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Reichensteuer trifft nicht nur Reiche

Sachsens Vorsitzender der Familienunternehmer warnt vor der Einführung der Vermögenssteuer. Warum, erklärt Christian Haase im Gastbeitrag.

Christian Haase ist Landesvorsitzender des Verbandes Der Familienunternehmer in Sachsen.
Christian Haase ist Landesvorsitzender des Verbandes Der Familienunternehmer in Sachsen. © PR/ Jürgen Männel

Am Sonntag wählen wir einen neuen Bundestag. Damit wählen wir auch, welche Weichen für unsere Wirtschaft in der nächsten Legislaturperiode gestellt werden. Seit Monaten wird die Frage diskutiert, wie die Vermögen in unserem Land gerechter verteilt werden können. Die linken Parteien rufen laut nach einer Vermögensteuer. Sie soll die Kosten der Corona-Pandemie ausgleichen, Schulen und Kitas finanzieren und Steuersenkungen für die unteren Einkommensgruppen ermöglichen. Das sind gute Ziele. Sie werden jedoch nicht erreicht, indem die Vermögensteuer wieder erhoben wird. Denn diejenigen, die diese Steuer fordern, vergessen: Diese Steuer trifft auch mittelständische Betriebe. Die aber tragen zur Einkommenssicherung und Vermögensbildung von allen Menschen in unserem Land bei.

Eine Vermögensteuer zerfrisst die Substanz der Betriebe. Denn das Vermögen, das der Berechnung dieser Steuer zugrunde liegt, besteht aus Maschinen, Werkshallen, Patenten, Liegenschaften oder bewirtschafteten Ländereien – also aus allem, was die Firmen unbedingt benötigen, um ein Einkommen überhaupt erwirtschaften zu können. Um in der Lage zu sein, eine Vermögensteuer zu zahlen, müssen die Unternehmen das dafür nötige Geld den laufenden Erträgen entnehmen. Reichen diese nicht aus, müssen sie vielleicht sogar Teile ihres Betriebsbesitzes verkaufen. Vor allem müssen sie dort sparen, wo sie zum Wohl aller in unserem Land investieren: Klimaschutz, Digitalisierung und neue innovative Produkte, die Deutschland international wettbewerbsfähig machen. Diese Investitionen und Innovationen sind die Grundlage für die Arbeitsplätze, die Familienunternehmen in Deutschland schaffen: Unzählige Menschen stehen in allen Branchen in Lohn und Brot, davon über eine Million allein in Sachsen. Gewinne werden von den familiengeführten Betrieben fortlaufend reinvestiert – in die Firma wohlgemerkt, nicht in Yachten, Schmuck oder einen Picasso für das Schlafzimmer.

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Vermögensteuer wird auch fällig bei Verlusten

Deshalb schaden die Pläne von SPD, Grünen und der Linken nicht nur unseren Unternehmen. Sie schaden uns allen, auch den Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen, die die linken Parteien angeblich schützen wollen. Denn eine Vermögensteuer vernichtet ihre Arbeitsplätze. Ein Prozent Vermögensteuer bedeutet bis zu 35 Prozentpunkte mehr Ertragssteuer und wird im Gegensatz zu anderen Steuerarten auch in voller Höhe fällig, wenn das Unternehmen Verluste macht. Die Freibeträge, die die rot-rot-grünen Vermögensteuer-Enthusiasten ansetzen, würden auch mittlere Handwerksbetriebe nicht schützen. Deutschland ist bereits jetzt ein Hochsteuerland: Unsere Familienbetriebe zahlen Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer.

Was Familienunternehmen durch gutes Wirtschaften und sinnvolle Investitionen für unser Land leisten, zeigt das Beispiel der Holl GmbH aus Markkleeberg. Allein in den letzten beiden Jahren wurden 500.000 Euro in Klimaschutz und Digitalisierung investiert: Eine neue Laserschneidanlage für verschiedene Metalle verbraucht wesentlich weniger Energie als das Vorgängermodell, um die für die Produktion benötigten Bleche zu schneiden.

So verkleinert sich der CO2-Fußabdruck des Unternehmens – eine wichtige Investition in den Klimaschutz. Eine neue Programmiersoftware für die Lasermaschinen hilft, die für unser Land und unsere Unternehmen so wichtige Digitalisierung voranzutreiben. Für beide Maßnahmen wurde zudem eine Fortbildung der Mitarbeiter finanziert. Diese Investitionen wären durch noch höhere Steuern und Abgaben nicht möglich gewesen. Wir wollen wettbewerbsfähig bleiben, dabei unseren Planeten für die nachfolgenden Generationen erhalten, den Menschen Arbeit geben und so den Wohlstand unseres Landes erhöhen.

Steuer würde auch Eigenheimbesitzer treffen

Wir können uns nicht leisten, auf Innovationen zu verzichten. Das gilt vor allem in Sachsen: Im Juni dieses Jahres wurde hier das neue Energie- und Klimaprogramm beschlossen. Es ist die Grundlage dafür, dass unser Freistaat seinen Beitrag zu den Pariser Klimazielen leisten kann – und schafft einen Standortvorteil, der uns international wettbewerbsfähig hält. Die sächsischen Unternehmen tragen natürlich das Ihre dazu bei. Doch der Ausbau erneuerbarer Energien und Klimaschutz erfordern von den Betrieben immense Investitionen. Im Bereich Mobilität wird das besonders deutlich: Wenn 2025 jedes zweite in Sachsen produzierte Auto ein Elektrofahrzeug sein soll, müssen auch die Unternehmen, die den Autoherstellern zuliefern, hohe Summen für Umstrukturierung, Klimaschutz und Digitalisierung aufwenden.

Nicht vergessen werden darf zudem, dass eine Vermögensteuer auch Privatleute treffen würde. Wird die Steuer wieder erhoben, gälte für Immobilien der Verkehrswert. Aufgrund der gestiegenen Grundstückspreise müssten vielerorts auch Eigenheimbesitzer für ihr Zuhause die Vermögensteuer zahlen – auch, wenn ihr Einkommen dafür nicht ausreicht. Eine Vermögensteuer trifft uns alle.

Zum Autor: Christian Haase (52) ist der Landesvorsitzende des Wirtschaftsverbandes Die Familienunternehmer in Sachsen. Er gründete sein Unternehmen Kilowatthandel in Leipzig 1998, und betreut seitdem andere Unternehmen bei der Optimierung ihrer Energiekosten.

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