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Wie gefährlich wird Baerbock der Union?

Die Grünen haben entschieden: Annalena Baerbock soll den Bundestagswahlkampf anführen. Was das für die Union bedeuten könnte.

Die Grünen feierten Annalena Baerbock am Montag als neue Kanzlerkandidatin.
Die Grünen feierten Annalena Baerbock am Montag als neue Kanzlerkandidatin. © Kay Nietfeld/dpa

Von Hans Monath

Der CDU-Vorsitzende verband mit seiner Gratulation an die eben ausgerufene Kanzlerkandidatin der Grünen ein Versprechen: Er sage Annalena Baerbock und ihrer Partei einen fairen Wahlkampf zu, erklärte Armin Laschet am Montagmittag vor dem Konrad-Adenauer-Haus und verwies auf die gefährliche Wirkung des polarisierenden Wahlkampfes in den USA. „Das sollten wir uns in Deutschland ersparen“, meinte er. Zu diesem Zeitpunkt war weiter unklar, ob der NRW-Ministerpräsident oder CSU-Chef Markus Söder die Union als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf führen wird.

Über die Brisanz, welche die Entscheidung für Baerbock für sein eigenes Lager bedeutet, verlor Laschet kein Wort. Die besteht nämlich darin, dass die ehemalige Bürgerschreck- und Alternativpartei in einem geordneten Verfahren ohne Indiskretionen und sichtbare Verletzungen ihre Entscheidung traf, während die „bürgerlichen“ Schwesterparteien CDU und CSU öffentlich und chaotisch weiter stritten, wer ihr Kanzlerkandidat sein solle.

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Was bedeutet die Ausrufung der Parteichefin der Grünen zur Kandidatin für die Union? Die Aussichten der Grünen für die Bundestagswahl seien mit ihr „vielleicht ein bisschen besser geworden", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Sie spreche stärker die weiblichen und jungen Wähler an. „Hier könnten die Grünen mit ihr stärker punkten", glaubt der Meinungsforscher.

Könnte im Duell mit Kanzlerkandidatin Baerbock nach Meinung von Experten mit dem Versprechen von Führungsstärke punkten: CSU-Chef Markus Söder.
Könnte im Duell mit Kanzlerkandidatin Baerbock nach Meinung von Experten mit dem Versprechen von Führungsstärke punkten: CSU-Chef Markus Söder. © Peter Kneffel/dpa/Pool/dpa

"Die Grünen strahlen Zuversicht aus"

„Hoch professionell“ hätten die Grünen ihre Entscheidung getroffen, lobt der Ko-Chef der Kommunikationsagentur Richel-Stauss. Die Wahl einer Frau sei aber für die Mobilisierung der eigenen Leute „sicher wichtiger“ als für die Konkurrenz mit der Union. Richel: „Die Grünen strahlen Zuversicht aus, man spürt, dass sie Lust auf den Wahlkampf haben. Das ist der Hauptunterschied zur Union.“

Dass konservative Wähler von der Ausrufung der Grünen-Kandidatin beeindruckt sind, bezweifelt der Kommunikationsexperte. Schließlich würden die Umfragewerte der Union trotz Korruptionsvorwürfen, Maskenaffäre, des Chaos’ rund um die Kandidatur und der Unzufriedenheit mit der Regierung wegen Corona noch zwischen 28 und 31 Prozent liegen, meint Richel. Ein Grund sei, „dass ältere Stammwähler der Union sehr treu sind“.

Bei der Konkurrenz von Grünen und Union spielt womöglich auch eine Rolle, dass viele Bürger sich nach fast 16 Jahren Kanzlerschaft Angela Merkels mit ihrem moderierenden, wenig auftrumpfendem Politikstil wieder eine stärkere politische Führung wünschen – zumal die quälenden Auseinandersetzungen um die richtigen Antworten auf die Pandemie auch als Führungsvakuum wahrgenommen werden.

Auch das sei in der direkten Konfrontation von Söder und Baerbock ein Plus für den CSU-Chef, meint Richel: „Für viele ist Söder mit seinem selbstbewussten Auftreten da eine Projektionsfläche, daraus erklären sich auch seine guten Werte“, auch wenn dieser in der Vergangenheit nicht durch Solidität geglänzt und in seinem letzten Wahlkampf in Bayern zehn Prozentpunkte verloren habe.

Blickte nach der Ausrufung von Annalena Baerbock skeptisch, versprach ihr aber einen fairen Wahlkampf. CDU-Chef Armin Laschet.
Blickte nach der Ausrufung von Annalena Baerbock skeptisch, versprach ihr aber einen fairen Wahlkampf. CDU-Chef Armin Laschet. © Michael Kappeler/dpa

Söder hätte das Potenzial, CDU und CSU als Kanzlerkandidat wieder nach oben zu bringen. „Für Anhänger der Union und der Liberalen ist die Führungsfrage wichtig“, sagt der Agenturmann. In ihren Augen spreche es gegen Annalena Baerbock, dass sie keinerlei Erfahrung in der Exekutive habe: „Die fragen sich: Kann die das wirklich? Das bietet der Union einen guten Angriffspunkt. Das hätten die Grünen natürlich vermieden, wenn sie Habeck gewählt hätten.“

Die Stimmungslage werde im Wahlmonat September eine andere sein als heute, wenn die Corona-Impfkampagne Erfolg habe, sagt Richel voraus. Dann werde die Wirtschaftskompetenz der Union mit der Klimakompetenz der Grünen im Wettbewerb stehen: „Wer Sicherheit sucht, wird die Union wählen. Wer Veränderung sucht, wird die Grünen wählen.“

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Spannend wird auch werden, ob die Grünen erneut erleben müssen, dass sie am Wahltag weniger Prozente erhalten als zuvor in Umfragen. Dann könnten CDU und CSU ihren Vorsprung sogar noch ausbauen. Aber auch das dürfte vor allem davon abhängen, wen die Union zu ihrem Kandidaten macht.

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