hein mit triumphieren Lächeln. Lenk ist hingegen noch sehr vorsichtig optimistisch. Dass Lenk gerade im AfD-Parteibüro sitzt und auf den Einzug in den Bundestag hofft, ist von Zufällen geprägt: "Wenn es die Proteste gegen mich nicht gegeben hätte, würde ich jetzt immer noch an der Kunsthochschule in Dresden arbeiten", sagt Lenk. "Durch die Vorfälle hat sich für mich eine neue Tür geöffnet."

Momentan, 20.20 Uhr, sieht alles nach einem Sieg der Direktkandidatin Barbara Lenk im Wahlkreis Meißen aus.
Momentan, 20.20 Uhr, sieht alles nach einem Sieg der Direktkandidatin Barbara Lenk im Wahlkreis Meißen aus. © Screenshot Sächsisches Landesamt für Statistik


Die Proteste gegen ihre Arbeit als Bibliothekarin habe sie bestärkt, sich intensiver für die AfD zu engagieren. "Natürlich ist mir bei dem linken Umfeld der Kunsthochschule klar gewesen, dass es Proteste geben würde. Aber die Qualität und die Quantität haben mich doch überrumpelt." Mit zweieinhalb Jahren Abstand sieht sie sich durch den Vorfall gestärkt: "Aber es hat wirklich eine Weile gedauert, alles zu verarbeiten: Jetzt sieht es ganz gut, manchmal denk ich noch drüber nach, aber die Emotionen, die dahinter stecken, sind so langsam weg." Schon die erste Auszählung gibt Anlass zum Feiern. Selbst, wenn der Wahlkreis nicht direkt geholt werden sollte, trotzdem ist Lenks Einzug in den Bundestag so gut wie sicher. Auf der Landesliste steht sie auf Platz Sieben. Gefeiert wird ganz privat.

20.05 Uhr. Aktuell sind drei von 28 Gemeinden im Land- und Wahlkreis Meißen ausgezählt. Was die Erststimmen anbelangt, liegt Barbara Lenk (AfD) mit 37,6 Prozent aktuell deutlich vor Sebastian Fischer (CDU) mit 23,5 Prozent.

19.37 Uhr. Ein Stimmbezirk in der Stadt Meißen ist ausgezählt. Barbara Lenk (AfD) erreicht knapp 40 Prozent. Sebastian Fischer (CDU) liegt bei knapp 17 Prozent. Stephanie Dzeyk von der SPD schafft nahezu 16 Prozent, Johannes Schmidt-Ramoss (FPD) gut acht Prozent und Karin Beese von den Bündnisgrünen 2,3 Prozent.

19.25 Uhr. In der Gaststätte Goldener Anker in Meißen ist der Beamer noch nicht aufgebaut: "Der Blick nach Berlin interessiert uns heute weniger", sagt CDU-Kandidat Sebastian Fischer. Der Fokus liegt voll und ganz auf dem Landkreis. Da sich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen abzeichne, werde es eine lange Nacht werden. Eins steht für den Direktkandidaten jedoch schon jetzt fest. "Die Partei hat im Wahlkampf alles gegeben. Mich haben Mitstreiter plakatiert, die mich bei der Nominierung nicht unterstützt haben."

19.03 Uhr. Im Meißner Haus für Viele(s) wird bei der Linkspartei um den Einzug in den Bundestag gebibbert: Bei der Bekanntgabe der ersten Prognose geht ein Schnauben durch die Reihen. Zumindest steht die Fünf noch vor dem Komma. Als sich das Küchendiagramm erst mit rot, grün und lila füllt und es für Rot-Rot-Grün einfach nicht reicht, vergraben die Mitglieder ihre Gesichter in ihren Händen. Von schlechter Stimmung möchte aber keiner sprechen.

19.00 Uhr. Während sich nach den ersten Prognosen bei den Zweitstimmen bereits ein erstes Bild abzeichnet, liegen aus dem Landkreis Meißen, welcher mit dem Wahlkreis identisch ist, bislang noch keine Informationen vor. Allenthalben arbeiten die Auszähler im Landkreis Meißen derzeit fieberhaft daran, so schnell und exakt wie möglich das Wahlergebnis festzustellen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es so viele Briefwähler gab wie vermutlich noch nie seit 1990. Auch die Wahlbeteiligung fiel überall nach derzeitigen Informationen sehr hoch aus.

