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Wahlkampf unter Corona-Bedingungen

Geplatzte Veranstaltungen, kein Haustürwahlkampf und strapazierte Nerven: Einblicke in einen ganz besonders auszehrenden Wahlkampf.

Bianca Wunderwald am Rande einer Wahlkampfveranstaltung der CDU im Biergarten am Boselblick. Zu Gast war der Ministerpräsident. Um solche Veranstaltungen auch in diesem Jahr möglich zu machen, war Spontanität gefragt.
Bianca Wunderwald am Rande einer Wahlkampfveranstaltung der CDU im Biergarten am Boselblick. Zu Gast war der Ministerpräsident. Um solche Veranstaltungen auch in diesem Jahr möglich zu machen, war Spontanität gefragt. © Claudia Hübschmann

Meißen. Hinter den Kandidaten und ihren Unterstützern liegen auszehrende Wochen. Zum gewohnten Wahlkampfstress kam durch die Pandemie Unsicherheit und zusätzlicher Planungsaufwand hinzu.

Bianca Wunderwald, Wahlkampforganisatorin der CDU, hatte in diesem Jahr schon mit den Vorbereitungen begonnen, da stand ihr Kandidat noch gar nicht fest. "Uns war klar, dass Thomas de Maizière nicht mehr zu Wahl steht und es da eine große Lücke zu füllen gibt." Mit der Normierung von Sebastian Fischer im März konnte die Kampagne weiter zugeschnitten werden.

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Aufgrund der Pandemie gab es dabei gleich drei Knackpunkte: "Zum einen, die Planung und Durchführung von Veranstaltungen - niemand wusste, wann es losgehen kann - und letztlich Corona: als alles überscheinendes Thema", berichtet die 42-Jährige. "Denn Corona hat sich nicht nur auf alle Lebensbereiche ausgewirkt, sondern auch wirklich jeden betroffen." Kein anderes Thema ist bei den Wahlkampfständen öfter zur Sprache gekommen.

Beschimpft wie nie

Eyk Schade kämpft seit über 30 Jahren für die SPD. Seither habe sich das Gesprächsklima deutlich verschlechtert. Nicht nur in den Sozialen Netzwerken.
Eyk Schade kämpft seit über 30 Jahren für die SPD. Seither habe sich das Gesprächsklima deutlich verschlechtert. Nicht nur in den Sozialen Netzwerken. © Claudia Hübschmann

Das war nicht die einzige Veränderung: "Die Wähler werden viel seltener selbst aktiv. Nicht nur bei unserer Partei: In Klipphausen bei der Bürgersprechstunde mussten wir feststellen, dass bei uns genauso viele Bürger da waren wie bei der CDU: nämlich null. Stattdessen wird aus der Anonymität heraus - in den Sozialen Medien - Stimmung gemacht."

Wunderwald, noch frisch im Wahlkampfgeschäft, nimmt es leicht: "Natürlich muss ich damit leben, dass nicht jeder mit uns reden möchte. Das ist dann nicht persönlich gemeint. Die möchten einfach nicht mit der CDU sprechen." Auf der Straße hat sie das Diskussionsklima deutlich entspannter erlebt, als im Netz – da sei die ganze Aggressivität draußen gewesen: "Bei Social Media kann sich jeder der Diskussion entziehen. Sich im persönlichen Gespräch umzudrehen und gehen - das muss man erst mal drauf haben." In diesem Wahlkampf sei besonders auffällig gewesen, dass viele Passanten gar nicht wussten, wen sie wählen sollten. "Das zeigt sich auch darin, dass ganz viele Briefwahlunterlagen rausgegangen sind, aber bisher ganz wenige zurückgekommen."

Straßenwahlkampf per App

Für die SPD seien viele Veranstaltungen aufgrund der Pandemie geplatzt: "Corona hat vieles im Wahlkampf ausgebremst: Jetzt ein Straßenfest zu veranstalten ist schon aufgrund der Planungsunsicherheit schwierig - prominente Politiker einzuladen und dann kurzfristig abzusagen, wäre peinlich", bedauert Schade.

Die CDU koordiniert ihren Straßenwahlkampf schon seit dem letzten Jahr über eine App, im Corona-Wahljahr wurde das Angebot weiter ausgebaut. Zum Beispiel um die Wahlkämpfer zu schulen - damit am Stand auch alle das Gleiche erzählen: "Tatsächlich wurde die App auch genutzt, um sich gegenseitig Mut zu machen. Gerade die letzten Wochen waren für die CDU nicht einfach, da hilft es, sich über die Probleme mit anderen Verbänden auszutauschen."

Haustürwahlkampf war dieses Jahr für beide Parteien unmöglich. Allerdings hatte Schade bereits zur Kommunalwahl ernüchternde Erfahrungen gemacht: "Der Großteil hat zwar Infomaterial entgegengenommen, ein paar haben auch Gespräche geführt, aber es gab auch viel Ablehnung. Nach dem Motto: Mit Politik wollen wir nichts zu tun haben", berichtet Schade. Das sei zwar schon immer so gewesen, hätte sich aber verstärkt.

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Gerade wenn es ums Thema Corona geht, hat sich Schade viel anhören müssen. Von Positionen, die so weit gehen, dass unter einem Kaiser alles besser gewesen sei: "Der Kaiser Wilhelm hat die Impfpflicht eingeführt, bei Strafen mit Gefängnis. Da durfte keiner auf die Straße." Für den nächsten Wahlkampf wünscht sich Schade wieder mehr Besonnenheit, um sich wieder im positiven Sinne zu streiten, damit man sich auf der Straße wieder über Sachthemen unterhalten kann, und nicht nur über persönliche Verfehlungen.

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