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"Weg vom Schubladendenken!"

Die SZ befragt Dresdner vor der Bundestagswahl, welche Probleme sie sehen und was sie von der Politik erwarten. Heute: Unternehmer Wolle Förster.

Wolle Förster mit seinem Hund am Elbufer unterhalb des Brauhaus Watzke.
Wolle Förster mit seinem Hund am Elbufer unterhalb des Brauhaus Watzke. © Sven Ellger

Dresden. Hier haben die Dresdner das Wort: Wenige Wochen vor der Bundestagswahl möchte die SZ in einem für alle gleichen Fragenkatalog wissen, wo der Schuh drückt - in Deutschland, in Dresden, im jeweiligen Stadtteil. Die Befragten antworten und sagen, was sie sich von den Politikern, die ihre Stadt im Bundestag vertreten, erwarten.

Wolfgang "Wolle" Förster ist Unternehmer, ihm gehören unter anderem die Sushi-Restaurants von "Sushi und Wein" und die Nachtbar Klax.

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Wo sehen Sie aktuell die größten Probleme in Deutschland?

Generell sollten die Aufgaben zwischen Parlament und staatlichen Behörden besser verteilt werden. Ich habe manchmal den Eindruck, die Regierung arbeitet nicht für das Volk, sondern fürs Parlament und deren tragende Fraktionen. Dazu kommt eine unglaublich aufgeblasene Bürokratie. Und nach meinem Gefühl haben die politischen Entscheider mehr Interesse an der Wählergunst als daran, wirklich Entscheidungen zu treffen. Statt problemorientiert nach Lösungen zu suchen, geht es bei vielen nur um Selbstdarstellung.

Wo sehen Sie aktuell die drängendsten Probleme in Dresden?

Der Stadtrat sollte endlich die ideologischen Grabenkämpfe aufgeben und sich einer strategischen Stadtentwicklung gemeinsam mit dem Bürger widmen. Und die Stadtverwaltung sollte sich als Dienstleister für den Bürger begreifen und nicht als „Erzieher“.

Wo sind die Probleme in Ihrem Kiez?

Mein Unternehmen sitzt in Pieschen, und was mir auffällt, ist der Mangel an staatlicher Autorität. Etwas weniger an Gesetzen, Verordnungen und Regelungen und dafür eine konsequentere Durchsetzung durch die staatlichen Behörden wäre für das Gemeinwohl dienlicher.

Was muss sich ändern?

Schluss mit der unglaublichen Bürokratie, die bei vielen Berufsgruppen vom Arzt bis zum Gastwirt so viel Zeit bindet und zu Selbstblockaden führt. Wenn wir diese Zeitreserven freisetzen würden – was hätten wir für Energie für innovative Projekte für die Zukunft.

Was sollten Politiker dafür tun bzw. ändern?

Bei jedem bürokratischen Akt – ob auf lokaler oder europäischer Ebene – sollten sich die Verantwortlichen die Frage stellen: Macht das Sinn oder geht es nur darum, die Verwaltung zu beschäftigen? Viele denken nur an heute, statt transparente Konzepte für die Zukunft vorzustellen.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder/die künftigen Generationen?

Viel Toleranz und weg vom Schubladendenken! Ich wünsche mir eine Welt, in der kulturelle, konfessionelle, sexuelle und intellektuelle Unterschiede keine Rolle spielen. Eine Zukunft, die von allen gemeinsam entwickelt wird.

Wenn Sie 100.000 Euro verteilen dürften in Dresden. Was würden Sie damit tun?

Das Geld würde ich komplett in Bildung investieren – von der frühkindlichen Entwicklung bis zur Förderung von Menschen im Seniorenalter.

Corona hat viel verändert. Welches Problem ist Ihnen bewusst geworden und was wünschen Sie sich von Dresdner Bundestagsabgeordneten, um es lösen zu können?

Die Politik hat es versäumt, Frühwarnsysteme zu entwickeln und ehrlich mit dem Bürger zu kommunizieren. Einige Maßnahmen wurden autoritär-diktatorisch angeordnet, anstatt darüber aufzuklären. Versäumnisse und Fehler werden bis heute lavierend umschifft, anstatt sie klar zu analysieren. Wer ist verantwortlich? Wer übernimmt die Verantwortung? Das will offenbar niemand wissen, wird aber auch von den Medien nicht eingefordert.

Bisher sind in der Serie erschienen:

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