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Größere Windräder bei Colmnitz geplant

Die sechs Anlagen, die zwischen Dorf und Talsperre Klingenberg stehen, sind bis zu 25 Jahre alt. Sie sollen nun ersetzt werden. Das birgt einen speziellen Konflikt.

Von Franz Herz
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Diese Windanlagen zwischen Colmnitz und der Talsperre Klingenberg stehen schon lange. Ihre Betreiber wollen sie gegen leistungsfähigere austauschen.
Diese Windanlagen zwischen Colmnitz und der Talsperre Klingenberg stehen schon lange. Ihre Betreiber wollen sie gegen leistungsfähigere austauschen. © Karl-Ludwig Oberthür

Zwischen dem Klingenberger Ortsteil Colmnitz und der Talsperre Klingenberg stehen sechs Windkraftwerke. Die ersten davon sind 1995 gebaut worden, die letzten 2003. Hier sind die Firmen Sabowind aus Freiberg, die Colmnitzer Agrargenossenschaft und die Firma Voss Energy aus Rostock aktiv. Bisher betreiben Sie ihre jeweiligen Anlagen getrennt, künftig wollen sie aber zusammenarbeiten, wie Kerstin Veit, Leiterin Projektentwicklung bei Sabowind informierte.

Mit dem neuen Regionalplan gelten andere Regeln

Sie haben vor, die bisherigen Anlagen, die 20 Jahre und älter sind, durch neue zu ersetzen. Die Unternehmen haben ihre Pläne schon einmal bei einer internen Sitzung dem Gemeinderat und Mitte Oktober bei einer öffentlichen Präsentation im Kulturhaus Pretzschendorf vorgestellt.

Seit der neue Regionalplan für die Region Oberes Elbtal in Kraft ist, gelten neue Regeln. Der Plan enthält östlich von Colmnitz ein Vorrang- und Eignungsgebiet zur Windenergienutzung. Das wurde allerdings etwas weiter vom Dorf weg in Richtung Talsperre gerückt. Vier der bisherigen Anlagen-Standorte gehören nicht mehr zu dem Gebiet.


Bei einer Informationsveranstaltung im Kulturhaus Pretzschendorf haben die Windkraftbetreiber ihre Pläne vorgestellt und mit interessierten Bürgern diskutiert.
Bei einer Informationsveranstaltung im Kulturhaus Pretzschendorf haben die Windkraftbetreiber ihre Pläne vorgestellt und mit interessierten Bürgern diskutiert. © Egbert Kamprath

Die beteiligten Windunternehmen wollen bei Colmnitz die bisherigen Anlagen abbauen und durch modernere und größere ersetzen. Dafür haben sie 2019 ein gemeinsames Unternehmen gegründet, die „WP Colmnitz die Zweite GmbH“. Die will das neue Windgebiet so gut wie möglich ausreizen. Nach ihren Berechnungen könnten dort sieben neue Anlagen entstehen, die unterschiedlich hoch werden. „Die Höhe der einzelnen Anlagen hängt von der Entfernung zur Siedlung ab“, sagt Kerstin Veit. Von Höhen zwischen 150 und 200 Meter ist die Rede.

Klingenberg kann energieautark werden

Nach den bisherigen Berechnungen sollen die neuen Windanlagen eine Leistung von rund 70.000 Megawattstunden im Jahr bringen. Das ist deutlich mehr als die rund 9.050 Megawattstunden, welche die bestehenden Anlagen schaffen. Und es wäre fast so viel Strom, wie die gesamte Gemeinde Klingenberg benötigt. Deren Bedarf liegt bei 87.000 Megawattstunden.

„Wir als Gemeinde können energieautark werden“, sagt Klingenbergs Bürgermeister Torsten Schreckenbach (Bürger für Klingenberg). Im Gemeindegebiet liegt noch das Windkraftgebiet bei Beerwalde und sind viele Anlagen auf den Dächern angebracht, die das Sonnenlicht in Strom umwandeln.

Aber Schreckenbach ist klar, dass das keine Lösung für das gesamte Land ist. Klingenberg ist dünn besiedelt und hat Platz für Wind- und Sonnenenergie. „Aber auch Dresden muss versorgt werden“, sagt Schreckenbach. Dafür sind noch große Anstrengungen erforderlich.

Konflikt mit dem Landeplatz für Ultraleichtflugzeuge

Auch in Klingenberg gibt es Konflikte bei der Windkraftnutzung. Das sind die allgemeinen und ein spezieller. Die allgemeinen Probleme, welche die meisten Windanlagen in der Nähe von Wohnungen haben, sind die Geräusche und Schatten. Hier versichern die Betreiber, dass es Möglichkeiten zur Abschaltung gibt in den Zeiten, wenn die Sonne so steht, dass die Schatten auf die Häuser im Dorf treffen. Auch würden die größeren Anlagen langsamer laufen als die bestehenden. Damit wirken sie nicht mehr so unruhig in der Landschaft.

Gemeinde Klingenberg will sich Mitsprache sichern

Der spezielle Konflikt beim Windgebiet Colmnitz ist die Nähe zu dem Landeplatz für Ultraleichtflieger bei Pretzschendorf. Dazu diskutierte Bärbel Zaunick vom Regionalen Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge mit einer Gruppe von Bürgern um den Gemeinderat Wolfgang Richter (BfK). Eventuelle Behinderungen der Ultraleichtflieger durch neue Windräder seien im jetzigen Planungsstadium noch schwer zu beurteilen. Wenn ein konkretes Projekt genehmigt werden soll und dessen Standort und Höhe genau bekannt sind, dann muss auch die Luftfahrtbehörde dazu Stellung nehmen, sagt Zaunick. Dadurch sollen Gefahren ausgeschlossen werden.

Für die Gemeinde hat das Thema Windkraft durch die jüngste Änderung des Gesetzes für erneuerbare Energien an Attraktivität gewonnen. Demnach können die Windmüller zu einer Abgabe verpflichtet werden. Die würde im Jahr bis zu 126.000 Euro betragen, wenn der Windpark Colmnitz bis zur maximalen Größe ausgebaut würde, rechnen die Betreiber vor.

Die Gemeinde will für das ganze Windgebiet einen Bebauungsplan aufstellen. „Wir können die Anlagen nicht verhindern. Aber mit einem solchen Plan haben wir ein Mitspracherecht“, sagt der Bürgermeister. In Klingenberg sind in der nächsten Zeit also spannende Diskussionen über die Gestaltung des Windgebiets Colmnitz zu erwarten.