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Dresdner geben Geld für Freiberger Solarfabrik

Die Ostsächsische Sparkasse Dresden leiht Meyer-Burger viel. Der Staat garantiert für den Großteil des Geldes. Aber es fehlt noch welches.

Er hat Geldgeber für 185 Millionen Euro gefunden: Gunter Erfurt, Vorstandschef von Meyer-Burger, will die neue Solartechnik-Produktion in Sachsen und Sachsen-Anhalt rasch erweitern.
Er hat Geldgeber für 185 Millionen Euro gefunden: Gunter Erfurt, Vorstandschef von Meyer-Burger, will die neue Solartechnik-Produktion in Sachsen und Sachsen-Anhalt rasch erweitern. © Arvid Müller

Dresden. Wer ist bereit, noch einmal viel Geld in den Aufbau von Fabriken für Solartechnik in Ostdeutschland zu stecken? Sparkassen, Genossenschaftsbanken und der Staat haben sich bereit erklärt, dem Schweizer Unternehmen Meyer-Burger Kredite für die Maschinen in Freiberg und in Thalheim bei Bitterfeld zu geben. Am Mittwoch gab Meyer-Burger bekannt, 185 Millionen Euro seien dem Unternehmen zugesagt worden.

Die Ostsächsische Sparkasse Dresden führt demnach eine Gruppe von Geldgebern an, die am 15. Juni einen Kreditvertrag über 125 Millionen Euro mit Meyer-Burger unterschrieben haben. Der Kredit kommt den Angaben zufolge von "einer Gruppe von Sparkassen, Förder- und Genossenschaftsbanken". Diese Banken tragen nur einen kleinen Teil des Risikos, falls die Solarfabriken wie ihre Vorgänger Pleite gehen sollten: 80 Prozent des Kreditvolumens werden von der Bundesrepublik und den Ländern Sachsen und Sachsen-Anhalt garantiert.

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Die übrigen 60 Millionen Euro kommen von einer deutschen Spezialbank zur Betriebsmittelfinanzierung. Sie schloss mit Meyer-Burger einen Factoring-Vertrag. Factoring bedeutet, dass die Bank die Rechnungen an die Fabrik bezahlt und sich das Geld erst danach von Meyer-Burger zurückholt - eine übliche Form des kurzfristigen Kredits.

Dresdner Kredit mit Bedingungen

Meyer-Burger will mit dem geliehenen Geld die gerade eröffnete Produktion in Freiberg am Standort der früheren Solarworld-Fabrik sowie in Thalheim bei Bitterfeld weiter ausbauen. In Thalheim werden die Solarzellen hergestellt, in Freiberg werden sie zu Solarmodulen zusammengesetzt. Außerdem will Meyer-Burger eine zweite Fabrik zur Montage von Solarmodulen einrichten. Der Ort ist noch nicht bekannt, nach früheren Angaben sind die Freiberger Hallen dafür nicht groß genug. Der Auswahlprozess für den Standort laufe noch.

Konzernchef Gunter Erfurt hat bis zu 3.500 Arbeitsplätze im Jahr 2027 angekündigt – wenn sich genügend Kapitalgeber finden. Dafür reichen die bisher eingeworbenen Gelder aber nicht. Die Auszahlungsbedingungen des Kreditvertrags mit der Dresdner Sparkasse sehen vor, dass Meyer-Burger bis Juni nächsten Jahres weitere Finanzmittel in Höhe von 100 Millionen Euro auftreibt. Und noch einmal 160 Millionen Euro sind laut Meyer-Burger nötig, um die Produktionspläne für das Jahr 2027 erfüllen zu können.

Keine Solarzellen mehr für die Konkurrenz

Die Produktion war im Mai eröffnet worden, mit 300 Beschäftigten, davon der etwas größere Teil in Freiberg. Zunächst liegt das Produktionsvolumen bei 0,4 Gigawatt pro Jahr. Damit ist die Strommenge gemeint, die mit den Solarmodulen bei gutem Wetter maximal erzeugt werden kann. Das Produktionsziel für das Jahr 2027 liegt bei sieben Gigawatt.

Der Verwaltungsrat des börsennotierten Unternehmens hat außerdem beschlossen, dass die selbst hergestellten Solarzellen aus Thalheim nicht an andere Solarmodulhersteller geliefert werden sollen. Anders als bisher geplant, werde die gesamte Zellproduktion von Meyer-Burger selbst genutzt. Verwaltungsratspräsident Frank Richter sagte zur Begründung, so könne sich Meyer-Burger "ganz auf das margenstärkere Modulgeschäft fokussieren". Demnach lässt sich mit kompletten Solarmodulen mehr Gewinn machen als mit dem Verkauf der Zellen.

Hoffnung auf Kunden in Japan und Australien

Meyer-Burger war ursprünglich ein reiner Hersteller von Maschinen und Anlagen und lieferte sie an die Fabrikanten der Solartechnik. Viele solcher Anlagen stellen in Asien Solarzellen her. Doch das Unternehmen will seine Anlagen aus Hohenstein-Ernstthal nicht mehr der Konkurrenz zur Verfügung stellen. Vielmehr will Meyer-Burger nur noch Solarmodule verkaufen, zunächst in Europa und den USA, bald auch in Australien und Japan. Geworben werden soll mit "Made in Germany" im "Premium"-Segment.

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Meyer-Burger will im Jahr 2023 mindestens 500 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften und davon ein Viertel als Gewinn (Ebitda-Marge) verbuchen. Seit April nimmt das Unternehmen Aufträge entgegen und berichtet, die durchschnittlichen Verkaufspreise entsprächen dem Plan. Die Solarmodule sollen sowohl auf Dächern als auch in großen Anlagen auf dem Boden genutzt werden. Im nächsten Jahr sollen Module mit bis zu 570 Watt Leistung für Solarkraftwerke und bis zu 22,9 Prozent Wirkungsgrad auf den Markt kommen.

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