merken
PLUS Politik

Wäre Söder oder Laschet besser für Sachsen?

Beide Anwärter für die CDU-Kanzlerkandidatur bringen wenige Inhalte mit. Gerade für Sachsen könnte es noch ein Problem geben. Ein Leitartikel.

Im unionsinternen Streit um die Kanzlerkandidatur ist bisher keine Entscheidung gefallen.
Im unionsinternen Streit um die Kanzlerkandidatur ist bisher keine Entscheidung gefallen. © Michael Kappeler/dpa

Das wichtigste politische Amt, das die Republik zu vergeben hat, steht im September gar nicht zur Wahl. Der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin wird nicht vom Volk, sondern vom Deutschen Bundestag auf Vorschlag des Bundespräsidenten gewählt.

Dennoch ist es gute Tradition, dass die Parteien, die sich selbst eine Chance einräumen, den Regierungschef oder die Regierungschefin zu stellen, einen oder eine aus ihren Reihen dafür benennen. Sie präsentieren dem Wahlvolk einen Kanzlerkandidaten, der sie in der Wahlschlacht anführt. Der kann wegen seiner großen medialen Wirksamkeit den Wahlausgang – so oder so – mal weniger, mal mehr beeinflussen.

UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand

Was ist eigentlich das Unbezahlbarland? Warum ist der Landkreis Görlitz Unbezahlbarland? Hier finden Sie alle Infos.

Umfragen sind keine Wahlen

In Sachsen war das etwa bei der Bundestagswahl 1998 beobachtbar. Damals gewann die SPD im Biedenkopf-Land beinahe 30 Prozent der Stimmen, fast so viel wie die CDU. Einen entscheidenden Beitrag dazu trug der spätere Kanzler Gerhard Schröder bei, der 2002 den sozialdemokratischen Anteil in Sachsen sogar noch leicht steigerte.

Allerdings: Umfragen sind aktuelle Meinungsbilder – keine Wahlen. Mal stimmen sie überein, mal nicht. Im Februar 2017 antworteten 50 Prozent der Deutschen auf die Frage, wen sie wählen würden, könnte man den Bundeskanzler direkt wählen: Martin Schulz. 34 Prozent setzten auf Angela Merkel. Die Geschichte ging letztlich ganz anders aus.

Ginge es nach Umfragen, wäre Friedrich Merz heute CDU-Chef. Der hatte bei den Unionsleuten immer eine Mehrheit. Jens Spahn war noch im Januar der beliebteste Politiker, vor der Kanzlerin. Stimmungen wechseln manchmal schnell.

Söder als Aushilfs-Merz

Nun wird in der CSU und vor allem in der CDU gestritten, welcher der beiden Parteivorsitzenden der gemeinsame Kanzlerkandidat sein soll: der gerade frisch gewählte Armin Laschet oder Markus Söder. Der eine, Laschet, ist mehr der Integrator, der unscheinbarere Zusammenführer.

Der andere, Söder, ist der Macher, der Ansager mit derzeit erheblich besseren Umfragewerten. Verkauft werden beide als herausragende Kandidaten. Fasst man allerdings viele Äußerungen im internen Ringen aus beiden Lagern zusammen und übersetzt sie in Klartext-Deutsch, kommt man zum Ergebnis: Es kämpft ein machtgeiler Opportunist gegen eine Lusche.

Wer wäre nun besser für Sachsen? Aus der Perspektive der Mehrheit der Christdemokraten des Landes ist Söder wohl der eindeutige Favorit wie zuvor Merz beim CDU-Vorsitz – als eine Art Aushilfs-Merz. Viele fürchten um ihre Direktmandate gegenüber der in Sachsen besonders starken AfD und setzen auf die Beliebtheit und Zustimmung für Söder in der Bevölkerung. In der Auseinandersetzung vor allem mit der AfD trauen sie Söder mehr zu als Laschet.

Söder in der Krise nicht übermäßig erfolgreich

Nun ja. Bei der bayerischen Landtagswahl 2018 schnitt die Söder-CSU so schlecht ab wie nie seit 1950. Dabei wollte Söder mit harten Positionen in der Migrationspolitik und teilweise bösen Angriffen auf die Kanzlerin potenzielle AfD-Wähler ansprechen, die in der Merkel-CDU keine politische Heimat mehr sahen.

