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Warum Solarwatt jetzt die Fabrik in Dresden ausbaut

Armin Froitzheim ist jetzt Technologie-Chef bei Solarwatt in Sachsen. Er war zuvor bei Solarworld. Ein Interview über neue Jobs und neue Chancen für Sonnenstrom.

Der promovierte Physiker Armin Froitzheim ist neuer Geschäftsführer Technologie bei der Solarwatt GmbH in Dresden. Nach Stationen bei Ersol und Bosch Solar leitete er vier Jahre die Zell- und Modulfertigung von Solarworld in Arnstadt, die nun zu ist.
Der promovierte Physiker Armin Froitzheim ist neuer Geschäftsführer Technologie bei der Solarwatt GmbH in Dresden. Nach Stationen bei Ersol und Bosch Solar leitete er vier Jahre die Zell- und Modulfertigung von Solarworld in Arnstadt, die nun zu ist. © Ronald Bonß

Herr Froitzheim, für mich sehen alle Solarmodule gleich aus. Können Sie die aus Dresdner Produktion auf einem Dach erkennen?

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Willkommen im UnbezahlbarLand

Was ist eigentlich das Unbezahlbarland? Warum ist der Landkreis Görlitz Unbezahlbarland? Hier finden Sie alle Infos.

Ja, die Module von Solarwatt erkennen wir auch am Rahmen und an den Zellen, die verbaut sind. Außerdem sind die aktuellen Modelle in Schwarz gehalten.

Wo liegt denn der Vorteil Ihrer Module?

Wenn auf der Rückseite der Fotovoltaik-Module Glas statt Folie verbaut wird, haben sie eine deutlich längere Lebensdauer. Beispielsweise kann weniger Feuchtigkeit eindringen. Sie sind extrem robust, deshalb geben wir auf diese Module auch 30 Jahre Garantie.

Sie sind seit Oktober bei Solarwatt, als Geschäftsführer für Technologie. Woran arbeiten Sie gerade?

Wir arbeiten an einer neuen Fertigungslinie. Darauf wollen wir neue Module mit höherer Leistung herstellen. Außerdem haben wir gerade Module auf den Markt gebracht, die zum Beispiel auf Parkplätzen als Überdachung montiert werden können. Dafür haben wir als erster Hersteller die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung erhalten. Das wird mit zunehmender Elektromobilität immer relevanter.

Werden bald Supermarkt-Parkplätze solar-überdacht?

Ja, auch private und Firmenparkplätze. Wir haben schon im Sommer bei einem Autozulieferer in Bayern ein Parkdeck mit 4.200 Fotovoltaik-Modulen überdacht.

Lässt sich der Wirkungsgrad, also die Stromausbeute der Solaranlagen, noch verbessern?

Bei der Entwicklung von Solarmodulen geht es seit Jahrzehnten um Leistungssteigerung und Kostensenkung. In beiden Punkten sind riesige Fortschritte gemacht worden, beispielsweise konnten die Kosten um 90 Prozent gesenkt werden. Auch wir forschen weiterhin an einer Steigerung des Wirkungsgrads, denn mehr Leistung pro Fläche senkt die Kosten. Darauf achten zum Beispiel Hausbesitzer in den Niederlanden stark, denn dort sind die Häuser in der Regel klein und verfügen somit nur über eine geringe Dachfläche. Wir entwickeln aber auch Module für spezifische Anwendungen. Beispielsweise bieten wir auch In-Dach-Module, die ohne Dachpfannen auskommen. Mit unserer Batterietechnologie und der zugehörigen Software, dem Energiemanager, ist eine optimale Eigenstromnutzung möglich.

Werden solche Zusätze denn schon häufig mitbestellt?

Die Kundennachfrage steigt stetig. Für die Energiewende wird die Sektorenkopplung immer wichtiger – also außer Strom interessieren auch die Sektoren Mobilität und Wärme. Dafür haben wir als Systemanbieter schon jetzt die passenden Lösungen. Beispielsweise dürfen ab 2026 keine neuen Ölheizungen mehr angeschlossen werden.

Was haben Sie davon?

Wasser lässt sich nicht nur mit Öl- oder Gasheizung erwärmen, sondern auch mit einem Heizstab oder über eine Wärmepumpe, die elektrisch über eine Fotovoltaik-Anlage betrieben wird. Ein großer Teil der Wärmeerzeugung wird zukünftig auf Strom umgestellt werden. Und hier kommen wir mit unseren passenden Lösungen ins Spiel.

Wächst Ihr Markt derzeit?

