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"Die Jusos sind jetzt stärker als die CSU"

Der 24-jährige Fabian Funke aus Heidenau sitzt jetzt für die SPD im Bundestag. Was er als Neuling vorhat, sagt er im Gespräch mit Sächsische.de.

Bot den erfahrenen Kontrahenten auch beim Wahlforum zur Bundestagswahl Paroli: Fabian Funke.
Bot den erfahrenen Kontrahenten auch beim Wahlforum zur Bundestagswahl Paroli: Fabian Funke. © Daniel Schäfer

Die SPD Sächsische Schweiz-Osterzgebirge stellt erstmals einen Bundestagsabgeordneten, der im Landkreis wohnt. Das gelang nicht mal zu Regierungszeiten unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder, als die SPD in Sachsen noch weit über 30 Prozent der Stimmen holte. Fabian Funke aus Heidenau hat es nun geschafft. Als Direktkandidat landete er zwar nur auf dem dritten Platz. Doch der 24-jährige Student war als Vorsitzender der Jusos Sachsen auf Platz 7 der Landesliste gesetzt. Acht Kandidatinnen und Kandidaten der Landesliste zogen ein. Dafür reichten der SPD 19,3 Prozent der Zweitstimmen in Sachsen.

So deutlich wie bei keiner anderen Partei im Landkreis zeigte sich das Gefälle bei den Zweitstimmen von städtischem zu ländlichem Milieu. Die höchsten Stimmenanteile holten die Sozialdemokraten in den größten Städten im Landkreis: Pirna (16,7%), Freital (16,7), Heidenau (16,9) und Dippoldiswalde (16,2).

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Zweitstimmen Bundestagswahl 2021 für die SPD im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
Zweitstimmen Bundestagswahl 2021 für die SPD im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. © SZ

Die schwächsten Ergebnisse gab es in den von urbanen Zentren entfernteren ländlichen Gemeinden wie Hartmannsdorf-Reichenau (11,1), Reinhardtsdorf-Schöna (11,7) und Rosenthal-Bielatal (11,9). Ein persönlicher Erfolg für Funke dürfte sein, dass er in seiner Heimatstadt Heidenau mit 13,5 Prozent bei den Erststimmen für die Kandidaten im Vergleich zu allen anderen Gemeinden am besten abgeschnitten hat. Zudem konnte die SPD den Zweitstimmenanteil in Heidenau im Vergleich zur vorangegangenen Bundestagswahl mehr als verdoppeln.

Jusos machen nicht nur Jugendpolitik

Herr Funke, haben Sie schon eine Erklärung dafür, weshalb die SPD im Landkreis so stark zulegen konnte?

Da möchte ich mich noch mal bei allen Unterstützern für einen tollen Wahlkampf bedanken. Der wurde auch sehr inhaltlich geführt. Das ist ein Ergebnis harter Arbeit. Viele Menschen haben im Vorfeld der Bundestagswahl sehr gezielte Fragen gehabt und tatsächlich nach unserem Programm gefragt. Wir sind eine Partei, die für den sozialen Ausgleich eintritt. Damit konnten wir besonders im Osten punkten. Die SPD hat ja auch was vorzuweisen, etwa die Durchsetzung der Grundrente oder der Fallpauschalen in der Gesundheitsversorgung. Auch die Anhebung des Mindestlohns ist hier ein wichtiges Thema.

Ist der Erfolg der SPD nicht hauptsächlich auf Kanzler-Kandidat Olaf Scholz zurückzuführen?

Olaf Scholz hat im Wahlkampf sicherlich die wenigsten Fehler gemacht. Entscheidend ist aber, dass wir als SPD ein sehr gutes Programm und die besten Kandidaten haben. Die Umsetzung unserer Inhalte wird den Leuten im Osten Deutschlands besonders helfen. So streben wir eine Reform des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (Bafög) an, ebenso eine Ausbildungsgarantie. Wenn wir die neue Regierung anführen, können wir auch viel erreichen. Das muss der Anspruch der nächsten vier Jahre sein. Ganz wichtig war auch, zu sehen, dass wir Wählerinnen und Wähler wieder zurückgewinnen können und die CDU nicht die einzige Alternative zur AfD ist. Die stellt sich gern als Partei der kleinen Leute dar. In Chemnitz, wo die SPD das Direktmandat zurückerobert hat, haben wir gesehen, wie die AfD entzaubert werden kann. Zudem konnten wir auch viele Nicht-Wähler wieder aktivieren.

Haben Sie Angst, dass die angestrebte Koalition mit Grünen und FDP doch noch platzen könnte und sich doch noch CDU, FDP und Grüne auf ein Bündnis ohne SPD verständigen?

Die Wählerinnen und Wähler haben doch ein sehr klares Votum abgegeben. Sie wollen einen Aufbruch, und der sollte doch ein sozialer werden. SPD, Grüne und FDP wurden gestärkt, alle anderen Parteien haben doch verloren. Deshalb sollten wir mit ganzem Herzen für die Ampel-Koalition streiten.

Wie geht es jetzt für Sie persönlich weiter, brechen Sie Ihr Studium ab?

Jetzt bin ich Bundestagsabgeordneter und werde mich dieser Aufgaben mit ganzer Kraft widmen. Natürlich habe ich den Anspruch, nach dem erfolgreichen Abschluss meines Bachelor-Studiums auch irgendwann den Master fertigzustellen. Da muss ich noch gucken, wie ich beides verbinden kann. Priorität hat in jedem Fall mein Mandat.

Die SPD-Fraktion war noch nie so jung wie jetzt...

Das stimmt. Wir hatten als Fraktion schon die ersten Treffen in Berlin. Die Stimmung war sehr gut. In der SPD-Fraktion sind wir 49 Jusos, also Menschen unter 35 Jahre. Die Jusos sind damit im Bundestag stärker vertreten als die gesamte CSU.

Setzen Sie als junge Abgeordnete nun ganz andere Themen?

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Das würde ich so nicht sagen. Wir machen ja für alle Politik. Ich bin genauso für alle Generationen Ansprechpartner wie die älteren Fraktionskollegen. Ich werde mich beispielsweise genauso für die Grundrente einsetzen. Wir Jusos machen jetzt nicht ausschließlich Jugendpolitik. Ich denke aber schon, dass junge Abgeordnete längerfristige Sichtweisen entwickeln.

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