Im Meißner Ratssaal werden die ankommenden Auszählungsergebnisse mit einem Beamer an die Wand geworfen. Da sich vor allem das Auszählen der Briefwahlstimmen langwierig gestalten dürfte, hält sich das Interesse noch in Grenzen.
Im Meißner Ratssaal werden die ankommenden Auszählungsergebnisse mit einem Beamer an die Wand geworfen. Da sich vor allem das Auszählen der Briefwahlstimmen langwierig gestalten dürfte, hält sich das Interesse noch in Grenzen. © Marvin Graewert

18.25 Uhr. Kein Bock auf Party. Vielleicht ist das schöne Wetter verantwortlich und Meißen grillt lieber, als Wahlergebnisse zu gucken? Im großen Ratssaal herrscht jedenfalls gähnende Leere. Auch auf den Wahlpartys bei der Linkspartei im Meißner Haus für Viele(s) oxidieren die Schnittchen vor sich hin. Ähnlich sieht es bei der CDU und den Bündnisgrünen aus. Jetzt heißt es, sich in Geduld zu üben, bis die ersten Gemeinden ausgezählt haben.

Warten auf die Zahlen in Radebeul bei den Grünen.
Warten auf die Zahlen in Radebeul bei den Grünen. © Claudia Hübschmann

18.15 Uhr. Selbst die Satirepartei Die Partei nahm den Endspurt zu Bundestagswahl durchaus ernst und buhlte noch am Sonnabend in Meißen um Wählerstimmen. "Natürlich ackern wir bis zum letzten Moment am niederschmetternden Wahlverderben der anderen", so Bewerberin Theresa Bergmann auf Facebook.

17.33 Uhr. Der Trend bei der Bundestagswahl 2021 geht zum Neueinsteiger. Von den elf Interessenten für einen Platz im Berliner Bundestag verfügt lediglich Sebastian Fischer von der CDU über Erfahrung in der Parlamentsarbeit. Er saß zwei Legislaturperioden lang im sächsischen Landtag. Alle anderen Kandidaten, so einer von ihnen gewählt würde, wären dagegen neu im Geschäft. Ihre Qualifikationen könnten unterschiedlicher kaum sein. Markus Pohle von der Linkspartei ist von Beruf Koch. Seine Partei erhoffe sich von ihm "neue Ansätze und Herangehensweisen", so der Kreisvorsitzende Erik Christopher Richter. Als Erzieher arbeitet André Langerfeld von den Freien Wählern. Er betont regelmäßig, die Kenntnisse und Erfahrungen aus seiner beruflichen Tätigkeit gern in Berlin einbringen zu wollen.

17.25 Uhr. Im Kreis Meißen gibt es elf Direktkandidaten. Ernsthafte Chancen haben nur CDU und AfD. Ihr Abstand ist hauchdünn, zeigt eine Prognose. Für den CDU-Bewerber Sebastian Fischer dürfte die Bundestagswahl auch Entscheidung über seinen künftigen Lebensweg bedeuten. Nach dem Verlust des Landtagswahlkreises an den AfD-Politiker Mario Beger könnte die CDU-Basis im Kreis eine erneute Wahlniederlage wahrscheinlich nur schwer akzeptieren. Im Oktober stehen Neuwahlen im Kreisverband an.

17.15 Uhr. Aus Moritzburg meldet Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) keine besonderen Vorkommnisse, was die Wahl betrifft. Darüber hinaus war er am Sonntagnachmittag trotzdem in einem dringenden Einsatz tätig. Am Roten Haus in Dippelsdorf beunruhigte ein größeres Hornissennest die Besucher. Hänisch hofft, dieses Problem mit Hilfe einer Expertin tierfreundlich lösen zu können.

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17.10 Uhr. Der Coswiger Oberbürgermeister Thomas Schubert (parteilos) hat eine erste Runde durch die Wahllokale der Stadt beendet. Seine Rückmeldung: Es zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Schon in den Nachmittagsstunden wurden teils 75 Prozent erreicht.

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