Der Solarmarkt erfährt jetzt eine zweite positive Welle. Wir erfahren Unterstützung auch durch Fridays for Future und den Green Deal der EU. Politisch gewollt sind pro Jahr neue Solaranlagen mit bis zu fünf Gigawatt Leistung in Deutschland, ich rechne eher mit sieben bis zehn Gigawatt.

Ist die Konkurrenz aus China keine Bedrohung mehr?

Doch, aber wir sehen uns sehr gut gewappnet. Wir sind im Premium-Sektor tätig und differenzieren uns vom chinesischen Markt durch unsere langlebigen Module und deren intelligente Verbindung mit anderen Sektoren zu einem ganzen System.

Wer sind Ihre Kunden?

Im Wesentlichen Häuslebauer. Wir haben rund zehn Prozent Marktanteil bei Fotovoltaik für Hausdächer in Deutschland. Auch im Gewerbe gewinnen wir immer mehr Kunden.

Sie sind auch für die Produktion in Dresden zuständig, in der viele Roboterarme zu sehen sind. Lässt sich dort technisch überhaupt noch etwas verbessern?

Obwohl diese Anlage schon stark automatisiert ist, gehen Automatisierung und Digitalisierung weiter voran. Vor allem die Datenerfassung wird besser, damit lässt sich schneller auf Fehler reagieren. Trotzdem schaffen wir zusätzliche Arbeitsplätze. Im vergangenen Jahr 2020 ist Solarwatt insgesamt um etwa 60 auf 460 Beschäftigte gewachsen, und mit der neuen Fertigungslinie im Jahr 2021 werden wir noch einmal rund 80 zusätzliche Mitarbeiter benötigen.

Hat Corona den Ausbau gebremst?

Ja, es gab Verzögerungen. Wir konnten beispielsweise manche Lieferanten nicht zur gewünschten Zeit besuchen, um Maschinen auszuwählen. Also werden wir die aktuelle Fertigung etwas länger laufen lassen. Im dritten Quartal 2021 soll die neue Produktion direkt neben der aktuellen Fertigung in Dresden beginnen.

Wie sind Sie zu Solarwatt gekommen?

Ich habe während meiner langjährigen Tätigkeit in der Fotovoltaikbranche erlebt, dass die direkte Konkurrenz mit chinesischen Wettbewerbern sehr herausfordernd ist. Ich glaube an das Geschäftsmodell von Solarwatt und möchte Teil der Energiewende sein.

Sie waren beim weit größeren Unternehmen Solarworld, das es nicht mehr gibt, und haben dessen Produktion in Arnstadt in Thüringen geleitet. Hat man dort den kleineren Konkurrenten Solarwatt überhaupt gekannt?

Ja, die Entfernung war ja nicht groß. Aber bei Solarworld hat man das Geschäftsmodell von Solarwatt unterschätzt und sich nicht stark damit beschäftigt. Solarworld hat große und sehr viele Module gebaut und sich nicht auf spezielle Kunden fokussiert. Solarwatt ist einige Schritte weitergegangen, vor allem mit der Entwicklung von Batterien und Energiemanager und in Richtung Sektorenkopplung.

Wird es nicht sehr lange dauern, bis die Energiewende auf allen Sektoren ankommt?

Ein Umbruch dauert seine Zeit. Deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt in allen Sektoren etwas verändern, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Bis 2050 wollen wir klimaneutral sein. Derzeit passiert schon viel, in anderen Ländern aber noch viel mehr als in Deutschland.

Wo zum Beispiel?

In Norwegen ist die Elektromobilität schon länger ein Erfolg, und Kalifornien ist das Ursprungsland der Fotovoltaik. In Ländern der Dritten Welt gibt es keine großen Stromnetze, sondern lokale Versorgung. Viele werden den Sprung direkt in die Erneuerbaren Energien machen. Fotovoltaik lässt sich auch schneller installieren als andere Kraftwerke und hat viel kürzere Genehmigungsprozesse.

Deutschlands östliche Nachbarn scheinen aber auf Kohle und Kernkraft zu setzen?

Ich denke, durch den Green Deal der EU werden mehr Länder auf den Zug aufspringen. Auch in Polen beispielsweise werden Erneuerbare Energien vorangetrieben.

Was bedeutet es für Solarwatt, dass der Maschinenbauer Meyer-Burger nun auch in großem Stil Solartechnik in Freiberg und Bitterfeld produzieren will?

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Dort gibt es auch ambitionierte Ziele – die haben wir aber auch. Grundsätzlich ist es zu befürworten, wenn es mehr Hersteller von Solartechnik in Deutschland gibt, um auch eine größere Lobby zu bilden. Es würde uns allen helfen.

Das Gespräch führte Georg Moeritz.

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