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So geht Sachsen in die Bundestagswahl

Wie mehrere repräsentative Umfragen zeigen, haben die Sachsen ein Topthema bei der Bundestagswahl - und einen Favoriten unter den Kanzlerkandidaten.

Welche Partei bekommt die Stimme? Fast zwei Drittel der Sachsen haben sich bereits entschieden.
Welche Partei bekommt die Stimme? Fast zwei Drittel der Sachsen haben sich bereits entschieden. © dpa/Ronny Hartmann

In dreieinhalb Wochen wird der neue Bundestag gewählt. Während der Wahlkampf in vielen Teilen Deutschlands bereits auf Hochtouren läuft und sich die drei Kanzlerkandidaten am vergangenen Sonntag bereits zum ersten Mal im TV "triellierten", ist es in Sachsen noch vergleichsweise ruhig. Das wird sich wohl spätestens in der kommenden Woche mit dem Ende der Sommerferien ändern.

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Sächsische.de hat gemeinsam mit den Meinungsforschern von Civey mehrere repräsentative Umfragen gestartet, um herauszufinden, auf welche Themen es den Sachsen bei der Bundestagswahl ankommt, ob sie schon eine Entscheidung getroffen haben und welchem Kanzlerkandidaten sie am ehesten vertrauen. Das sind die Ergebnisse.

Die Themen

Zunächst wollten wir wissen, welche drei politischen Themen die Wahlentscheidung der Sachsen am meisten beeinflussen. Dabei zeichnet sich ein eindeutiges Topthema ab: Renten- und Sozialsysteme. Für fast zwei Drittel der Sachsen (61,2 Prozent) ist dieses Thema entscheidend bei der Stimmenabgabe. Bei den weiteren Themen ist die Lage unübersichtlicher. Sowohl "Innere Sicherheit", "Wirtschaft und Arbeitsplätze" als auch "Umwelt- und Klimapolitik" sind für jeweils 35 bis 40 Prozent der Sachsen wichtige Themen. Dahinter folgen die Gesundheitspolitik mit 31 Prozent der Stimmen und die Migrationspolitik mit 30,4 Prozent.

Ein etwas klareres Bild zeigt sich bei der Frage, welche drei politischen Themen den Sachsen persönlich am wichtigsten sind. Auch hier sind "Renten- und Sozialsysteme" die klare Nummer eins (58,4 Prozent). "Innere Sicherheit" folgt auf Rang zwei mit 44,3 Prozent vor dem Thema "Wirtschaft und Arbeitsplätze" mit 38,2 Prozent. Überraschend bei dieser Fragestellung: Das in vielen politischen Diskussionen derzeit hervorgehobene Migrationsthema wird von gerade einmal einem Viertel der Sachsen (25,5 Prozent) als besonders wichtig erachtet. Ähnliches trifft für die Umwelt- und Klimapolitik zu, die nur 30,6 Prozent der Sachsen als besonders wichtig empfinden.

Bemerkenswert ist aber, dass trotzdem viele Sachsen denken, dass die Umwelt- und Klimapolitik eine entscheidende Rolle bei der Bundestagswahl spielen wird. Wir wollten wissen, welche drei Themen die Bundestagswahl 2021 bestimmen werden. Das Ergebnis: Die Umwelt- und Klimapolitik (56,9 Prozent) ist gemeinsam mit dem Thema "Renten- und Sozialsysteme" die klare Nummer eins (56,1 Prozent). Dahinter folgen die Themen "Wirtschaft und Arbeitsplätze" (38,5 Prozent) sowie "Migration" (34,3 Prozent).

Die Entscheidung

Viele Parteien schätzen die kommenden drei Wochen als entscheidend im Kampf um Wählerstimmen ein. Dabei ist nur eine Minderheit der Sachsen noch unentschieden und für Wahlwerbebotschaften empfänglich. Das ist das Ergebnis einer weitere repräsentativen Umfrage von sächsische.de und Civey.

Demnach sagen fast zwei Drittel der Sachsen (62,1 Prozent), dass sie sich bereits entschieden haben, welcher Partei sie bei der Bundestagswahl eine Stimme geben. Zudem haben sich 21,9 Prozent der Sachsen zwar noch nicht entschieden, haben aber bereits eine klare Tendenz für die Wahlentscheidung. 14,6 Prozent der Sachsen sind tatsächlich noch unentschieden. Der Rest hat sich noch keine Gedanken über die Wahl gemacht beziehungsweise kann mit der gestellten Frage nichts anfangen.

