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Warum Sachsens Energieriese eine ganz kleine Firma kauft

Aus Drewag und Enso wurde Sachsen-Energie. Nun kauft der Dresdner Konzern ein Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern in Waldheim. Das hat Methode.

Energiereicher Standort: Bei Streumen im Kreis Meißen will die Sachsen-Energie den vorhandenen Windpark um drei Anlagen erweitern.
Energiereicher Standort: Bei Streumen im Kreis Meißen will die Sachsen-Energie den vorhandenen Windpark um drei Anlagen erweitern. © Foto: Lutz Weidler (LKW)

Dresden. Mehr als 3.300 Beschäftigte arbeiten für die Sachsen-Energie, den Zusammenschluss von Drewag und Enso. Nun kommen 15 dazu. Denn Konzernchef Frank Brinkmann in Dresden hat sich für den nächsten Zukauf entschieden: Die Sachsen-Energie hat das Unternehmen Energieanlagen Frank Bündig GmbH in Waldheim in Mittelsachsen gekauft. Das ist ein sächsischer Windpionier.

Der Gründer Frank Bündig ist 60 und sieht in der Übergabe die Fortsetzung seines Lebenswerks. Er bleibt Teil der Geschäftsleitung. 47 Windenergieanlagen hat er seit Gründung seiner Firma im Jahr 1995 geplant und "schlüsselfertig übergeben". Die Sachsen-Energie betreibt 23 Windkraftanlagen. Sie will als nächstes den Windpark Streumen im Kreis Meißen um drei Anlagen erweitern, sagte Projektleiter Martin Schramm, der neben Bündig und Matthias Bleil in die Geschäftsleitung eintritt.

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Sachsen-Energie will ihre Windleistung verdoppeln

Bündigs Geschäft mit Öko-Energie ist auch international: Ein Büro bei Neapel kümmert sich um die Tochterfirma EFB Italia, wo der Windkraftpionier einen aussichtsreichen Markt sieht. Außerdem hat Bündig drei Biogasanlagen geplant und bauen lassen. Die können dank Gasspeichern regelmäßig Energie liefern, während der Wind unregelmäßig weht. Aus Sicht des Käufers Brinkmann kann das erworbene Unternehmen ein "zentraler Baustein" der Windstrategie von Sachsen-Energie werden.

Der Dresdner Konzern will in diesem und im nächsten Jahr insgesamt 30 Millionen Euro in den Ausbau der Erneuerbaren Energien investieren. Seine Windenergieanlagen haben eine maximale Leistung von 52,5 Megawatt. In den nächsten fünf Jahren sollen mindestens 100 Megawatt daraus werden. Das wird teuer: Auf Bündigs Referenzliste steht, dass die letzten drei Vestas-Anlagen, die er in Streumen bauen ließ, zusammen 15 Millionen Euro kosteten.

25 Jahre Erfahrung mit Wind

Bündig hatte sich zunächst 1993 nebenberuflich mit ersten Planungen und der Standortsuche für Windanlagen beschäftigt. 2012 nahm er die erste sächsische Drei-Megawatt-Anlage in Betrieb, eine Enercon in Erlau mit 135 Metern Nabenhöhe. Insgesamt hat das Unternehmen 47 Anlagen im Wert von 172 Millionen Euro bauen lassen. Laut Bündig reicht ihr jährlicher Energieertrag, um fast 100.000 Haushalte mit je 2.800 Kilowattstunden Stromverbrauch zu versorgen.

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Sachsen-Energie-Chef Brinkmann bezeichnet den Kauf des Unternehmens als konsequente Erweiterung der Wertschöpfungskette des Dresdner Konzerns. Abteilungsleiter Schramm hält damit einen stärkeren Ausbaufortschritt für möglich: Bündigs Firma mit mehr als 25 Jahren Erfahrung zähle zu den führenden Unternehmen bei der Entwicklung und Realisierung von lokalen Windenergieprojekten.

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