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Weshalb kein Dresdner mehr für die AfD im Bundestag ist

Die AfD ist in beiden Dresdner Wahlkreisen zusammen stärkste Kraft. In den Bundestag zieht für sie aber kein Dresdner ein, auch wenn es knapp war.

Im Wahlkampf vereint wollten Andreas Harlaß und Jens Maier für die AfD in den Bundestag. Daraus wurde nichts.
Im Wahlkampf vereint wollten Andreas Harlaß und Jens Maier für die AfD in den Bundestag. Daraus wurde nichts. © © by Matthias Rietschel

Dresden. "Wir sind traurig, dass kein Dresdner dem neuen Bundestag angehören wird", sagt Dresdens AfD-Chef André Wendt. Gleichwohl sei er froh und stolz, dass die AfD in Sachsen stärkste Kraft sei.

Aber eben ohne Dresdner AfD-Stimme im Bundestag. Vor allem einer werde der künftigen Fraktion fehlen. Wie es dazu kommen konnte, obwohl die AfD in beiden Dresdner Wahlkreisen zusammen die Wahlen nach Zweitstimmen gewonnen hat.

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Für die Bundestagswahlen gibt es zwei Wahlkreise in Dresden, einen im Dresdner Süden und einem in Norden. Im Norden gehören fünf Umland-Gemeinden wie Radeberg dazu. Im Süden scheiterte der bisherige Bundestagskandidat Jens Maier bei rund 180.000 Wählern mit gut 4.000 Stimmen Unterschied bei den Erststimmen an CDU-Kandidat Markus Reichel. Und auch Linke-Kandidatin Katja Kipping lag noch rund 100 Stimmen vor Maier.

Dazu war Maier von seiner Partei mit dem vermeintlich sicheren Platz zwei auf der Landesliste abgesichert worden. Da die AfD zehn von 16 Direktmandaten in Sachsen gewann, das Zweistimmenergebnis aber keine zehn Plätze aus Sachsen für die Partei ergibt, kommt niemand über die Liste in den Bundestag.

Damit ist Maier raus. Eine Anfrage der SZ, wie er das Ergebnis bewertet, was er für die Zukunft beruflich plant, und ob er zurück als Richter nach Dresden will, ließ er unbeantwortet. "Gerade Jens Maier wird fehlen", so Dresdens AfD-Parteichef Wendt. "Er ist ein absoluter Fachmann."

"Es war so knapp, dass ich das gerne nochmal nachzählen lassen möchte"

Andreas Harlaß, der im Dresdner Norden angetreten ist, ereilt ein ähnliches Schicksal. Bei ihm war es noch viel knapper. 39 Stimmen fehlen ihm auf Lars Rohwer (CDU) für das Direktmandat. Auch bei Harlaß zieht die Liste nicht, er war auf Platz fünf.

Er denkt, Kandidaten wie von "Die Basis" und der Rechtsanwalt und Freie-Wähler-Stadtrat Frank Hannig haben ihn Stimmen gekostet. "Ich gratuliere Herrn Rohwer, auch wenn er es nicht verdient hat", so Harlaß. "Ich bin trotzdem stolz auf mich. Aber es war so knapp, dass ich das gerne nochmal nachzählen lassen möchte."

Eine Prüfung der Wahl erfolge, wie immer, erklärt Dresdens Kreiswahlleiter Markus Blocher. "Aber mir ist nicht bekannt, dass man eine Nachzählung beantragen kann." Die rund 40 Mitarbeiter im zuständigen Amt gehen, wie nach jeder Wahl, sämtliche Protokolle der Wahlleiter aus den 558 Wahllokalen durch.

Bereits am Wahlabend werden alle Ergebnisse in ein System gespeist, das sofort erkennen würde, wenn beispielsweise mehr Stimmen als Wahlberechtigte in einem Wahlbezirk gezählt worden wären. "Bisher sind keine Unstimmigkeiten bekannt", so Blocher. "Sollte es welche geben, werden von uns aus Nachzählungen vorgenommen."

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Üblich sei allerdings, dass vor allem bei ungültigen Stimmen nochmal geprüft wird. "Es gibt immer Fälle, die wir nochmal besprechen", erklärt Blocher. Und ja, 39 Stimmen sei sehr knapp, deshalb können die zu bewertenden Stimmen durchaus in diesem Bereich liegen. Am Donnerstag tagt dann der Gemeindewahlausschuss, um das amtliche Endergebnis festzustellen. Besonders strittige Stimmzettel werden dort ebenfalls erneut bewertet. "Danach kann beim Bundeswahlleiter Einspruch gegen das Ergebnis eingelegt werden", so Blocher. Gut möglich, dass dieses Mandat Dresden noch eine Weile beschäftigt.

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