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"Gesunde Ernährung muss für alle verfügbar sein"

Markus Lieder hat sein Studium genutzt, um über den Tellerrand zu schauen. Seine Erkenntnisse will er nun für die ÖDP im Bundestag einbringen.

Marcus Lieder kandidiert bei der Bundestagswahl für die ÖDP.
Marcus Lieder kandidiert bei der Bundestagswahl für die ÖDP. © ÖDP

Döbeln. Am 26. September wird der 20. Deutsche Bundestag gewählt. Im Wahlkreis 161 Mittelsachsen, zu dem die Region Döbeln gehört, werben acht Direktkandidaten um die Gunst der Wähler.

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Heute: Markus Lieder von der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP).

Alles Leben ist heilig

Markus Lieder war schon seit Langem politisch motiviert, wie er selbst über sich sagt. Bevor es ihn jedoch endgültig in die Welt der Denker und Lenker zog, habe er zunächst einige Zeit mit seinem Studium verbracht. "Um auch mal intensiv über den Tellerrand zu schauen."

Nachdem der heutige Fotograf und Mediaplaner zunächst 2015 begonnen hatte, seine Gedanken in einem Blog zu veröffentlichen, entschied er sich schließlich politisch aktiv zu werden. "Um mir einen Überblick zu verschaffen, habe ich Programme von etwa 30 Parteien gelesen. Dabei bin ich schließlich bei der Ökologisch-Demokratischen Partei gelandet, weil ihr Programm das für mich sauberste darstellte."

Laut Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) entstand die ÖDP bereits Anfang der 1980er mit dem Ziel, zum parlamentarischen Arm der Ökologiebewegung zu werden. Der schnell wachsende Erfolg der Grünen soll diese Pläne jedoch alsbald zunichte gemacht haben. Die ÖDP war stattdessen zunächst mit sich beschäftigt. Ab Mitte der 80er verschärften sich innerparteiliche Auseinandersetzungen um die ideologische Nähe zu rechtsextremistischen Parteien und Gruppierungen. Erst mit dem Austritt ihres damaligen Vorsitzenden Herbert Gruhl sowie der Verabschiedung eines „Grundsatzbeschlusses zur Abgrenzung der ÖDP von den Rechtsparteien“ 1990 konnte sich die Partei von diesem Image lösen.

Heute hat sich die ÖDP vor allem in Bayern etabliert, ist dort laut BpB vorwiegend im katholischen Ober- und Niederbayern erfolgreich und in zahlreichen Kommunalparlamenten vertreten. Seit 2014 belegt sie auch einen Sitz im Europaparlament.

Eine politische Einordnung fällt indes schwer. So habe die Partei bereits 2013 ein Grundsatzprogramm beschlossen, nach dem alles Leben als heilig eingestuft wird. Darauf basierend setzt sich die ÖDP für umfassende Maßnahmen zum Tier-, Klima- und Umweltschutz ein. Gleichzeitig leite sich daraus eine grundsätzlich skeptische Haltung unter anderem gegenüber des straffreien Schwangerschaftsabbruchs ab, wobei sich die Partei auch hier laut BpB mittlerweile von den restriktiven Forderungen vergangener Zeiten entfernt habe.

Die ÖDP setzt sich darüber hinaus laut eigener Aussage für eine faire Sozialpolitik sowie mehr Bürgerbeteiligung in der Demokratie ein.

Nicht nur die Bundesrepublik, sondern die Welt im Blick

Für Markus Lieder sei es vor allem der Fokus auf Ökologie gewesen, der ihn begeistert habe. "Ich bin jetzt nicht der stereotypische Öko, dennoch versuche ich auf eine nachhaltige Ernährung zu achten." Gerade als Student sei dies finanziell nicht immer einfach gewesen. "Das zu realisieren brachte mich schließlich zu der Erkenntnis, dass eine gesunde Ernährung für alle verfügbar sein müsste. Das heißt nicht nur in Deutschland, wobei wir selbst hier schon Unterschiede zwischen Ost und West erkennen. Die ÖDP hat an dieser Stelle erkannt und auf den Punkt gebracht, dass wir auf einem gemeinsamen Planeten leben."

Dem 37-Jährigen gehe es dabei zunächst darum, den Welthandel, wie er sagt, auf "ein angemessenes Niveau" zu bringen. "Die Produkte, die wir aktuell in China kaufen, bekommen sie auch nur geliefert, beispielsweise aus Äthiopien, wo schließlich der Boden zerstört wird."

Im Gegensatz zu anderen Vertretern seiner Partei sehe Lieder die Wirtschaft dabei als einen wichtigen Antriebsmotor. "Wenn ich ökologische Landwirtschaft langfristig und nachhaltig gestalten möchte, ebenso wie regenerative Energien, darf ich dabei nicht vergessen, dass die Menschen auch Bedürfnisse haben."

Die Herausforderung bestehe darin, eine Lösung zu finden, die nicht nur in Deutschland funktioniert, sondern weltweit. "Das beginnt bei der Geldverteilung. Wir haben aktuell ein paar wenige Superreiche, die wahrscheinlich allein mit ihren Zinsen ganze Städte ernähren könnten."

Mehr Vertrauen in die Politik schaffen

Markus Lieder will zudem den Einfluss von Lobbyisten innerhalb der Politik reduzieren. Als Beispiel nennt er dabei die Abwrackprämie. "Die Prämie war alles andere als gut fürs Klima, wurde aber so verkauft. Je mehr so etwas passiert, desto weniger vertrauen die Bürger der Politik."

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Darüber hinaus fordert er eine Anpassung des Einkommensniveaus, "nicht nur in Ost- und Westdeutschland, sondern auch hier wieder: weltweit."

Carsharing bald auch auf dem Land?

In Bezug auf seinen Wahlkreis will Markus Lieder sich zunächst auf die Infrastruktur konzentrieren. "Wir haben einige größere Städte wie Mittweida, aber da stellt sich für mich die Frage, ob die Leute dort hinziehen oder ob sie sich doch lieber für Leipzig entscheiden und dann pendeln." Ein Weg, dies zu verhindern, sei eine Stärkung der Infrastruktur. "Dann müssen wir uns mit dem Einkommen der Menschen in der Region befassen und natürlich ist auch die Landwirtschaft ein Schwerpunkt."

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Zwei Themen, die ihn dabei aktuell stark interessieren, seien Car- und Bikesharing. "Da bin ich aktuell an der wissenschaftlichen Arbeit beteiligt. Das wird sehr spannend, das aufs Land zu bringen."

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In den Städten werden die Konzepte bereits seit längerem angewandt, in ländlichen Gebieten seien sie aktuell noch nicht rentabel. "Die Frage ist, wie wir das umsetzen können. Wie können wir die Möglichkeiten der Digitalisierung aufs Land anwenden. Das ist ziemliche Zukunftsmusik, aber da wird viel passieren und da interessiere ich mich sehr für."

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