merken
PLUS Görlitz

Kreis Görlitz: Wie CDU und AfD um die Wähler werben

Der Wahlkreis an der Neiße ist heiß umkämpft. Beide Parteien wollen das Direktmandat und setzen im Endspurt auf Prominenz aus Berlin.

Friedrich Merz, CDU, sprach am Dienstag bei einer CDU-Wahlveranstaltung in der Landskron Brauerei in Görlitz.
Friedrich Merz, CDU, sprach am Dienstag bei einer CDU-Wahlveranstaltung in der Landskron Brauerei in Görlitz. © Martin Schneider

Wer lauter ist, darüber kann man streiten. Rund 500 Gäste empfangen Friedrich Merz am Dienstagabend mit Beifall und Jubel. Demgegenüber stehen etwa 50 Demonstranten, die mit lauten Parolen und Pfiffen die Einfahrt des schwarzen Dienst-Audis begleiten. "Haut ab", ist einer der Sprüche. Dienstagabend, es ist das Finale des CDU-Wahlkampfes um das Bundestagsdirektmandat auf dem Hof der Landskron Brauerei in Görlitz.

Niemand weiß, wie es im Rennen um das Direktmandat im Wahlkreis Görlitz steht. Prognosen, die auf repräsentativen Umfragen beruhen, gibt es nicht. AfD-Chef Tino Chrupalla will seinen Erfolg von 2017 wiederholen und erneut die meisten Erststimmen einsammeln. Ihm gegenüber auf dem Wahlschein steht nun Florian Oest, CDU. Mit Friedrich Merz hat er eine prominente Stimme, die ihm den Rücken stärkt. Natürlich ist auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer aus diesem Anlass in seine Heimatstadt gekommen.

Anzeige
Nager, die in kein Schema passen
Nager, die in kein Schema passen

Die Großen Maras haben gerade wieder Nachwuchs bekommen - und erhielten bei der Wahl zum Tier des Monats Oktober die meisten Stimmen.

Die Stimmung ist entspannt auf dem Brauereihof. Florian Oest kommentiert den lautstarken Protest vor dem Tor so: "Protest allein bringt uns nicht voran, so laut er auch sein mag." Die Gäste im Hof stehen inzwischen Schlange. Entweder Bier für 3,50 Euro oder Bratwurst zum selben Preis, Bio. Als die Prominenz spricht, gibt es einen Ausschankstopp.

Demonstranten gegen die CDU vor der Landskron Brauerei in Görlitz: Sie machten gegen angeblich eingeschränkte Grundrechte mobil.
Demonstranten gegen die CDU vor der Landskron Brauerei in Görlitz: Sie machten gegen angeblich eingeschränkte Grundrechte mobil. © Martin Schneider

Auf der Bühne hat inzwischen Michael Kretschmer das Mikrofon übernommen und findet es "bedeutend und auch ein Stück weit rührend", dass so viele Menschen zusammengekommen sind. Und er hält sich auch nicht lange mit Vorreden auf, worum es in diesem Wahlkampf für den Kreis Görlitz geht. "Jede Stimme für die AfD ist eine verlorene Stimme", sagt Michael Kretschmer. Die Partei sei nicht in der Lage, auch nur ein Problem im Wahlkreis zu lösen.

"Wir haben einen Plan für die Zukunft", so der Ministerpräsident. Der Braunkohleausstieg sei eine der ganz großen Herausforderungen, und Michael Kretschmer betont das Ausstiegsjahr 2038, auch wenn "manche Leute" 2030 ins Spiel brächten. "Wir brauchen diese acht Jahre. Sie sind für die Region überlebenswichtig", so Michael Kretschmer. Er sehe Florian Oest als "Schutzpatron für die Heimat" und stellt dann auch gleich noch Friedrich Merz als den "zukünftigen Wirtschaftsminister" vor.

Der geht dann auch gleich an die großen Themen heran. "Wir werden einen Regierungswechsel bekommen, so oder so", sagt Friedrich Merz. Er geht auch auf die Demonstranten vor der Brauerei ein: "Wenn ich diese Menschen herumschreien höre, wir wollen kein Land, in dem herumgeschrien wird, sondern indem vernünftige Politik gemacht wird." Dafür gibt es Applaus von den Besuchern. Jede Stimme für die AfD, warnt er, sei auch eine Stimme für Rot-Rot-Grün. "Das müssen die dahinten wissen", so Friedrich Merz mit Blick auf den Protest in Görlitz.

