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"Kommunalpolitiker müssen mehr Dienstleister sein"

Die SZ befragt Einwohner aus dem Landkreis SOE vor der Bundestagswahl zu ihren Erwartungen. Heute: Yehya Zakri aus Freital.

Yehya Zakri, Sachbearbeiter im Freitaler Rathaus, wünscht sich mehr Angebote für Familien und gegen rechtsextremes Gedankengut.
Yehya Zakri, Sachbearbeiter im Freitaler Rathaus, wünscht sich mehr Angebote für Familien und gegen rechtsextremes Gedankengut. © Egbert Kamprath

1957 in Aleppo in Syrien geboren, kam Yehya Zakri 1984 nach Dresden, studierte an der TU Dresden, gründete eine Familie, blieb in Sachsen und wurde deutscher Staatsbürger. Er arbeitete in Planungsbüros, als Bauleiter und ist seit 2016 Sachbearbeiter in der Stadtverwaltung Freital. Er hat eine 31-jährige Tochter und einen 13-jährigen Sohn.

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Herr Zakri, wo sehen Sie aktuell die größten Probleme in Deutschland?

Im Gesundheitswesen geht es nicht nur darum, schneller Facharzttermine zu bekommen, auch im Pflegebereich muss sich einiges ändern. Noch immer sind Krankenschwestern und Pfleger überlastet. Der Beruf muss attraktiver werden und braucht finanzielle Anreize. Auch wenn darüber schon lange debattiert wird, so ist noch nicht viel passiert. Im Bildungssystem hat sich während der Pandemie gezeigt, dass es zu lange dauert, um auf Ausnahmesituationen reagieren zu können. Rechtsextremismus sehe ich als großes Problem in unserem Land. Nazis sollten besser überwacht und ihre Taten im Keim erstickt werden. Dazu kommt, mehr für Umwelt und Klima zu tun, aber konsequent und nicht wie kürzlich von meinem Sohn erlebt Holzlöffel in Plastetüten auszugeben.

Worin sehen Sie die größten Problem im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge?

Leider sind hier die Rechtsextremisten sehr präsent. Als gebürtiger Syrer habe ich zwar keine Angst und wurde auch noch nicht angepöbelt, aber ich bin vom Bauamt für die Spielplätze verantwortlich. Was ich dort an Schmierereien mit verfassungsfeindlichen Symbolen sehe, ist schlimm.

Entfernt wird das übrigens auf Kosten der Freitaler Steuerzahler. Ich wünsche mir mehr Angebote für Familien. Vielleicht ist das auch ein Rezept gegen rechtsextremes Gedankengut. Zudem finde ich, dass Bildungsangebote nicht immer am Bedarf orientiert sind.

Was wünschen Sie sich in Ihrem Arbeitsort?

Ich möchte, dass Kommunalpolitiker mehr als Dienstleister für die Gemeinde agieren. Eine gute Politik sorgt dafür, dass es einen Interessensausgleich zwischen den Generationen gibt und alle an einem Strang für eine zukunftsfähige Kommune ziehen.

Was sollten Politiker dafür tun?

Sie müssen umsetzbare Vorschläge auf den Tisch legen. Dafür sollten sie mehr mit den Bürgern kommunizieren, um deren Wünsche zu kennen. Politiker dürfen aber nicht um jeden Preis Politik machen. Sie brauchen neben einer passenden Ausbildung Fachkompetenz und Sachverstand.

Sie müssen den jungen Leuten erklären können, wie Demokratie und Politik funktionieren, sie aktiv einbinden und mitentscheiden lassen. Und ich finde, dass Politiker mit über 70 Jahren nicht mehr antreten und Jüngeren Platz machen sollten.

Wenn sie 100.000 Euro im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge verteilen dürften, wofür würden Sie das Geld einsetzten?

Ich würde die gesamte Summe für die Digitalisierung an den Schulen verwenden und dies unter meiner Aufsicht umsetzen lassen.

Corona hat viel verändert. Welches Problem ist Ihnen bewusst geworden, und was wünschen Sie sich von den Bundestagsabgeordneten, um es zu lösen?

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Es ist wichtig, Lösungsvorschläge zu erarbeiten, die für Deutschland passend sind. Es muss besser kontrolliert werden, wem Hilfen zustehen. Der Kampf gegen die Pandemie ist eine gewaltige Aufgabe. Das Virus ist da, und wir alle müssen lernen, damit zu leben. Unseren Alltag dafür zu gestalten und anzupassen, das ist Aufgabe der Abgeordneten. Es reicht nicht, Maßnahmen zu erlassen, wenn sie nicht kontrolliert werden.

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