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Ein treuer Diener des Staates

Thomas de Maizière nimmt in Gröditz Abschied von seinem Wahlkreis Meißen. Zwei Dinge hat er in den zwölf Jahren als Bundestagsabgeordneter nicht geschafft.

Noch ohne den Tambour-Stab. Thomas de Maizière steht vor dem Zabeltitzer Spielmannszug bei seiner Verabschiedung am Donnerstagabend im Gröditzer Dreiseithof. 150 Gäste waren gekommen.
Noch ohne den Tambour-Stab. Thomas de Maizière steht vor dem Zabeltitzer Spielmannszug bei seiner Verabschiedung am Donnerstagabend im Gröditzer Dreiseithof. 150 Gäste waren gekommen. © Klaus-Dieter Brühl

Gröditz. Das ist auch für einen Mann, der schon alles gesehen und fast alles gemacht hat, eine Premiere. Thomas de Maizière steht im Dreiseithof in der Gröditzer Hauptstraße vor dem Zabeltitzer Spielmannszug und gibt mit dem Tambour-Stab den Anschlag. Er ist jetzt der Tambourmajor. Er steht ruhig und seine Bewegungen sind vielleicht nicht weit ausholend, aber klar definiert. Der Spielmannszug spielt seine Marschmusik und hört auf ihn.

Etwa 150 Gäste, zumeist enge Weggefährten, kommen am Donnerstagabend zum Abschied ihres Bundestagsabgeordneten. Christian Hartmann war darunter, der Chef der CDU-Landtagsfraktion. Er bezeichnete de Maizière "als Diener des Staates im allerbesten Sinn". Wie alle anderen trägt auch Hartmann etwas Persönliches in das Gästebuch ein und unterschreibt auf der Sitzfläche eines Liegestuhls, ein Geschenk der Mitarbeiter. Bei den Mitarbeitern hatte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete nach zwölf Jahren im Parlament bereits mit einem schönen Wochenende in Moritzburg bedankt.

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Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks, ein noch recht junger Politiker, hatte de Maizière in den 90er als Schüler im Gymnasium Klotzsche erlebt, sagt er. Damals sprach er vor der Klasse, vermutlich über Europa. Dierks wusste als 14-Jähriger gar nicht so richtig, in welcher Partei de Maizière eigentlich war. Auch Jörg Dittrich, der Präsident der Handwerkskammer Dresden, erzählt private Dinge über sein Verhältnis zu de Maizière. Beide sprachen oft über solch große Themen wie Mut, Sachverstand, Dienen und Stolz, aber auch über Liebe und Leidenschaft. Dittrich bat de Maizière einmal um Rat, ob er dem Wunsch seiner Ehefrau nach einem dritten Kind nachkommen solle. Die Antwort war: Ja. Denn, so de Maizière, zwei Kinder finden immer die Hand eines der Eltern. Drei Kinder aber nicht, sie müssen sich selbst helfen. Inzwischen hat Dittrich fünf Kinder.

Seine Arbeit im Meißner Bundestagswahlkreis 155 bezeichnet de Maizière "als sein wichtigstes Mittel der Bodenhaftung". Er lebte als Kanzleramtschef, Verteidigungsminister und Innenminister in der Blase Berlin, wo es auch eine eigene Sprache gibt. Es war für ihn sehr wichtig, mit normalen Menschen normal zu sprechen. Ihn schmerzt, dass er zwei Dinge für die Region in seiner Zeit als Abgeordneter nicht geschafft hat. Der dritte Bauabschnitt der B 169 in Richtung Autobahn ist nicht gelungen. Die Straße endet in einer Wiese. Immer noch. Zudem ärgert ihn, der noch nicht begonnene Neubau des Karl-May-Museums in Radebeul, obwohl er viel Geld für das Projekt besorgt habe.

Dreiseithof Gröditz: Verabschiedung von Thomas de Maizière, hier mit seiner Frau Martina. Rechts Christian Hartmann, Chef der CDU-Landtagsfraktion.
Dreiseithof Gröditz: Verabschiedung von Thomas de Maizière, hier mit seiner Frau Martina. Rechts Christian Hartmann, Chef der CDU-Landtagsfraktion. © Klaus-Dieter Brühl
Ein altes Wahlplakat: Zwischen diesen beiden de Maiziers liegen zwölf Jahre.
Ein altes Wahlplakat: Zwischen diesen beiden de Maiziers liegen zwölf Jahre. © Klaus-Dieter Brühl

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De Maizière erinnerte auch an schwierige Zeiten im Landkreis, den Abriss von Röderau-Süd nach der Flut 2002 beispielsweise oder die Zerstörungen durch den Tornado 2010 in Großenhain oder die Flüchtlingskrise. Das werde er in tiefer Erinnerung behalten. Schöne Sachen nannte er auch noch. Die Eröffnung der Weinfeste in Radebeul und Meißen nacheinander gemeinsam mit der Weinkönigin per Schnellboot auf der Elbe, viele Betriebsbesichtigungen wie im Stahlwerk Riesa und bei Frosta Lommatzsch. Am Ende erwähnte de Maizière einige seiner engsten Weggefährten namentlich. Den ehemaligen Großenhainer Oberbürgermeister Burkhard Müller beispielsweise, der ihm den Anstoß für die Abgeordneten-Kandidatur gab. Auch den - anwesenden - ehemaligen Landrat Arndt Steinbach nannte er. Er sei immer kritisch gewesen, voller Kraft und Selbstbewusstsein. Aber am Ende habe er akzeptiert, wenn etwas nicht geht. Den größten Beifall bekam seine Wahlkreis-Büroleiterin Monika Rautschek, die von Anfang an dabei war, streng und sparsam, voller Elan.

Jetzt ist die Zeit als Abgeordneter vorbei. Am 26. September wird neu gewählt. De Maizière hofft, dass Sebastian Fischer als sein Nachfolger gewinnt. Ein Mann, der so ganz anders ist als er. Aber das ist auch gut so.

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