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Mittelsachsens Bundestagskandidaten setzen auf die Erststimme

Die Zweitstimme bei der Bundestagswahl ist für die Kandidaten kleinerer Parteien enorm wichtig. In Mittelsachsen hat sie nur für einen Bewerber wirkliche Bedeutung.

Mittelsachsens Bundestags-Kandidaten: Carolin Bachmann (AfD), Veronika Bellmann (CDU), Stefan Hartmann (Die Linke), Alexander Geißler (SPD), Philipp Hartewig (FDP), Lea Fränzle (Grüne), Marcus Lieder (ÖDP) und Thomas Linke (die Basis).
Mittelsachsens Bundestags-Kandidaten: Carolin Bachmann (AfD), Veronika Bellmann (CDU), Stefan Hartmann (Die Linke), Alexander Geißler (SPD), Philipp Hartewig (FDP), Lea Fränzle (Grüne), Marcus Lieder (ÖDP) und Thomas Linke (die Basis). © Mildner/Halbauer/Weidler/Essler

Döbeln. Wenn am 26. September ein neuer Bundestag gewählt wird, setzen die Menschen in Mittelsachsen sowie in der gesamten Bundesrepublik nicht nur ein Kreuz für die Kandidaten, die sie nach Berlin schicken wollen, sondern auch eines für die Parteien, aus denen sich Deutschlands künftiges Parlament zusammensetzen soll.

Vor allem für kleinere Parteien ist die Zweitstimme enorm wichtig, denn sie bestimmt, wie viele Kandidaten der jeweiligen Landesliste sie in den Bundestag schicken können. Je mehr Zweitstimmen eine Partei erhält, umso mehr Kandidaten der Landesliste dürfen nach Berlin.

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So mancher Bewerber um ein Mandat tritt deshalb nicht nur als Direktkandidat an, sondern findet sich auch auf der Landesliste. Das erhöht die Chance, gewählt zu werden. Dabei gilt zusätzlich: Je weiter vorn jemand auf der Liste steht, umso größer die Aussicht auf ein Mandat. Im Umkehrschluss heißt dies jedoch auch: Je weiter hinten er oder sie steht, umso geringer die Chancen und umso mehr sollte der Fokus auf der Direktkandidatur liegen.

Veronika Bellmann (CDU)

Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann von der CDU habe es so seit ihrer ersten Bundestagswahl im Jahr 2002 gehalten. "Auf die Liste habe ich nie setzen können, sondern immer voll auf Sieg im Wahlkreis."

Auch 2021 werde sie es so handhaben. Bellmann wurde von ihrer Partei auf Platz 10 der Landesliste gewählt. Eine Liste, die ihr zufolge erst zweimal in den vergangenen 30 Jahren einem Kandidaten ein Mandat verschafft habe. "Das letzte Mal 2013, als die heutige Partnerin vom heutigen Spitzenkandidaten der Sächsischen Union, Marco Wanderwitz, Frau Yvonne Magwas über die Liste einzog."

Den Grund dafür beschreibt die "Freie Presse" wie folgt: Gewinnt eine Partei in einem Bundesland sehr viele Direktmandate, wie es bisher stets bei der CDU der Fall war, kann dies auch dazu führen, dass kein einziger ihrer Listenkandidaten zum Zuge kommt.

Die Landesliste sei für Bellmann auch in dieser Bundestagswahl keine realistische Option. Gleichzeitig halte sie das Direktmandat aber ohnehin für die beste Ausgangsposition, um ein Höchstmaß an Unabhängigkeit zu erreichen. "Listenplätze bedeuten größere Gebundenheit an Partei-und Fraktionsdisziplin, die für mich ja bekanntlich eher ein Fremdwort sind."

Alexander Geißler (SPD)

SPD-Kandidat und Kreisvorstand Alexander Geißler muss sich ebenfalls auf seine Direktkandidatur konzentrieren. Er steht auf Platz 9 der Landesliste. Bei der Bundestagswahl 2017 haben die Sozialdemokraten in Sachsen einen Stimmenanteil von 10,5 Prozent bei den Zweitstimmen erreicht und damit vier Mandate holen können.

"Leider spielt bei Parteien mit geringeren Stimmenanteilen der Listenplatz eine entscheidende Rolle. Auch wenn sich das bei der SPD gerade ändert, ist Listenplatz 9 kein sicherer Platz."

Gänzlich unglücklich scheint der 31-Jährige mit seiner Position jedoch nicht zu sein. Er wolle als Person überzeugen, sagt Geißler. "Mir gefällt der direkte Kontakt zu den Leuten vor Ort viel lieber. Ich will wieder dahin kommen, dass die SPD in Sachsen Direktmandate gewinnen kann."

