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Überraschung bei Radeberger Briefwahl

In den Wahllokalen machte Andreas Harlaß (AfD) das Rennen. Per Brief gab es die meiste Zustimmung aber für einen anderen Politiker. Eine Analyse zur Bundestagswahl.

CDU-Direktkandidat Lars Rohwer lächelte in Radeberg von dutzenden Plakaten. Mehrheitlich stimmten die Radeberger allerdings für Andreas Harlaß von der AfD.
CDU-Direktkandidat Lars Rohwer lächelte in Radeberg von dutzenden Plakaten. Mehrheitlich stimmten die Radeberger allerdings für Andreas Harlaß von der AfD. © Matthias Rietschel

Radeberg. Da ist im Rödertal einiges durcheinandergeraten: Zwei Parteien stürzen ab und ein Totgesagter kommt zurück. So kann sich die SPD in Radeberg im Vergleich der Parteien gleich um zwei Plätze nach vorne schieben. Bei der Bundestagswahl von vor vier Jahren noch hinter AfD, CDU und Linken auf dem vierten Rang, klettern die Sozialdemokraten nach oben und werden Vizemeister. Den Linken, 2017 in Radeberg noch auf dem dritten Platz, geht die Puste aus. Sie rutschen auf Platz fünf.

Besonders bitter wurde der Wahltag für die CDU. Für die Partei schlägt ein Minus von fast zehn Prozent zu Buche. Abgerutscht von rund 26 auf gut 16 Prozent. Geht es nach den Wählern in Radeberg, Wachau, Arnsdorf und Ottendorf wäre ganz klar AfD-Kandidat Andreas Harlaß als Direktkandidat in den Bundestag eingezogen. Schon nach der Auszählung der ersten Wahlbezirke in Radeberg übernahm er die Führung und gab sie dann nicht mehr her. 25,36 Prozent der Radeberger gaben ihm ihre Stimme.

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Auf Platz zwei kam in Radeberg mit einigem Abstand Lars Rohwer (CDU) mit 20,28 Prozent. Dicht folgt ihm der SPD-Kandidat Stephan Schumann mit 17,06 Prozent und FDP-Kandidatin Silke Müller mit 12,87 Prozent. Die Grünen-Kandidatin Merle Spellerberg kommt in Radeberg nur auf 5,17 Prozent. Nicht ganz so deutlich fallen die Unterschiede in den umliegenden Gemeinden aus. In Arnsdorf kommt der AfD-Kandidat auf 27,2 Prozent, Lars Rohwer auf 22,8 Prozent. In Ottendorf holt Harlaß 26,4 Prozent, Rohwer 21,0 Prozent.

Am späten Sonntagabend rückte Ottendorf-Okrilla in den Mittelpunkt des Interesses im Wahlkreis Dresden II - Bautzen II. Die meisten Kommunen waren ausgezählt. Harlaß lag zu dieser Zeit vor Rohwer. Konnte Ottendorf hier einen Wechsel herbeiführen? Spät am Abend war dann klar: ein hauchdünner Vorsprung von nur 39 Stimmen für Rohwer. Erstaunlich ist das Wahlverhalten der Briefwähler in Radeberg. Während in allen Wahllokalen der Stadt Andreas Harlaß siegte, votierten die Briefwähler mehrheitlich für Lars Rohwer. In einem Briefwahlbezirk lag Stephan Schumann (SPD) vorn.

