merken
PLUS Politik

„Wenn Laschet nicht Kandidat wird, ist er sehr beschädigt“

Laschets Umfragewerte sind katastrophal. Wird er nicht Kanzlerkandidat, ist er dann noch als CDU-Chef zu halten? Politologin Ursula Münch erklärt die Folgen.

Armin Laschet oder Markus Söder: Wen schickt die Union ins Rennen ums Kanzleramt? Bis Ende der Woche haben beide eine Entscheidung angekündigt. Die Spannung wächst.
Armin Laschet oder Markus Söder: Wen schickt die Union ins Rennen ums Kanzleramt? Bis Ende der Woche haben beide eine Entscheidung angekündigt. Die Spannung wächst. © Michael Kappeler/dpa

Ursula Münch ist Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.

Ist Armin Laschet als Kanzlerkandidat bereits irreparabel beschädigt?
Beschädigt ja, irreparabel bin ich mir noch nicht sicher. Das hängt davon ab, wer von den beiden die besseren Nerven hat. Natürlich hat Söder jetzt einen großen Vorteil und Laschet ist in der Defensive und hat die schlechteren Karten. Aber ganz abschreiben würde ich Laschet nicht. Er könnte noch aus der Nummer rauskommen.

Anzeige
Die Städte der Zukunft
Die Städte der Zukunft

In der Veranstaltungsreihe von SLUB und Konrad-Adenauer-Stiftung steht am 20.05.2021 die Zukunft der Stadt im Fokus. Diskutieren Sie mit!

Wie denn?
Er hat das CDU-Präsidium und den Vorstand hinter sich. Was soll die CSU machen, wenn er es selbstbewusst auf einen Machtkampf ankommen lässt? Dieses Szenario wird in der CSU durchaus erwogen.

Laschets Umfragewerte sind aber katastrophal.
Die Umfragen sind katastrophal, aber verschlechtern könnten sie sich für einen Kanzlerkandidaten Söder ab kommende Woche womöglich auch. Die Leute werden von den Medien darauf gestoßen werden, wie er und die CSU mit Laschet und der CDU umgegangen sind, und die Grünen werden ihren Kanzlerkandidaten vorstellen. Da ist viel Dynamik drin.

Wäre Laschet, wenn er als Kanzlerkandidat scheitert, als CDU-Chef und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen noch zu halten?
Wenn er nicht Kandidat wird, wäre er sehr beschädigt. Aber die CDU wird wohl kaum kurz vor der Bundestagswahl noch ihren Parteivorsitzenden zurücktreten lassen. Noch ein größeres Geschenk könnte man den Grünen ja nicht machen. Da halte ich Laschet für zu pflichtbewusst, der schmeißt nicht gleich alles hin. Er würde vermutlich während des Wahlkampfes gute Miene zu bösem Spiel machen. Vielleicht rettet ihn das auch am Ende. Auch als Ministerpräsident wird er erstmal bleiben, auch wenn alle anfangen, an seinem Stuhl rumzusägen.

Die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch in der Akademie für politische Bildung in Tutzing.
Die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch in der Akademie für politische Bildung in Tutzing. © Frank Leonhardt/dpa (Archiv)

Was bedeutet dieser Konkurrenzkampf für die Union?
Dieser wird auch deshalb als Debakel wahrgenommen, weil die Prozesse nicht klar sind. Welche Rolle spielen die Parteigremien und Hierarchien noch? Oder geht es nur noch um Meinungsumfragen? Das stellt die CDU/CSU vor Grundsatzfragen.

Wenn die Union die Zeit zurückdrehen könnte, wie hätte es besser laufen können zwischen den Schwesterparteien?
Laschet war nie der ideale Kandidat und damit von Anfang an ein tendenziell schwacher Vorsitzender. Andere formale Regelungen für diesen Konkurrenzkampf sind schwierig. Wie soll man sowas schon regeln? Mitgliederentscheide haben sich nicht bewährt.

Das Problem liegt hier hauptsächlich im persönlichen Konflikt zwischen den beiden und an Söder als so von sich überzeugter und überzeugend auftretender Gegenkandidat aus Bayern. Er ist raffinierter als Seehofer oder Strauß. Er ist intelligent, schnell und rhetorisch gewandt. Er schafft es, Leute in die Enge zu treiben und sich selbst ein Hintertürchen aufzuhalten. Da ist Laschet meilenweit unterlegen.

Ist die Situation denn mit historischen Ereignissen in der Union zu vergleichen?
1979 mit Strauß gab es auch viel Kraftmeierei. Aber jetzt gibt es diese Kraftmeierei in vergifteten Söder-Charme gekleidet. Und es gibt durch die Relativierung der Parteigremien auch eine populistische Wendung.

Hat sich die Union mit dieser Situation vor der Bundestagswahl selbst ins Aus gespielt?
Die Union könnte es noch schaffen, die öffentliche Darstellung zu einem positiven Wettbewerb zwischen den besten Kandidaten zu drehen. Da ist noch viel offen.

Weiterführende Artikel

Umfrage: Söder weiter deutlich vor Laschet

Umfrage: Söder weiter deutlich vor Laschet

Wer wird Kanzlerkandidat der Union? Auch in neuesten Umfragen bei der Bevölkerung steht CSU-Chef Markus Söder deutlich besser da.

Sachsens CDU-Fraktionschef für Söder

Sachsens CDU-Fraktionschef für Söder

Der sächsische CDU-Politiker Christian Hartmann meldet sich in der Debatte um die K-Frage der Union zu Wort. Es sei Zeit, eine Entscheidung zu treffen.

Merz mahnt CSU in K-Frage zu Zurückhaltung

Merz mahnt CSU in K-Frage zu Zurückhaltung

In der Entscheidung um den Unions-Kanzlerkandidaten hat sich Friedrich Merz zu Wort gemeldet. Er forderte, die CSU solle das Votum für Laschet akzeptieren.

K-Frage: Laschet und Söder sind bereit

K-Frage: Laschet und Söder sind bereit

Bis Pfingsten wollten CDU und CSU den Kanzlerkandidaten bestimmen. Doch so lange werden sie offenbar nicht warten. Auch Sachsens MP drückt aufs Tempo.

Was für Auswirkungen könnten die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt haben?
Für die Union in Ostdeutschland wäre Söder der bessere Kanzlerkandidat. Gerade mit Blick auf die Pandemie und die Flüchtlingspolitik und den Wunsch nach einem handlungsfähigen Staat kann er die Sehnsüchte der Konservativen dort besser befriedigen als Laschet.

Mehr zum Thema Politik