Die Chancen dafür seien dieses Mal ausgeglichener und offener als bei vorangegangenen Wahlen.

Philipp Hartewig (FDP)

Im Gegensatz zu Geißler und Bellmann stehen für Philipp Hartewig, den stellvertretenden Vorsitzende der sächsischen FDP, die Chancen ziemlich gut, es auch über die Landesliste nach Berlin zu schaffen.

Die freien Demokraten haben Hartewig auf Platz 3 gesetzt. Bisherigen Prognosen zufolge könnten sie in Sachsen vier bis fünf Mandate sichern. "Noch kann aber mit Blick auf die großen Schwankungen der Umfragen viel passieren", gibt der 26-Jährige zu bedenken.

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Er werde in Mittelsachsen um beide Stimmen werben, im Zweifel jedoch deutlich machen, dass die Zweitstimme die wichtigere beziehungsweise aussichtsreichere sei. "Dazu kommt, dass von den Mitbewerbern im Kreis leider keiner auf aussichtsreichen Listenplätzen liegt. Eine Zweitstimme für die FDP in Mittelsachsen ist daher die einzige Chance, dass der Wahlkreis in Zukunft von zwei Personen in Berlin vertreten wird."

Vier Mandate seien Hartewig zufolge derzeit das Mindestziel für den sächsischen FDP-Landesverband.

Lea Fränzle (Bündnis 90/Die Grünen)

Mit seiner Äußerung über seine Mitbewerber hat Philipp Hartewig nicht ganz Unrecht, denn auch Kreisrätin Lea Fränzle von Bündnis 90/Die Grünen hat es lediglich auf Listenplatz 9 geschafft, den sie als Nachrückplatz einstuft.

Statt sich auf Prognosen ihre eigene Person betreffend zu konzentrieren, wolle Fränzle ihre Partei lieber dabei unterstützen, das bestmögliche Ergebnis in Mittelsachsen zu erzielen.

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Sachsenweit wird Bündnis 90 aktuellen Prognosen zufolge vier Mandate zugesprochen. Fränzle erklärte gegenüber Saechsische.de, der Landesverband habe mindestens drei Sitze im Bundestag sowie das historisch beste Ergebnis als Ziel ausgegeben.

Bisher waren Sachsens Grüne mit zwei Mandaten in Berlin vertreten.

Stefan Hartmann (Die Linke)

Sachsens Linken-Chef Stefan Hartmann hatte sich zwar für Platz 6 der Landesliste beworben, seine Partei entschied sich jedoch für Tim Detzner, den Stadtvorsitzenden der Linken in Chemnitz.

Hartmann verzichtete daraufhin auf weitere Kandidaturen, muss sich nun also lediglich auf seine Direktkandidatur konzentrieren.

Vor vier Jahren hatte Sachsens Linke noch mit einem Stimmanteil von 14,1 Prozent sechs ihrer Kandidaten nach Berlin geschickt. Aktuellen Prognosen zufolge könnte die Zahl dieses Mal auf fünf sinken.

Carolin Bachmann (AfD)

Und auch AfD-Kandidatin Carolin Bachmann setzt auf die Erststimme, um nach Berlin zu kommen. Genau wie Linken-Chef Hartmann steht auch sie nicht auf der Landesliste ihrer Partei.

Der "Freien Presse" zufolge haben es dafür drei andere Kandidaten des Kreisverbandes Mittelsachsen auf die Liste geschafft, darunter auf Platz 10 der Waldheimer AfD-Stadtrat Christian Wesemann.

Aktuellen Prognosen zufolge könnte Wesemann damit in den Bundestag einziehen. "Mandatsrechner.de" zufolge könnte Sachsens AfD in diesem Jahr zehn Sitze in Berlin ergattern - und damit sogar die sächsische CDU hinter sich lassen, die derzeit auf neun Sitze kommt.

Thomas Linke (die Basis) und Marcus Lieder (ÖDP)

Ebenfalls nicht auf die Landesliste geschafft hat es Thomas Linke von der Partei die Basis, die in diesem Jahr erstmals in Mittelsachsen an den Start geht.

ÖDP-Kandidat Marcus Lieder steht zwar auf der Liste seiner Partei, allerdings lediglich auf Platz 10, sodass auch für ihn die Chancen gering aussehen, über die Landesliste nach Berlin zu kommen. Die ÖDP hatte bei der Bundestagswahl 2017 in Sachsen 0,1 Prozent bei den Erststimmen und 0,3 Prozent bei den Zweitstimmen geholt.

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