Radeberg: Freude bei OB Lemm über das gute SPD-Ergebnis

Freude und Sorge – das hat die Wahl bei Radebergs Oberbürgermeister Gerhard Lemm ausgelöst, wie er sagt. „Natürlich ist es grandios, wie meine Partei zugelegt hat und jetzt den nächsten Kanzler stellen wird“, sagt der SPD-Politiker. „Wir wurden belächelt, als wir damals Olaf Scholz nominiert haben und jetzt dieses Ergebnis.“

Der Grund für das gute Ergebnis liegt nach OB Lemms Einschätzung in den Qualitäten von Scholz. „Weder Laschet noch Annalena Baerbock bringen diese Qualifikation mit. Olaf Scholz war Ministerpräsident, ist derzeit Minister eines wichtigen Ressorts und ist Vizekanzler. Mehr geht fast nicht. Das und natürlich wichtige Themen, die wir angesprochen haben wie Mietendeckel oder Mindestlohn haben der SPD geholfen.“

Sorge bereitet ihm das hohe Ergebnis der AfD. „Die Partei hat, was die Zahlen betrifft, eine gewisse Stabilität erlangt, auch wenn sie im Vergleich mit vor vier Jahren leicht verloren hat. Für ihre Wähler spielt sicher das Ost-West-Gefälle eine Rolle, das sie nicht länger hinnehmen wollen.“ Direkte Auswirkungen auf die Politik in Radeberg werde das Wahlergebnis kaum haben, sagt Lemm. „Als SPD-Politiker werde ich aber sicher bessere Kontakte bekommen, wenn jetzt einige Minister in Berlin mit SPD-Politikern besetzt werden. Mit Kathrin Michel wurde die Vorsitzende des Kreisverbandes Bautzen in den Bundestag gewählt. Das hilft sicher auch, das eine oder andere Thema in Berlin anzubringen.“

Arnsdorf: Bürgermeister lobt hohe Wahlbeteiligung

Frank Eisold, Bürgermeister in Arnsdorf, hebt die hohe Wahlbeteiligung in seiner Gemeinde hervor. „Es ist generell gut, wenn viele bei einer Wahl ihre Stimme abgeben. Auch wenn ich mir für meine Partei ein besseres Ergebnis gewünscht hätte“, sagt der CDU-Politiker. Allerdings würden sich die Ergebnisse der Bundestagswahl nicht auf Landtagswahlen oder gar Kommunalwahlen übertragen. „Dabei wird anders abgestimmt. Gerade Bürgermeisterwahlen sind eher Personenwahlen.“

Ottendorf: Großgemeinde ist sichere Bank für die FDP

Auch diese Wahl zeigt: Die FDP hat in Ottendorf-Okrilla eine große Stammwählerschaft. 15,8 Prozent votierten für die Liberalen. In keiner anderen Gemeinde im Rödertal kommt diese Partei auf einen so hohen Wert. In Wachau erreichen sie 12,7 Prozent, in Arnsdorf 14,8 Prozent und in Radeberg 14,2 Prozent. Die breite liberale Basis zeigt sich auch an der Zustimmung für Direktkandidatin Silke Müller. In Ottendorf erreicht sie einen Wert von glatt 14 Prozent, in allen anderen Rödertalgemeinden liegt sie darunter.

Wachau: AfD fährt in der Gemeinde den höchsten Sieg ein

Wachau bleibt AfD-Hochburg im Rödertal. In keiner anderen Gemeinde erzielt die Partei so hohe Werte. 34,8 Prozent der Zweitstimmen kann sie einsammeln, ihr Direktkandidat Andreas Harlaß liegt bei 34,5 Prozent. Das schlechteste Ergebnis erzielen die Blauen in Radeberg mit 26,4 Prozent bei den Zweitstimmen. In Ottendorf landen sie bei 27,9 und in Arnsdorf bei 29,9 Prozent.

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Erfreulich ist die hohe Wahlbeteiligung in allen Rödertalgemeinden. Das zeigt: Den Einwohnern ist es wichtig, wer im Bundestag sitzt. In Radeberg sind 76,8 Prozent der Wahlberechtigten in die Wahllokale gegangen. Ein hoher Wert, von den Rödertalgemeinden dennoch der niedrigste. Arnsdorf kommt auf 77,5, Ottendorf auf 82,2 und Wachau sogar auf 85,6 Prozent.

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