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Sachsen-FDP macht sich bereit für die nächste Regierung

Die FDP hat zum zweiten Mal ein zweistelliges Ergebnis erzielt. Die Partei will nun von der Oppositionsbank rücken.

So sieht Freude über den Wahlsieg aus: Sachsens FDP-Chef Frank Müller-Rosentritt verliert für einen kurzen Augenblick die Fassung.
So sieht Freude über den Wahlsieg aus: Sachsens FDP-Chef Frank Müller-Rosentritt verliert für einen kurzen Augenblick die Fassung. © René Meinig

Dresden. Die FDP hat geschafft, worauf die Vorwahlumfragen gedeutet haben: Sie konnte ihr Ergebnis der vergangenen Bundestagswahl halten und noch mal verbessern. Fast zwölf Prozent, so die ersten Hochrechnungen. Kurzzeitig verlieren die sächsischen Mitglieder der Freien Demokraten Deutschlands bei der Wahlparty im liberalen Haus ihre Fassung. Sie springen in die Luft und klatschen wild. Sachsens Landeschef Frank Müller-Rosentritt ballt die Fäuste mit angewinkelten Armen. Sein Blick sagt: Wir haben gewonnen. Spitzenkandidat Torsten Herbst grinst derweil zufrieden in sich hinein. Sein Blick hat sich schon vor dem Schließen der Wahllokale 18 Uhr nicht verändert.

Die FDP will die nächsten vier Jahre mitregieren

Das Ergebnis deckt sich in seinen Augen mit dem Straßenwahlkampf der letzten Wochen. „Die Menschen sind uns viel positiver begegnet als noch 2017“, so Herbst. Diesmal hätte es deutlich weniger Pöbeleien gegeben oder Beleidigungen am Wahlkampfstand. Die Menschen seien bereit für einen Aufbruch in Deutschland, so seine persönliche Analyse. „Deshalb haben sie uns auch gewählt.“ Auch die Jüngeren wie Moritz Weber, Landesvorstand der Jungen Liberalen, sprechen von einem erfolgreichen Straßenwahlkampf. Das sagte er, während er mit seinen jüngeren Parteikollegen Tischfußball neben der aufgebauten Kinderhüpfburg spielt.

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Das beschreibt das Bild der FDP gut. Denn viele jüngere Kollegen mischen sich unter die älteren Anzugsträger. Das bestätigt Frank Müller-Rosentritt. Allein in seinem Chemnitzer Stadtverband sei die Mitgliedzahl um 40 Prozent gestiegen. In ganz Sachsen etwas weniger stark. Viele, die am Sonntagabend zur Wahlparty gekommen sind, haben erst vor Kurzem den Mitgliedsantrag ausgefüllt. Er wünsche sich deshalb ein starkes Mandat, um die eigenen Themen in der nächsten Legislaturperiode des Bundestags durchzusetzen. Sein Anspruch und die der restlichen Partei: Mitregieren.

Spitzenkandidat Herbst betont das ebenso. Nach der vergangenen Bundestagswahl hat aber Christian Lindner die Jamaika-Verhandlungen einseitig zum Platzen gebracht. Das soll nun nicht mehr passieren. „Wir haben in den vergangenen Jahren eine gute Oppositionsarbeit geleistet“, so das Bundestagsmitglied, dass auch in den nächsten vier Jahren im Berliner Parlament sitzen wird. Torsten Herbst beschreibt eine Wahlkampferfahrung, die ihm Zuversicht gibt, aber vor allem eine schönes Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. So habe eine Erstwählerin ihn persönlich gewählt, da ihr das Thema Freiheit so wichtig sei.

"Die Stimme der Freiheit ist gestärkt"

Gerade Freiheit ist am Abend der Wahlparty besonders präsent. Türkisfarbene, einen halben Meter große Buchstaben prangen rechts neben einem aufgebauten Pavillon mit gelbem Dach. Sie zeigen das Wort Freiheit. Hinter dem Pavillon, den der sächsische Landeschef Dom nennt, verbirgt sich die Videoleinwand, auf der am ganzen Abend die Livestreams verschiedener Sender des öffentlich-rechtlichen Fernsehens laufen. Davor zwei Wahlplakate mit dem Konterfei des Bundeschefs Christian Lindner, der in dieser Konstellation an einen Säulenheiligen erinnert.

So hören sich auch die Einschwörungen nach den Ergebnissen an: "Liebe Freunde und Kämpfer der Freiheit", beginnt sein Müller-Rosentritt sein Statement nach den ersten Ergebnissen kurz nach 18 Uhr. "Es sind zwar erst nur Hochrechnungen, aber bei einer Bundestagswahl das zweite Mal in Folge zweistellig zu sein, gab es historisch noch nie." Tobender Applaus unter den Anwesenden. "Wir haben in Sachsen gezeigt, wie man gemeinsam Wahlkampf macht." Auch Torsten Herbst stimmt in die Lobeshymne mit ein. "Die Stimme der Freiheit ist im nächsten Bundestag gestärkt. Ein großartiger Erfolg, danke euch allen."

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Torsten Herbst wagt sich an eine erste Analyse: "Am heutigen Abend haben wir das Ende der großen Volksparteien erlebt, keine Partei wird bei über 30 Prozent landen." Die Partei hätte viel Grund zum Feiern. Auch deshalb: "Wenn es keine rot-rot-grüne Option gibt, dann wäre das gut für Deutschland." Er hoffe sehr, dass die FDP in Lage kommt, dieses Land in einer Regierung gestalten zu können. Nachdem er wie sein Vorredner vielen FDP-Mitgliedern persönlich dankte, ist er ins Liberale Haus verschwunden. Auf zum nächsten Termin an diesem Abend. Nur noch wenige Liberale stehen an den Stehtischen vor der Leinwand. Die meisten plaudern miteinander und trinken Bier.

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