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Hohe Strompreise: Envia-M verliert Kunden

Der große Energieversorger aus Chemnitz will nicht jeden Preiskampf mitmachen. Beim Ausbau der Windenergie sieht der Chef Gegner in Sachsen.

Viele Stromversorger haben die Preise voriges Jahr kräftig erhöht. Die Envia-M verlor 45.000 Kunden in ihrem Gebiet, das sich über Teile Sachsens, Sachsen-Anhalts und Brandenburgs erstreckt.
Viele Stromversorger haben die Preise voriges Jahr kräftig erhöht. Die Envia-M verlor 45.000 Kunden in ihrem Gebiet, das sich über Teile Sachsens, Sachsen-Anhalts und Brandenburgs erstreckt. © dpa/Jens Büttner

Dresden. Lieber einen Teil der Kunden verloren als die Preise gesenkt: Der sächsische Energieversorger Envia-M aus Chemnitz hat sich im vorigen Sommer entschieden, eine monatelange „Bonusschlacht auf Vergleichsportalen“ nicht mitzumachen. Dabei haben auch andere etablierte Stromhändler Federn gelassen, sagte Vorstandsmitglied Andreas Auerbach am Mittwoch bei der Online-Bilanzpressekonferenz.

Envia-M verlor voriges Jahr rund 45.000 Stromkunden. Die Preise waren zu Anfang des Jahres stark erhöht worden, auch bei Nachbarfirmen, etwa in Dresden. Für dieses Jahr sagte Auerbach auf Nachfrage, es sei keine Strompreiserhöhung für Privatkunden geplant.

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Vorstandschef Stephan Lowis sagte, der Wettbewerbsdruck sei gestiegen. Beim Stromverkauf an Stadtwerke gebe es kaum Gewinne. Im Corona-Jahr 2020 brachte das rechnerisch einen Vorteil: Obwohl der Umsatz um zehn Prozent sank, schrumpfte der Gewinn nicht. Er legte sogar leicht auf 318 Millionen Euro zu.

Nach Corona wird Klimaschutz wieder wichtig

Envia-M sei „teilweise sehr gut durch die Krise gekommen“, sagte Vorstandschef Lowis. Vom Gewinn profitiert der Mutterkonzern Eon, aber auch 650 ostdeutsche Gemeinden sind an der Envia-M beteiligt. Sie dürfen sich 67 Millionen Euro aus dem Gewinn teilen, die Dividende bleibt gleich.

Für dieses Jahr sagte Vorstandschef Lowis etwa gleich bleibende Umsätze, Gewinne und Investitionen voraus. Trotz Corona investierte Envia-M voriges Jahr 248 Millionen Euro – so viel wie nie seit Beginn der Energiewende. Lowis sicherte neue Investitionen in regenerative Energiequellen zu und sagte, der Klimawandel bleibe auch nach Corona eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Klimaschutz sei auch ein Standortfaktor.

Doch seine Ankündigungen in Zahlen lassen nicht auf eine neue Öko-Offensive schließen: In diesem Jahr will Envia-M 23 Millionen Euro in Erneuerbare Energien stecken. Geplant ist damit der Neubau von fünf Solarparks, darunter zwei in Sachsen: in Markkleeberg und Neukirchen. Je ein Windpark in Sachsen-Anhalt und Brandenburg sollen ausgebaut werden. Für Sachsen, wo im vorigen Jahr so gut wie niemand Windkraftanlagen baute, plant die Envia-M erneut keine.

Windkraft-Gegner in sächsischen Landkreisen

Lowis sagte, er würde gerne in Windkraft in Sachsen investieren, aber es seien nicht genügend Flächen in den Regionalplänen genehmigt. Vorstand Auerbach sagte, die Politik in Sachsen fördere Windkraft nicht so wie in anderen Bundesländern. „Wir würden uns freuen, wenn die Landkreise in Sachsen sich mehr für Windenergie erwärmen könnten.“ Das Umwelt- und Energieministerium des Grünen-Ministers Wolfram Günther stößt mit seinen Ausbauwünschen im geplanten Energie- und Klimaprogramm auf Widerstände.

Laut Lowis stammt im Brandenburger Stromnetz rechnerisch das 3,5-Fache der benötigten Energie aus Erneuerbaren Quellen, in Sachsen nur das 0,5-Fache. Allerdings ist der Wind im Norden stärker.

Laut Vorstand Auerbach werden die Kunden des Unternehmens „immer klimabewusster“. Envia-M habe voriges Jahr rund 450 Fotovoltaik-Anlagen verkauft, darunter etwa jede dritte zusammen mit einem Stromspeicher.

Envia-M will mehr Auszubildende

Envia-M in Zahlen: Der Umsatz schrumpfte voriges Jahr von 3,09 auf 2,78 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern stieg dagegen von 316 auf 318 Millionen Euro. Die Stromabgabe sank um 14 Prozent auf 14.643 Gigawattstunden, vor allem wegen weniger Absatz an Geschäftskunden und Weiterverteiler wie Stadtwerke. Die Gasabgabe sank ebenfalls, von 10.430 auf 12.998 Gigawattstunden.

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Die Zahl der Beschäftigten, auf Vollzeit umgerechnet, stieg leicht vom 3.293 auf 3.318. Darunter sind nach Angaben des scheidenden Arbeitsdirektors Ralf Hiltenkamp 277 Auszubildende. Envia-M will nach seinen Angaben "mittelfristig" wieder auf 330 Lehrlinge kommen, also zehn Prozent der Belegschaft. Denn geburtenstarke Jahrgänge gingen bald in Rente, Nachfolger würden gebraucht. Vielleicht könnten künftig welche vom schrumpfenden Braunkohlenverstromer Leag übernommen werden.

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