Er redet sich mit der Zeit warm, kommt von der Weltpolitik dann auch mal auf seine Fahrradtour auf dem Oder-Neiße-Radweg zu sprechen, "Da habe ich viele Leute in Görlitz, Bad Muskau und Rothenburg getroffen", spricht davon, dass der Klimawandel nicht zu bestreiten ist, "ob nun zu zehn oder 20 Prozent von Menschen gemacht" und das diese Herausforderung nicht über Verbote zu bewältigen sei.

Der Einsatz der Polizei hält sich am Dienstag jedenfalls in Grenzen. Nur relativ wenige Beamte beobachten das Protestgeschehen gegenüber der Brauerei. Ganz anders sieht es da am Mittwochabend am Marienplatz aus.

Der Polizeieinsatz ist deutlich größer, die AfD-Spitzen Alice Weidel und Tino Chrupalla sprechen heute hier. Die Besucherzahl unterscheidet sich kaum von der der CDU-Veranstaltung, hunderte AfD-Anhänger sind gekommen, ein Bierzelt ist auf dem Marienplatz aufgebaut. Während der Veranstaltung gilt ein Alkoholverbot. Sagt jedenfalls der Ordner von der AfD.

Alice Weidel am Mittwochnachmittag auf dem Görlitzer Marienplatz.
Alice Weidel am Mittwochnachmittag auf dem Görlitzer Marienplatz. © Foto: Martin Schneider

Noch während der Görlitzer Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel auf der Bühne spricht, steigt die AfD-Bundesprominenz aus einem Auto: eine gut gelaunte Frau Weidel und ein ebenso gut gelaunter Herr Chrupalla. "Was für ein Empfang", freut sich Alice Weidel und bedankt sich auch gleich bei Sebastian Wippel, dem "Oberbürgermeister der Herzen".

Der "Oberbürgermeister der Herzen"

"Wie oft habe ich hier schon gestanden und Wahlkampf gemacht", erinnert sich Alice Weidel. Sie hält sich aber nicht lange mit Vorreden auf, wirbt für Tino Chrupalla, "Er ist der Beste" und verspricht, dass es mit der AfD keinen Lockdown mehr geben wird.

Das kommt gut an beim Publikum, es wird heftig geklatscht, Deutschlandfahnen geschwenkt. Auf der Elisabethstraße hat sich derweil ein kleiner und deutlich leiserer Protest als bei der CDU zusammengefunden, junge Leute, die die Regenbogenfahne schwenken und ein Transparent halten auf dem steht, dass Nationalismus keine Lösung sei.

Alice Weidel macht derweil gegen die gängige Impfpraxis Stimmung. Sie sei sicher, dass eine Impfpflicht kommen werde. Für sie sei es aber wichtig zu sagen, dass es ok ist, wenn man sich nicht impfen lässt.

Wenig Protest bei AfD-Veranstaltung

Tino Chrupalla holt zum großen weltpolitischen Schlag aus, von Afghanistan bis Flüchtlingsproblematik. Und er geht Florian Oest und Michael Kretschmer wegen ihrer Wahlplakate an: "diese beiden Pfeifen". "Wer sind denn die Macher und wer die Spalter?", fragt er.

Den Strukturwandel in der Lausitz bezeichnet er als "Strukturschwindel". Es sei nicht mit den Menschen darüber gesprochen worden, sondern nur mit einer Lobby. "Das Geld, das eigentlich für die Lausitz vorgesehen war, wird anderswo ausgegeben", sagt Tino Chrupalla. Und: "Wir werden wieder verarscht wie nach 1990." Sätze, die ebenfalls ankommen und mit Beifall bedacht werden.

Weiterführende Artikel

Protest und Jubel für Merz in Görlitz

Protest und Jubel für Merz in Görlitz

Friedrich Merz hat in Görlitz Wahlkampf für die CDU gemacht. Ein Sieg von Direktkandidat Florian Oest gegen Tino Chrupalla (AfD) wäre eine kleine Sensation.

Die großen Städte im Kreis, rechnet er vor, also Weißwasser, Niesky, Görlitz, Löbau, Zittau, haben 100 Millionen Euro Schulden. "Wir können gar nicht investieren. Der Kreis ist pleite", so Tino Chrupalla. Die Schuld sieht er bei der CDU.

So oder so: Eine Gemeinsamkeit haben die beiden finalen Wahlkampfveranstaltungen von CDU und AfD in Görlitz. Am Ende wird bei beiden die deutsche Nationalhymne gespielt. Und kräftig mitgesungen.

Mehr zum Thema Görlitz