merken
PLUS Politik

Können die Linken in Leipzig erneut das Mandat holen?

2017 holte Sören Pellmann bundesweit das einzige Bundestags-Direktmandat für die Linke außerhalb Berlins. Ob der Wahlerfolg wieder gelingt, ist unklar.

In Leipzig konnte die Linke 2017 ein Direktmandat holen - das einzige außerhalb Berlins.
In Leipzig konnte die Linke 2017 ein Direktmandat holen - das einzige außerhalb Berlins. © dpa/Jan Woitas

Im September 2017 setzt der Linken-Politiker Sören Pellmann ein bundesweites Ausrufezeichen: Der Grundschullehrer holt für seine Partei im Leipziger Süden das einzige Direktmandat in den ostdeutschen Bundesländern und das erste für Sachen – ein neuer roter Fleck auf der Polit-Landkarte. Solch ein Erfolg war sonst nur Urgesteinen der sozialistischen Partei wie Gregor, Gysi, Petra Pau und Gesine Lötzsch in Ostberlin gelungen.

Mit einem knappen Vorsprung von 1.170 Stimmen hatte Pellmann den CDU-Abgeordneten Thomas Feist aus dem Berliner Parlament geworfen. Doch ob Pellmann eine Wiederholung seines Erfolgs gelingt, gehört zu den spannenden Fragen der Bundestagswahl am Sonntag. Laut dem vagen Trend von wahlkreisprognose.de gilt das umkämpfte Leipziger Terrain als „Too-close-to-call“: alles offen, alles noch drin. Keiner der Bewerberinnen und Bewerber habe einen Vorsprung von mehr als drei Prozentpunkten. Das Portal election.de sieht das ähnlich – und sagt dem roten Wackelkandidaten eine Sieg-Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent voraus.

Anzeige
Nager, die in kein Schema passen
Nager, die in kein Schema passen

Die Großen Maras haben gerade wieder Nachwuchs bekommen - und erhielten bei der Wahl zum Tier des Monats Oktober die meisten Stimmen.

Sören Pellmann (Die Linke) spricht während der 90. Sitzung des Bundestages
Sören Pellmann (Die Linke) spricht während der 90. Sitzung des Bundestages © Soeren Stache/dpa

Das liegt auch an den Besonderheiten dieses Wahlkreises: Während in Außenbezirken und an den Stadträndern wie in Probstheida, Liebertwolkwitz, Holzhausen und Hartmannsdorf die CDU dominiert, gehört zum Terrain ebenso der linksalternative Stadtteil Connewitz. Dort holte zuletzt 2019 auch die Linken-Landtagsabgeordnete Jule Nagel ihr Direktmandat für den Landtag. Wichtig sind ebenso die rot-grün geprägten Stadtteile Südvorstadt, Schleußig und Reudnitz.

32 Angriffe auf das Büro

Sören Pellmann holte einen Gutteil seiner Stimmen zudem in der bevölkerungsreichen Plattenbausiedlung Grünau. Für das Revier war schon Pellmanns Vater, der Sozialpolitiker Dietmar Pellmann, 15 Jahre lang eine wichtige Stimme im Landtag. Die Linke ist in diesen Stadtvierteln traditionell breit aufgestellt – und auch in diesen Wochen prägen knallrote Wahlplakate der Linken mit Sören Pellmanns Konterfei die Straßen. Doch das macht ihn auch zur Zielscheibe: Sein Wahlkreisbüro in Grünau, erzählt Pellmann, sei binnen vier Jahren 32 Mal angegriffen worden, auch sein Auto wurde angezündet.

Doch der Wahlkreis-Inhaber sieht sich dieses Jahr mehreren jungen Frauen als Herausforderinnen gegenüber – allen voran Paula Piechotta: Die Radiologin an der Uniklinik Leipzig ist als Spitzenkandidatin der sächsischen Grünen täglich präsent in Medien, auf Veranstaltungen und Podien. Sie dürfte über die Landesliste auf jeden Fall im neuen Bundestag vertreten sein. „Hauptsache nicht noch einmal Groko“ lautet ihr Credo, und sie hofft dabei auf zusätzlichen Rückenwind aus dem Wahlkreis. SPD-Kandidatin Nadja Sthamer ist zwar noch nicht so bekannt, hat aber im Fahrwasser von Kanzlerkandidat Olaf Scholz und mit einem Listenplatz 6 ebenfalls gute Aussichten auf den Bundestag.

Die lachende Vierte?

Der CDU-Stadträtin und Intensiv-Krankenschwester Jessica Heller werden indes ähnlich Chancen zugerechnet wie der Grünen- und der SPD-Kandidatin. Auf anonymen Hauswurfsendungen aus dem linken Lager wird daher dazu aufgerufen, mit der Erststimme auf jeden Fall Sören Pellmann zu wählen, wenn man die CDU in seinem Wahlkreis verhindern wolle. „Verschenken Sie Ihre Stimme daher nicht, in dem Sie chancenlose Kandidierende wählen“, heißt es auf den Flyern.

Anders gerechnet bedeutet der Appell: Sollte das rot-rot-grüne Lager von Connewitz bis Grünau die Stimmen auf alle drei Kandidatinnen und Kandidaten verteilen, könnte am Wahlabend Jessica Heller für die CDU die lachende Vierte sein. Sören Pellmann wäre aber voraussichtlich trotzdem im Bundestag, wenn die Linke den Sprung über die Fünfprozent-Hürde schafft. Er ist die Nummer 2 der Landesliste. Der AfD-Direktkandidat und Parteivize Siegbert Droese ist in dem Umfeld eher chancenlos.

Weiterführende Artikel

Koalitionsverhandlungen beginnen am Donnerstag

Koalitionsverhandlungen beginnen am Donnerstag

Bärbel Bas soll Bundestagspräsidentin werden, nach Hungerstreik Treffen von Klimaaktivisten und Scholz- unser Newsblog nach der Wahl.

Alles, was Sie rund ums Wählen wissen müssen

Alles, was Sie rund ums Wählen wissen müssen

Am Sonntag wird der neue Bundestag gewählt. Sächsische.de gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragen zum Ablauf der Wahl.

Offen ist indessen auch die Lage im zweiten Leipziger Wahlkreis: Dort könnte der Leipziger SPD-Chef und Landtagsabgeordnete Holger Mann dem CDU-Platzhirsch, dem früheren Radrenn-Weltmeister Jens Lehmann gefährlich werden. In dem Fall ginge für Sachsens CDU ein weiteres Direktmandat verloren. Der Wahlabend in Leipzig dürfte daher aus Dresden mit wachen Augen verfolgt werden.

Mehr zum Thema Politik