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"Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon"

Tharandt wird von Familien besonders gut bewertet. Bürgermeister Silvio Ziesemer erklärt aus seiner Sicht, wie das zustande kommt.

Tharandts Bürgermeister Silvio Ziesemer ist stolz auf seine Stadt und das Engagement der Bürger.
Tharandts Bürgermeister Silvio Ziesemer ist stolz auf seine Stadt und das Engagement der Bürger. © Andreas Weihs

Herr Ziesemer, was macht Tharandt so attraktiv für Familien und Kinder?

Das sind viele Komponenten im Zusammenspiel. Ganz knapp zusammengefasst: die Lage der Stadt, die Größe, die Natur. Und natürlich das, was wir als Kommune und als Stadtgesellschaft daraus machen. Da ziehen alle mit und es gibt auch sehr viel Engagement aus der Bürgerschaft. Die Stadt ist nicht zu groß. Dieses unmittelbar dran sein an vielen Dingen, auch an der Verwaltung, findet offenbar bei Familien großen Anklang. Es ist alles sehr familiär. Man kennt sich auch über die Ortsteile hinweg. Die Keinteiligkeit kommt uns da zugute, weil die Gemeinschaft als solche immer wieder unmittelbar erfahrbar ist. Das stärkt den Gemeinsinn.

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Was tut Tharandt, damit alle Eltern, die es möchten, einen Betreuungsplatz für ihr Kind bekommen?

Wir haben es über die Jahre geschafft, ausreichend Plätze aufzubauen. Seit 2019 sind die Kindertagesstätten wieder in kommunaler Hand, insgesamt fünf Stück. In unseren Prognosen spielt neben den Geburten auch Zuzug eine entscheidende Rolle. Wir wissen ja, welche Baugebiete ausgewiesen sind, oder wenn größere Komplexe wie das ehemalige Studentenwohnheim oder jetzt der alte Bahnhof umgebaut werden und welche Wohnungen dort entstehen. So planen wir den Bedarf voraus. Aktuelles Beispiel ist jetzt der Kita-Neubau. Im Dezember geht er in Betrieb.

Haben Sie denn Personal gefunden für die Kita, oder verteilen Sie aus anderen Einrichtungen um?

Die Situation ist schwierig. Aber wir haben neues Personal gewonnen. Die Kita-Leiterin und zwei Erzieherinnen sind schon da, bereiten alles vor für den Start der Einrichtung im Dezember. Das baut sich dann nach und nach auf. Außerdem haben wir natürlich jetzt schon im Blick, dass in den nächsten Jahren einige Mitarbeiterinnen in Rente gehen, deren Stellen wir neu besetzen müssen.

Wie kommen denn die Mitarbeiterinnen gerade in der Corona-Situation zurecht?

Ich muss sagen, dass die Erzieherinnen und Erzieher gerade jetzt mit großem Engagement und Einsatz dabei sind. Sie leisten eine tolle Arbeit. Das ist sehr familiär, sehr engagiert, mit viel Liebe und Zuwendung und die Kinder bekommen da die entsprechende Geborgenheit. Dafür haben sie sich große Anerkennung verdient.

Hat Tharandt denn auch gute Schulen zu bieten?

Wir sind mit der Grundschule Tharandt und in Hartha gut aufgestellt. Mit den Schulen gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit. Die Kinder kommen von der Kita gut in die Schule hinein. Der Übergang wird durch den Vorschulunterricht erleichtert. Da gibt es bereits Kontakt zu Lehrern und Einrichtungen. Es gibt da nicht so einen starken Bruch, wie es in größeren Städten der Fall sein kann, weil die neue Einrichtung noch völlig fremd ist.

Mit weiterführenden Schulen sind Sie gut aufgestellt, obwohl es in Tharandt keine staatliche gibt?

Ja, da sind wir sehr froh und dankbar, dass es das Evangelische Gymnasium in Tharandt gibt mit sehr engagierten Leuten. Auch da gibt es eine sehr gute und enge Zusammenarbeit mit dem Schulverein. Da gibt es viele Aktionen, die in und mit der Stadt gemacht werden. Und das Gymnasium Wilsdruff ist jetzt neben Freital eine zusätzliche gute Alternative. Gemeinsam mit Wilsdruff und dem Verkehrsverbund versuchen wir, die ÖPNV-Verbindung zu verbessern.

Spielplätze sind natürlich auch ein Faktor für Familienfreundlichkeit. Wie sieht es da in Tharandt aus?

An der Kuppelhalle ist gerade ein neuer Spielplatz entstanden, den wir als Stadt zwar nicht selber gebaut aber zumindest finanziell unterstützt haben. Wir haben Geld gegeben, zu Spenden aufgerufen und am Ende auch die letzte Finanzierungslücke geschlossen. Zudem haben wir das Glück, das wir aufgrund der Lage den schönsten Spielplatz ringsum haben, nämlich die Natur. Und in Spechtshausen ist mit viel Bürgerengagement gerade ein neuer Spielplatz am Waldimbiss entstanden, der zwar schon fertig, aber noch nicht freigegeben ist. Auch hier kommt noch einmal das Zusammenspiel der sehr aktiven Einwohner und der Unterstützung der Stadt zum Tragen.

Wie kann Tharandt das Niveau halten oder vielleicht sogar noch familienfreundlicher werden?

Das ist jetzt natürlich eine Momentaufnahme. Das ist eine permanente Aufgabe, also kein Sprint, sondern ein Marathon. Unsere Vereine sind ein wesentliches Gerüst für diesen Erfolg. Da gibt es ein breites Angebot an Aktivitäten. Und wir als Stadt wollen weiter daran arbeiten sichere Wegeverbindungen zu schaffen, Fußwege, Radwege. Das Konzept liegt zurzeit beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr zur Abstimmung.

Das Gespräch führte Tilman Günther.

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