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Wahlkampf: Warum die CDU nicht vom Fleck kommt

Jeder Patzer wird ausgeschlachtet – im Netz zieht Unionskandidat Armin Laschet viel Häme auf sich. Die Konkurrenz will davon profitieren.

Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union, ist in seinem Wahlkampfbus unterwegs.
Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union, ist in seinem Wahlkampfbus unterwegs. © dpa

Von Paul Starzmann

Es sind für alle anstrengende Tage. Wahlkampf ist in der Regel nicht nur ein Wettbewerb der Parteien, sondern auch für alle drum herum: für Werbeagenturen, Medien und Umfrageinstitute. Sie alle stehen in solchen Zeiten in besonderer Konkurrenz zueinander. Wer hat den neuesten Trend erkannt? Wer weiß mehr als die anderen?

Am vergangenen Wochenende machten die Meinungsforscher von Insa das Rennen um die neueste Top-Meldung. In ihrem wöchentlichen Sonntagstrend rutscht die Union auf 22 Prozent und liegt damit gleichauf mit den Sozialdemokraten – das erste Mal seit mehr als drei Jahren. Die Grünen kommen auf 17 Prozent, die FDP auf 13 Prozent, die AfD auf zwölf und die Linke auf sieben Prozent.

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Der steile Abwärtstrend der Union ist an sich schon bemerkenswert. Dass ausgerechnet Insa diese Zahlen veröffentlicht, dürfte viele in der Union zusätzlich beunruhigen. Denn in den Auswertungen des Erfurter Instituts stand die CDU traditionell immer stärker da als der Rest.

Starke Zweifel beim Wunschpartner FDP

Doch diese Zeiten sind offenbar vorbei. Statt durch die gewohnte Stärke fällt die Union fünf Wochen vor der Bundestagswahl vor allem durch Schwäche auf – nicht nur in den Umfragen, auch ihr Kanzlerkandidat Armin Laschet scheint partout nicht in Schwung zu kommen. Das ruft inzwischen sogar Konkurrenten auf den Angriffsplan, die es bislang eher gut gemeint hatten mit dem CDU-Vorsitzenden und seiner Partei.

So wirft FDP-Chef Christian Lindner seinem Duzfreund Laschet mangelnde Durchsetzungskraft vor. „Die letzten Wochen haben die Zweifel verstärkt, ob Armin Laschet die Führungskraft hat, die Anliegen der Grünen nach Umverteilung, Bevormundung und Subventionierung zurückzuweisen“, sagte Lindner der „Bild am Sonntag“. „Da die CDU inhaltlich nichts bietet, stehen wir allein für wirtschaftliche Vernunft.“ Es ist ein gängiger Vorwurf der FDP: Die Union habe sich längst auf Schwarz-Grün eingestellt, nur die Liberalen könnten so ein Bündnis noch verhindern.

FDP-Chef Christian Lindner wirft Armin Laschet mangelnde Durchsetzungskraft vor.
FDP-Chef Christian Lindner wirft Armin Laschet mangelnde Durchsetzungskraft vor. © dpa

Der Angriff des FDP-Chefs ist einerseits der Versuch, von der Schwäche der Union zu profitieren – über ein Angebot an CDU-Wählerinnen und -Wähler, die von Laschets Schwäche enttäuscht sind. Kommt zu uns, so lässt sich Lindners Aussage übersetzen.

Es ist aber auch eine Revanche für eine Attacke der CDU aus der vergangenen Woche, als Laschet und andere Unionsleute vor der „Ampel“ warnten – einer Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Keiner wisse, ob die Liberalen am Schluss nicht mit SPD und Grünen zusammengingen, betonte etwa CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak. Die Freidemokraten wiesen das umgehend zurück. Die Ampel-Warnungen seien nicht mehr als eine „Panik“-Rekation der CDU auf die miesen Umfragewerte, heiß es.

„Keine linken Experimente“

In der Union glaubt man allerdings, bei den Liberalen einen „einen wunden Punkt getroffen“ zu haben, wie Ziemiak dem Tagesspiegel sagte. „Viele Wählerinnen und Wähler, die jetzt noch schwanken, wollen, dass die Union die Regierung führt: Sie wollen keine linken Experimente.“ Lindner könne „diese Diskussion ganz einfach auflösen. Er kann eine solche linke Regierungskoalition mit Stimmen der FDP einfach ausschließen.“

Es ist der Versuch, enttäuschte CDU-Wählerinnen und -Wähler von einem Wechsel zur FDP abzuhalten. Die Warnung vor „linken Experimenten“ ist eine Bitte an die eigene Anhängerschaft: Bleibt bei uns!

Die Liberalen denken allerdings nicht daran, sich von der Union zu irgendetwas treiben zu lassen. Warum auch? Während die CDU im Umfragetief festsitzt, sind die Freidemokraten stabil zweistellig. Die Ampel ausschließen will man in der FDP bislang nicht.

Auch Youtuber Rezo steigt in die Jagd ein

Für die Liberalen, das gehört allerdings auch dazu, ist das Tief der Union nicht nur ein Grund zur Freude. Lindner betonte bis vor kurzem, dass Laschet „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ der nächste Bundeskanzler werde. In Nordrhein-Westfalen regiert die FDP als Laschets Juniorpartner – zu beidseitiger Zufriedenheit.

Das im Bund fortzusetzen, darauf hatten sich viele Liberale schon gefreut. Ob sie sich diesen Wunsch auch erfüllen können, scheint mit dem aktuellen Umfragepatt zwischen Union und Sozialdemokraten aber nicht mehr so sicher. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz steht mit Zustimmungswerten von 34 Prozent im Personen-Ranking von Insa deutlich besser da als Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock (13 Prozent) und Laschet (12 Prozent).

Bei CDU und CSU betrachtet man die Entwicklung mit zunehmender Sorge, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Eher umgekehrt: Im Netz reißt die Häme über Laschet nicht ab, jeder Patzer wird von seinen Gegnerinnen und Gegnern genüsslich ausgeschlachtet. Zuletzt stieg auch der YouTuber Rezo mit einem Video in die Online-Jagd auf Laschet ein, den er als „krass unauthentisch“ brandmarkte.

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Der halbstündige Film ist gespickt mit Vorwürfen gegen die Union und trägt den Titel „Zerstörung“ – in Anlehnung an das gleichnamige Video, mit dem Rezo 2019 gegen die CDU mobilmachte und dafür bis heute 18 Millionen Klicks einsammelte. Das Video hatte die Union damals kalt erwischt – ihre Verteidigungsversuche und Gegendarstellungen zogen nur noch mehr Spott auf sich. Den Fehler will man offenbar nicht wiederholen. Das aktuelle Rezo-Video beließ man in der Union bislang unkommentiert.

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