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Das Böllerverbot ist eine Chance

Silvester ohne Feuerwerk - für viele passt das nicht zusammen. Doch es ist Zeit, die überbordende Knallerei kritisch zu hinterfragen. Ein Kommentar.

Katrin Saft wünscht sich, dass wir die Knallerei endlich hinterfragen - auch wenn es dazugehören mag.
Katrin Saft wünscht sich, dass wir die Knallerei endlich hinterfragen - auch wenn es dazugehören mag. © Thomas Kretschel/SZ

Ich liebe Feuerwerke – den Lichterzauber am Nachthimmel, das Spiel der Farben und Formen. Und trotzdem bin ich froh, dass die Bundesregierung diesmal den Böllerverkauf verboten hat. Nicht allein, weil die Krankenhäuser nicht auch noch mit Knallergeschädigten belastet werden sollen. Sondern weil das, was zuletzt zu Silvester vor allem in den Städten abging, nichts mehr mit dem schönen Brauch zu tun hatte, das neue Jahr zu begrüßen. Wie so vieles in unserer Höher-schneller-weiter-Gesellschaft ist die Knallerei zum Jahreswechsel ausgeufert: immer größer die Batterien, immer lauter die Böller, immer früher der Start der Raketen. Klagen darüber gab es schon lange. Doch weil Pyrotechnik zum Geschäft geworden ist, hätte ohne Corona niemand gewagt, diese Entwicklung zu stoppen.

1.500 Tonnen Feinstaub

Insofern bietet die Pandemie auch die Chance, ernsthaft zu diskutieren: Wollen wir künftig weiter in einer Nacht fast 1.500 Tonnen klima- und gesundheitsgefährdenden Feinstaub in die Luft blasen? Ist es noch spaßig, wenn am Neujahrstag tonnenweise liegengelassener Müll weggeräumt werden muss? Ließen sich die 140 Millionen Euro, die das Spektakel kostet, nicht sinnvoller verwenden?

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Ich hätte mir mehr Mut zu einer bundesweit einheitlichen Regel gewünscht. Verkaufsverbot ja, Böllerverbot vielerorts nein – das klingt wie wasch mich, aber mach mich nicht nass. Und es fördert nicht gerade die Akzeptanz. Nötig ist die Rückkehr zu einem vernünftigen Maß. Dieses Silvester kann der Anfang sein.

Mail an Katrin Saft.

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