Das Ergebnis: Die CSU unter Söder verlor mehr als zehn Punkte und hat seit mehr als sechs Jahrzehnten wieder weniger als 40 Prozent. Seither allerdings wandelte sich der CSU-Chef zum absoluten Merkel-Fan und umarmt sogar Bäume.

Wahr ist allerdings, dass sein Konkurrent Laschet vielleicht als netterer Kerl durchgeht, aber nicht unbedingt als führungsstark. Trotz Wechselstimmung in NRW erreichte die CDU dort 2017 nur 33 Prozent – ein historisch mieses Ergebnis. Dass dennoch Schwarz-Gelb rauskam, lag mehr an der Stärke der FDP als an der Laschet-CDU.

Wer wäre nun besser für Sachsen, wenn man mehr auf die Managerqualitäten sieht als auf Beliebtheit und Charakter? In der öffentlichen Darstellung der Pandemiebekämpfung heißt der Sieger zweifellos Söder. Tatsächlich aber war er viel seltener vornweg als behauptet. Alle objektiven Daten zeigen, dass Söder als Krisenmanager nicht übermäßig erfolgreich ist. Sein Bundesland liegt hinter etlichen anderen, auch hinter NRW. Beide Kandidaten nehmen sich also nicht viel.

Sind die Grünen die lachenden Dritten?

Inhaltlich auch nicht. Denn darüber, mit welchen programmatischen Eckpunkten Söder oder Laschet die Wähler überzeugen wollen, ist nichts bekannt. Inhalte kommen später. Von Ostdeutschland, so viel allerdings lässt sich festhalten, haben beide im Detail wenig bis keine Ahnung.

Als Ministerpräsidenten im Süden und Westen hatten sie auch andere Interessen zu vertreten. Für Söder als Chef einer Regionalpartei hieß es immer wie bei all seinen Vorgängern: Bayern first. Und Laschet wollte immer mal wieder den Blick vom Osten umlenken: „Eine Sanierung West ist längst überfällig.“

Weiterführende Artikel

Söder verzichtet - Laschet dankt der CSU

Söder verzichtet - Laschet dankt der CSU

Der CDU-Vorstand hat sich mit großer Mehrheit hinter seinem Parteichef Laschet versammelt. CSU-Chef Söder beendet das Gerangel um den Spitzenposten.

So verlief der Kandidaten-Krimi hinter den Kulissen

So verlief der Kandidaten-Krimi hinter den Kulissen

Söder fliegt nach Berlin und wieder ab. Laschet trifft sich mit dem CDU-Bundesvorstand. Er bekommt ein Votum. Aber reicht das? Eine Rekonstruktion.

Wie das Laschet-Drama die Risse in der CDU offenlegt

Wie das Laschet-Drama die Risse in der CDU offenlegt

Die ersten an der Basis rufen schon nach Friedrich Merz als Kanzlerkandidaten. Fünf Erkenntnisse, die zeigen, wie tief die Probleme der CDU reichen.

Sachsen-CDU im Wahlkampf ohne Kanzlerkandidat

Sachsen-CDU im Wahlkampf ohne Kanzlerkandidat

Marco Wanderwitz, Ost-Beauftragter der Bundesregierung, führt die Landesliste zur Bundestagswahl an. Seine Partei debattiert eine ganz andere Personalie.

Angela Merkel hält sich – wie so oft – erst mal raus. Aber für eine langjährige Anführerin gehörte es sich schon, ein bestelltes Feld zu übergeben statt eines Trümmerfeldes. Wenn CDU und CSU so weitermachen, ist die Frage Söder oder Laschet am Ende womöglich egal. Dann zieht vielleicht sogar Annalena Baerbock ins Kanzleramt, falls sie am Montag für die Grünen nominiert wird. Und manche Parteifreunde von Merkel orakeln, es wäre der Kanzlerin gar nicht so unrecht.

Mehr zum Thema Politik