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Wie Leipzig unabhängig vom Braunkohle-Strom wird

Die Stadt hat bei Siemens Energy Gasturbinen für ein klimafreundliches Kraftwerk bestellt.

Leipzig will sich unabhängig von der Fernwärmeversorgung aus dem Braunkohlekraftwerk in Lippendorf machen.
Leipzig will sich unabhängig von der Fernwärmeversorgung aus dem Braunkohlekraftwerk in Lippendorf machen. © Jan Woitas/dpa

Von Sven Heitkamp

Die Stadt Leipzig kommt auf dem Weg der Abkopplung von Braunkohlekraftwerk Lippendorf einen großen Schritt voran: Für ein neues Gaskraftwerk im Leipziger Süden wird der Siemens-Konzern zwei moderne Gasturbinen liefern, wie das Unternehmen jetzt mitteilte. Das neue Kraftwerk an der Bornaischen Straße soll ab Ende 2022 sowohl Strom als auch Fernwärme für die Stadt produzieren. Die Gasturbinen mit einer Gesamtleistung von zweimal 62 Megawatt kosten rund 60 Millionen Euro, teilten die Stadtwerke mit. Das Heizkraftwerk Süd ist nach Unternehmensangaben als „sauberstes Gaskraftwerk der Welt“ konzipiert.

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Mit dem Kraftwerk will sich die Stadt unabhängig von der Fernwärmeversorgung aus dem Braunkohlekraftwerk in Lippendorf machen und damit zur klimafreundlichen Stadt werden. Die Anlage muss zwingend bis Ende 2022 anlaufen, weil ansonsten Fördermittel des Bundes in Millionenhöhe verfallen. Die Gasturbinen vom Typ SGT-800 werden zunächst mit Erdgas befeuert, das nur einen Bruchteil an CO im Vergleich zur Braunkohle ausstößt. In den kommenden Jahren soll zunehmend grüner Wasserstoff eingesetzt werden, der mit Hilfe von Wind- und Sonnenenergie gewonnen wird. Langfristig wird sogar ein hundertprozentiger Wasserstoffbetrieb angestrebt. Dadurch wäre ein CO2-freier, klimaneutraler Betrieb möglich. „Wir planen derzeit zusammen mit weiteren Partnern ein Projekt, um die technische Machbarkeit zu demonstrieren und die tatsächlichen Betriebskosten zu ermitteln“, heißt es bei den Stadtwerken.

„Die SGT-800 erreicht nicht nur die niedrigsten Emissionswerte in ihrer Klasse, sie überzeugt auch durch ihre hohe Brennstoff-Flexibilität und ihre niedrigen Lebenszykluskosten“, sagt Karim Amin, Manager bei Siemens Energy. Siemens liefert zudem ein Batteriesystem, das eine Schwarzstartfähigkeit der Anlage garantieren soll. Mit ihr lässt sich das Kraftwerk selbst bei einem flächendeckenden Netzausfall ohne externe Stromversorgung anfahren. Zudem wird ein riesiger Wärmespeicher installiert. Daneben entstehen in der Stadt neue Solarthermie-Anlagen sowie Blockheiz- und Biomasse-Kraftwerke. Parallel laufen harte Vertragsverhandlungen mit dem Lippendorfer Kraftwerksbetreiber LEAG zum Ausstieg aus der Fernwärmeversorgung der Stadt. Ein genauer Ausstiegstermin ist noch nicht bekannt.

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