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Humanität ist nicht naiv

An der EU-Außengrenze leben Flüchtlinge weiter unter schlechten Bedingungen. Wie Europa diesen Konflikt verdrängt, ist beschämend. Ein Kommentar.

SZ-Redakteur Marcus Thielking kommentiert den Umgang Europas mit den Migranten in den Lagern an den EU-Außengrenzen.
SZ-Redakteur Marcus Thielking kommentiert den Umgang Europas mit den Migranten in den Lagern an den EU-Außengrenzen. © Kemal Softic/AP/dpa

Es sind beschämende Bilder, die an den Feiertagen aus Flüchtlingslagern in Griechenland und Bosnien zu sehen waren: frierende Kinder, undichte Zelte, schlammig überflutete Böden. Und wieder gibt es Streit, wie Europa diesen Menschen helfen kann. Friedrich Merz, der Kanzler werden will, hat zu Beginn des Wahlkampfjahres harte Kante gezeigt: Dass Deutschland weitere Flüchtlinge von dort aufnimmt, lehnt er kategorisch ab.

Natürlich kann man ihm dafür Kaltherzigkeit vorwerfen, wie es die SPD tut. Man kann ihm aber, selbst wenn man seine Haltung nicht teilt, auch dankbar sein – dafür, dass er eine längst überfällige Debatte in Schwung bringt. Beschämend sind nicht nur die Zustände in den Flüchtlingslagern. Beschämend ist auch, wie Europa diesen Konflikt verdrängt.

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Wenn es nur halb so viele nächtliche Krisensitzungen dazu gäbe wie zu Fischereirechten beim Brexit, dann könnte sich die EU nicht nur eine Wirtschafts-, sondern auch eine Wertegemeinschaft nennen. Und wenn für die Nothilfe nur ein Bruchteil der Milliarden flösse wie jetzt für Coronahilfen, dann müssten wir über die Aufnahme von Flüchtlingen vielleicht gar nicht diskutieren.

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Dabei geht es nicht um naive Helferromantik. Menschenrechte und Humanität bilden den Markenkern Europas, gerade in einer Welt, die von China, Russland und den USA dominiert wird. Man muss kein Ökonom sein, um zu wissen, was mit Unternehmen passiert, die ihren Markenkern verlieren.

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