merken
PLUS Meißen

Den Reichen mehr Geld abnehmen

Stephanie Dzeyk ist die neue Direktkandidatin der SPD für den Bundestag. Sie hält sich für pragmatisch, hat aber sehr politische Lieblingsthemen.

An der Skaterbahn in Meißen: Die SPD-Bundestagskandidatin Stephanie Dzeyk (29). Sie war ein Jahr in Israel in einem Kibbuz, hat in Heidelberg Soziologie studiert und wohnt seit zwei Jahren in Klipphausen. Sie arbeitet im Sozialministerium.
An der Skaterbahn in Meißen: Die SPD-Bundestagskandidatin Stephanie Dzeyk (29). Sie war ein Jahr in Israel in einem Kibbuz, hat in Heidelberg Soziologie studiert und wohnt seit zwei Jahren in Klipphausen. Sie arbeitet im Sozialministerium. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Meißner Skaterbahn an der Elbe, unweit vom Bahnhof. Jugendliche fahren über den Parcours. Bei manchen sieht es schon echt cool und professionell aus, bei manchen noch nicht, andere stürzen sogar hin und wieder. "Dieser Treffpunkt hier ist wichtig für die Jugendlichen", sagt Stephanie Dzeyk. Die junge Frau aus Klipphausen möchte für die SPD in den Bundestag und setzt sich für die Jugendlichen ein. "Sie brauchen doch auch Plätze, an denen sie sich treffen können und für die sie kein Geld bezahlen müssen." Das Skaten ist leider bisweilen recht laut, einigen Anwohnern gefällt das nicht. Da muss eine Lösung gefunden werden und dabei will sie helfen.

Stephanie Dzeyk, deren angeheirateter Nachname wohl aus dem Preußisch-Polnischen kommt, ist neu in der Region. Die 29-Jährige wohnt erst seit zwei Jahren hier, mit Ehemann und kleinem Kind. Sie stammt aus Tübingen, zog später in die Pfalz. Sie spricht aber ein astreines Hochdeutsch. Jetzt ist sie hier, auf dem Dorf in einem Dreiseithof. Frau Dzeyk ist neugierig auf ihre neue Heimat und startete deshalb online und auf Plakaten eine Umfrage: Wer sind Sie? Immerhin, über 20 Leute haben schon mitgemacht. Stephanie Dzeyk arbeitet als Referentin im Sozialministerium in der Stabsstelle Corona. "Da wird es mir nicht langweilig", sagt sie. Zunächst hat sie Anträge aufs vorzeitige Impfen bearbeitet, jetzt hilft sie bei der Kontaktpersonen-Nachverfolgung in den Gesundheitsämtern.

StadtApotheken Dresden
Die StadtApotheken Dresden sind für Sie da
Die StadtApotheken Dresden sind für Sie da

Die StadtApotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Sie freut sich sehr über die plötzliche Stärke der SPD bundesweit, mit Olaf Scholz an der Spitze, der "als Finanzminister einen guten Job gemacht hat und das Bedürfnis nach Stabilität erfüllt". Stephanie Dzeyk würde sich freuen, wenn davon auch etwas nach Sachsen oder in die Region Meißen schwappen würde. Aber auch der Meißner Kreisverband hat sich erneuert und verjüngt. Dort ist sie stellvertretende Vorsitzende.

Eine realistische Chance, in den Bundestag gewählt zu werden, hat Frau Dzeyk nicht. Sie hat keinen Listenplatz erhalten, weil sie erst nach der Nominierungsversammlung als Ersatz für die überraschend ausgeschiedene Susann Rüthrich aufgestellt wurde. Frau Rüthrich soll sächsische Kinderbeauftragte werden und ihren sicheren zweiten Listenplatz hat jemand anderes erhalten. Dzeyk: "Dennoch betreibe ich meine Kandidatur sehr ernsthaft und werde kämpfen." Ihre Themen sind vor allem der Klimawandel und die Digitalisierung. Sie denkt, dass im Landkreis Meißen acht oder zehn oder vielleicht sogar 15 Prozent der Leute die Inhalte der SPD gut finden. Diese Menschen müssen eine Möglichkeit haben, ihr Kreuz zur Wahl an der richtigen Stelle zu machen.

Vor sechs Jahren ist sie in die SPD eingetreten. Ihre Mutter ist auch SPD-Mitglied. 2015 war Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, wo sie damals wohnte. Sie sah, wie auch dort die AfD erstarkte. Das war ihre endgültige Motivation, in die SPD einzutreten. Sie habe nichts gegen konservative Einstellungen. Aber es gibt für sie eine Grenze. "Ich bin für eine Gesellschaft, in der alle Menschen gleich viel wert sind." Sie möchte der AfD auch hier im Landkreis Meißen das Feld nicht ohne demokratischen Streit überlassen.

Sich selbst ordnet sie pragmatisch in der Mitte der verschiedenen SPD-Strömungen ein. Eine linke Position, die sie habe, ist, den Reichen oder Super-Reichen mehr abzunehmen und es den Ärmeren zukommen zu lassen. Denn auch reiche Unternehmenseigentümer partizipieren ja vom Staat, von der staatlichen Ausbildung der Beschäftigten oder der teuren Infrastruktur. Sie sollten eine Vermögensteuer zahlen. "Wir haben in der Pandemie ja gesehen, dass es viele Menschen gibt, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, aber sehr wenig verdienen. Das ist nicht gerecht", sagt Frau Dzeyk.

Digital-Techniker für Schulen

Die Digitalisierung in den Schulen ist ein weiteres Thema, das ihr am Herzen liegt. Sie schlägt vor, für die Schulen Techniker einzustellen. Das sind Leute, die die Geräte warten, das WLAN am Laufen halten und gleich Informatikwissen weitergeben. Vor allem an die Lehrer. Geld hat der Bund ja über den Digitalpakt zur Verfügung gestellt.

Weiterführende Artikel

Rekord bei Direktkandidaten im Wahlkreis Meißen

Rekord bei Direktkandidaten im Wahlkreis Meißen

Elf Bewerber möchten direkt in den Bundestag einziehen. So viele wie noch nie.

Letztlich ärgert sie sich über die Ungleichheit bei den Löhnen hier im Vergleich zum Westen. Ein Beispiel seien die Teigwaren Riesa. Ein Paradebeispiel für eine verlängerte Werkbank des Westens. "Die Leute fordern ein bisschen mehr Geld", so Frau Dzeyk. "Aber die Unternehmensleitung stellt sich stur. Das beschäftigt mich sehr. Die Bundesregierung sollte hier mehr für die Tarifbindung tun."

Stephanie Dzeyk schaut auf die Uhr. Sie muss weiter. Zum nächsten Termin, einer Ausstellungseröffnung im Meißner Akti. Sie geht an der Skaterbahn vorbei und winkt den Jugendlichen zu.

Mehr zum Thema Meißen