merken
PLUS Sachsen

Sachsens Masterplan fürs Studium

Das Land gibt eine halbe Milliarde Euro für seine Hochschulen und stellt ihnen klare Forderungen. Mehr Lehrer, Informatiker und Firmengründungen soll es geben.

Sachsen bleibt bei seinen hohen Studentenzahlen und baut die Hochschulen weiter aus. Hier der zentrale Campus der Technischen Universität Dresden.
Sachsen bleibt bei seinen hohen Studentenzahlen und baut die Hochschulen weiter aus. Hier der zentrale Campus der Technischen Universität Dresden. © euroluftbild.de/Robert Grahn

Dresden. Was für ein ungewohntes Bild. So hat man das Spitzentreffen der sächsischen Hochschulen lange nicht erlebt in den Zeiten der Pandemie. Am Freitag waren sie erstmals alle wieder beisammen, beim Wissenschaftsminister. Die Rektorinnen und Rektoren der 14 staatlichen Hochschulen und Universitäten und dazu die Dekane der beiden medizinischen Fakultäten in Leipzig und Dresden. Es gab Geld, viel Geld. Es gab Aufträge, straffe Aufträge. Für die vier Jahre bis einschließlich 2024 bekommen die Hochschulen 490 Millionen Euro. Das ist mehr als bisher und es sichert den Hochschulen eine langfristige Planung, wie sie in anderen Bundesländern nicht überall gegeben ist.

Zielvereinbarungen nennt sich das, weil nämlich im Gegenzug den Hochschulen vom Wissenschaftsministerium klare Ziele und Aufgaben gesetzt werden. 100.000 Studentinnen und Studenten werde es in Sachsen auch weiterhin geben, sagte Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow. Er ist zufrieden mit den Verträgen. Ob die Hochschulen auch, ist zwar anzunehmen, lauten Applaus gab’s allerdings nicht. „Mit den heute unterzeichneten Zielvereinbarungen wird die Weiterentwicklung der sächsischen Hochschullandschaft bis 2024 konkret“, sagte Gemkow bei der Unterzeichnung der Verträge. „Der Freistaat nimmt dabei wichtige gesellschaftspolitische Herausforderungen der Zukunft in den Blick und gewährt den Hochschulen gleichzeitig ein großes Maß an Flexibilität.“ Was heißt: Das Land gibt das Geld und die Richtung vor.

Anzeige
Campustag digital an der HTW Dresden
Campustag digital an der HTW Dresden

Am 19. Juni kann die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden online besichtigt und mit Studierenden und Professoren geplaudert werden.

Bei aller Freiheit von Forschung und Lehre, es gibt dennoch <vorgaben, damit eben nicht jede Hochschule alles macht. Oder aber genau das aufgibt, was die daneben auch schon aufgegeben hat. Dafür gibt es einen Rahmenplan mit Zielvorgaben vom Land. Die orientieren sich vor allem daran, was Sachsen als Land und Wirtschaft braucht. IT freilich und noch mehr Digitalisierung. Das hat Folgen für die Aufträge ans Studium. Insbesondere die TU Dresden soll bis 2024 ihre Informatikausbildung ausbauen.

Wissenschaft und Studium geschehen langfristig und unabhängig von Wahlperioden. Eine verlässliche Finanzierung von Projekten, die oft über Jahre gehen, ist eine Voraussetzung für Spitzenforschung. Gleiches gilt für neue Studiengänge und solche, die abgewickelt werden sollen. Man schließt eine Ausbildung halt nicht von heute auf morgen. Man baut sie auch nur mühsam wieder auf. In Richtung Langfristigkeit geht eine weitere Forderung des Landes: Wissenschaftlichen Mitarbeitern sollen deutlich bessere Verträge angeboten werden, weg von den Patchwork-Zeitverträgen.

Mehr Mediziner fürs Land

40 Prozent der wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeiter sollen so zum Beispiel an der TU Dresden bis 2024 einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten. Für die Hochschule Zittau/Görlitz gelten 75 Prozent unbefristete Verträge als Zielzahl. Für die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Dresden gilt gleiches. Der Unterschied zur TU ergibt sich aus der deutlich stärkeren Forschung der Universitäten. Gleichzeitig fordert das Wissenschaftsministerium für alle Hochschulen mehr Professorinnen und Frauen in der Führung.

Was das Studium betrifft, so werden die TU Dresden, aber auch die Hochschule für Musik Dresden mehr Ressourcen für die Lehramtsausbildung erhalten. Das Pilotprojekt Medizinstudium der TU Dresden mit 50 Studenten je Jahrgang in Chemnitz bleibt erhalten.

Weiterführende Artikel

Sachsen will Medizin und Lehramt stärken

Sachsen will Medizin und Lehramt stärken

An Sachsens Universitäten sollen mehr Studienplätze in den Bereichen Medizin und Lehramt etabliert werden. Auch ganz neue Studiengänge sind geplant.

Die Gesundheitswissenschaften der TU Dresden werden verstärkt und Psychotherapeuten sollen dort ausgebildet werden. An der Hochschule Zittau/Görlitz werden die Pflegewissenschaften verstärkt. Die drei Kunsthochschulen in Dresden bekommen den klaren Auftrag vom Land, nach Corona mehr für Ausstellungen und Aufführungen in der Region zu tun.

Für die HTW in Dresden wird es noch konkreter: 25 Firmengründungen sollen bis 2024 aus der Hochschule kommen. Außer Absolventen bringt das letztlich neue Jobs für die Region.

Mehr zum Thema Sachsen