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Ökologisch, aber nicht Grün

Der Bannewitzer Dirk Zimmermann möchte für die ÖDP in den Bundestag. Von den Initiativen seiner Kleinst-Partei profitierten bisher andere.

Dirk Zimmermann aus dem Bannewitzer Ortsteil Golberode will für die ÖDP das Direktmandat im Bundestag holen.
Dirk Zimmermann aus dem Bannewitzer Ortsteil Golberode will für die ÖDP das Direktmandat im Bundestag holen. © Karl-Ludwig Oberthür

Das hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht. Vor zwei Jahren war das Volksbegehren "Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ in Bayern tatsächlich erfolgreich. Dabei waren die Hürden hoch. Lediglich zwei Wochen im Februar 2019 waren Zeit, um die geforderten fast eine Million Unterschriften einzuholen. Zudem mussten noch alle Menschen persönlich in den jeweiligen Rathäusern unterschreiben. Am Ende strömten sogar 1,7 Millionen Bayern in die Amtsstuben. Ein noch nie dagewesener Erfolg.

Aber für wen eigentlich außer den Bienen? "Profitiert haben davon andere. Dabei war das eigentlich eine Initiative der ÖDP, an die sich dann andere drangehängt haben", sagt Dirk Zimmermann. Er ist nicht nur Landesvorsitzender der Ökologisch Demokratischen Partei Deutschlands, sondern kandidiert nun auch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge für das Direktmandat für den Bundestag.

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Schutz des Lebens

Auch wenn es die ÖDP bis heute nicht geschafft hat, in einen Landtag oder den Bundestag einzuziehen, so ermutigt Zimmermann das Beispiel aus Bayern aber, was man auch als Kleinst-Partei bewegen kann. "Man muss nur an den richtigen Schräubchen drehen", sagt der 53-Jährige, der seit 25 Jahren im Bannewitzer Ortsteil Golberode wohnt.

Der Schutz des Lebens im Allgemeinen ist für ihn der Antrieb, sich politisch zu engagieren. Mit ökologischem Bauen beschäftigt sich der Architekt schon seit seinem Studium. Strohballenbau in Holzfachwerk ist eines seiner Spezialgebiete. Das sei nachhaltige Wärmedämmung, die mit dem entsprechenden Putz auch die Anforderungen im Brandschutz erfüllt. Ökologisches Bauen heißt aus seiner Sicht aber auch, bei der Flächenversiegelung zu "netto null" zu kommen. Soll heißen, nur wenn woanders Flächen entsiegelt werden, darf eine neue Fläche überbaut werden. Das gelte für Häuser wie für Infrastruktur.

Die Klima-Krise und der Artenschutz haben ihn zur ÖDP geführt, deren Mitglied er seit 2014 ist. Die Grünen waren für den Katholiken und gebürtigen Bamberger nicht das Richtige. Mit sehr linken Initiativen und der Position zu Abtreibungen konnte er nicht mitgehen. Die ÖDP verortet sich in der politischen Mitte. "Es gibt auch einen Rechts-Abgrenzungs-Beschluss", sagt er.

Als ersten politischen Erfolg verbucht der Bannewitzer, dass er den Landesverband Sachsen aufgebaut hat. Zudem sei die Mitgliederzahl von anfangs 35 auf über 100 gestiegen. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge dümpelt die ÖDP aber weiter bei einer Mitgliederzahl von fünf herum.

Oft muss er mit Leuten diskutieren, die zwar seine Ansichten gut finden, eine Stimme für die ÖDP aber als "verloren" bezeichnen, weil die Partei kaum Chancen hat, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. "Auch ein Prozent würde schon etwas bewirken, weil wir dann von der staatlichen Parteienfinanzierung profitieren", sagt er. So ließen sich auch außerparlamentarisch Dinge umsetzen, wie das Beispiel aus Bayern zeigt.

Klimaschutz hat höchste Priorität

Der vierfache Vater lebt mit seiner Familie in einer Wohngemeinschaft in einem 200 Jahre alten Bauernhaus, das unter Denkmalschutz steht. Im Garten wachsen alte Apfelsorten. Das ganze Jahr über blüht es. Gerade sind es Mohn oder Johanniskraut. Als "normaler" Bürger möchte er zeigen, dass es auch Politiker gibt, denen man vertrauen kann.

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Privat unterstützt er die Kritiker des Industrieparks Oberelbe. Würde er zur Überraschung aller das Direktmandat gewinnen, würde er ein Erziehungsgehalt einführen und dem Klimaschutz im Bundestag höchste Priorität einräumen. Bis 2030 müsse Deutschland klimaneutral werden. Dafür seien zwar heftige Einschnitte nötig, aber es werde sich für alle auszahlen, ist er überzeugt.

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