Das Umfrageergebnis ist durchaus nicht ungewöhnlich, wie eine weitere Umfrage zeigt. Demnach sagt fast die Hälfte der Sachsen (48,7 Prozent), dass die Entscheidung auch bei vergangenen Wahlen bereits mindestens ein halbes Jahr vor der Wahl feststand. Weitere 22,5 Prozent der Sachsen zudem geben an, mindestens sechs Wochen vor der Wahl, eine Entscheidung getroffen zu haben. Für 16,4 Prozent der Sachsen fällt die Entscheidung hingegen erst in der letzten Wochen vor der Wahl oder am Wahltag selbst. 12,4 Prozent antworten auf die Umfrage mit "Weiß nicht".

Die Kandidaten

Was die Kanzlerkandidaten angeht, haben die Sachsen einen klaren Favoriten: SPD-Bewerber Olaf Scholz. Rund ein Viertel der Sachsen (24,6 Prozent) finden ihn am überzeugendsten. Die anderen beiden offiziellen Kanzlerkandidaten, Annalena Baerbock von den Grünen und Armin Laschet von der CDU, haben hingegen in Sachsen keinen guten Stand. Gerade einmal 8,4 Prozent und 5,6 Prozent finden diese Bewerber am überzeugendsten. Das deckt sich mit den Ergebnissen einer Umfrage des MDR.

Eher können sich die Sachsen für Bewerber begeistern, die offiziell gar nicht ihren Anspruch auf das Kanzleramt angemeldet haben. 19 Prozent der Sachsen findet das AfD-Spitzenduo Alice Weidel und Tino Chrupalla am überzeugendsten. Christian Lindner von der FDP kann 12,7 Prozent der Sachsen für sich begeistern. Das Spitzenduo der Linken, Janine Wissler und Dietmar Bartsch, schafft es hingegen nur auf 4,3 Prozent.

Warum Olaf Scholz in der Gunst der Sachsen deutlich höher steht als Annalena Baerbock und Armin Laschet, lassen drei weitere Umfragen erahnen. Wir wollten wissen, welche Attribute auf die jeweiligen Kanzlerkandidaten zutreffen. Fachkenntnisse (36,8 Prozent) und Dialogbereitschaft (29 Prozent) werden bei Scholz am häufigsten genannt. 46,4 Prozent der Sachsen sagen aber auch, dass keine der vorgeschlagenen Eigenschaften zutrifft.

Im Vergleich zu Baerbock und Laschet ist das aber ein gutes Ergebnis. 65,4 Prozent der Sachsen können Baerbocks Politikstil keinen der genannten Attribute zuordnen, was auf eine gewisse Ablehnung hindeutet. Immerhin: 20,1 und 18,1 Prozent der Sachsen erkennen bei ihr eine langfristige Vision und eine klare Positionierung.

Laschets Politikstil scheint hingegen für die deutliche Mehrzahl der Sachsen völlig unklar zu sein. 75,2 Prozent können diesem keinen der genannten Eigenschaften zuordnen. Mit 18,7 Prozent ragt lediglich die Dialogbereitschaft heraus.

Die "Sonntagsfrage" für Sachsen hatte zuletzt die AfD (23 Prozent) vor der CDU (21 Prozent) gesehen. Großer Gewinner sind der Umfrage zufolge die Parteien einer möglichen Ampelkoalition. Die Grünen legen fünf Prozentpunkte zu und kommen aktuell auf zehn Prozent, die SPD landet bei 15 Prozent (plus vier Prozentpunkte) und die FDP bei zwölf Prozent (plus vier Prozentpunkte). Die Linke käme bei einer Wahl am kommenden Sonntag nur noch auf elf Prozent (minus fünf Prozentpunkte) und setzt damit ihren Abwärtstrend in Ostdeutschland fort.

Bundesweit ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Hier liegt die SPD nach den jüngsten Umfragen vor der CDU. Wahlrecht.de gibt den Überblick über die Umfrageergebnisse der vergangenen Tage.

Information zu Umfragen mit Civey

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In diesem Artikel wurden insgesamt neun Umfragen ausgewertet, die Sächsische.de in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey durchgeführt hat. Die Größe der Stichproben für die Sachsen-Zahlen in der Reihenfolge der genannte Umfragen: 592, 566, 592, 320, 303, 306, 278, 312, 278. Details zu den Befragungszeiträumen und dem statistischen Fehler entnehmen Sie bitte den Grafiken.

Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.

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