merken
PLUS Radebeul

Wenig bezahlbarer Wohnraum für Familien

Laut dem Pestel-Institut sind die Mieten für Geringverdiener im Landkreis stabil. Der Mieterverein Meißen sieht die Situation weniger positiv.

Viele Mieter im Landkreis sind mit dem Wohnungsangebot nicht zufrieden und halten die Wohnkosten für zu hoch.
Viele Mieter im Landkreis sind mit dem Wohnungsangebot nicht zufrieden und halten die Wohnkosten für zu hoch. © Symbolfoto: dpa-tmn/Andrea Warnecke

Landkreis. Wie die Bürger zum Thema Wohnen im Elbland stehen, hat erst kürzlich die Auswertung des Familienkompass gezeigt. Immerhin 40,8 Prozent der Befragten sind demnach mit dem Wohnungsangebot im Landkreis nicht zufrieden und ein noch größerer Anteil hält die Wohnkosten für zu hoch. Während andere Themen wie Kita-Qualität, Familienpolitik oder auch Arbeit gut abgeschnitten haben, fällt das Thema Wohnen und Wohnumfeld auf den letzten Platz zurück.

Anzeige
Baumesse verschoben? Online informieren!
Baumesse verschoben? Online informieren!

Hören und sehen Sie kostenfreie Vorträge für Bauherren, Hauseigentümer und Immobilienkäufer. Einmal anmelden, drei Tage folgen!

Einige Stimmen aus der offenen Befragung zeigen die Probleme: „In Meißen Stadt fehlt es vor allem an Drei- bis Vierraumwohnungen und der Neubau ist für normale Einkommen nicht bezahlbar.“ Oder für Radebeul und wenig überraschend: „Es gibt zu viele teure Wohngebiete zu horrenden Mietpreisen“, schreiben die Anwohner.

Dabei kommt das Pestel-Institut mit Sitz in Hannover zu einem anderen Ergebnis. Das Forschungsinstitut und Dienstleister für Kommunen, Verbände und Unternehmen hat den Wohnungsmarkt im Landkreis Meißen untersucht. Dabei wurde vor allem die Mietenentwicklung von Geringverdienern wie Alleinerziehende, Rentner und Mindestlohnverdiener unter die Lupe genommen: „Die Mieten für einfache Wohnungen stiegen nur wenig stärker als die Lebenshaltungskosten“, heißt es darin. Oder, etwas weniger positiv formuliert: Die Mieten für einfache Wohnungen sind stärker gestiegen als die Lebenshaltungskosten.

Für die Analyse hat das Institut die vom Jobcenter übernommenen Mieten untersucht. Allerdings nur die von Singlehaushalten: „Sie stellen den größten Teil der Haushalte mit SGB-II-Bezug“, sagt der Vorstand des Pestel-Instituts, Matthias Günther. Das Ergebnis: Diese Mieten stiegen zwischen 2014 und 2020 um nur 8,1 Prozent. Bundesweit liegt der Anstieg der vom Jobcenter übernommenen Mieten für Singlehaushalte dagegen bei rund 26 Prozent: „Damit zählt der Landkreis Meißen zu den wenigen Landkreisen und kreisfreien Städten mit annähernd stabilen Mieten im unteren Segment“, sagt Matthias Günther.

Beratungsstellen in Coswig, Großenhain, Riesa und Meißen

Der Mieterverein Meißen und Umgebung e.V. ist für die Belange der Mieter vor Ort zuständig und hat Beratungsstellen in Coswig, Großenhain, Riesa und Meißen. Der Vorsitzende Eyk Schade kann bestätigen, dass die Mieten in den letzten Jahren gestiegen sind. Konkrete Angaben kann er aber nicht machen, da es in Meißen und Großenhain keine Mietspiegel mehr gibt: „Die Stadtoberen haben offensichtlich kein Interesse daran, die Mieten vergleichbar zu machen“, sagt er.

In der Untersuchung des Pestel-Instituts wurden die größeren Wohnungen für Familien nicht berücksichtigt. Laut Eyk Schade fehlt es im Landkreis aber vor allem daran: „Bezahlbarer Wohnraum für Familien mit Kindern sind Mangelware“, sagt er. Günstigen Wohnraum im Kreisgebiet könnte der Verein nur vereinzelt feststellen und dann vor allem bei kleineren privaten Vermietern: „Städtische Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften müssen verstärkt bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen und endlich Sozialwohnungen bauen.“

Neues Wohnsiegel: „Mein Fairmieter“

Damit Vermieter mit fairen Mietpreisen schnell erkennbar sind, hat das Pestel-Institut ein neues Wohnsiegel entwickelt: „Mein Fairmieter“ soll ab April auf den Websites und in den Anzeigen der Wohnungsanbieter verwendet werden: „Das Siegel wird als Sozial-Kompass für den Wohnungsmarkt auch im Landkreis Meißen für weite Teile der Bevölkerung eine hohe Relevanz haben“, sagt Matthias Günther. Wer es bekommen will, muss zum Beispiel eine Durchschnittsmiete unterhalb der lokalen Wohngeldstufe anbieten: Im Landkreis gilt die Mietenstufe eins mit sechs Euro pro Quadratmeter. In den Städten Meißen und Weinböhla die Mietenstufe zwei mit 6,50 Euro und in Radebeul und Coswig die Stufe drei mit 7,00 Euro pro Quadratmeter.

Weiterführende Artikel

Faire Vermieter im Landkreis Meißen

Faire Vermieter im Landkreis Meißen

Die Mieten für einfache Wohnungen stiegen nur wenig stärker als die Lebenshaltungskosten. Der Landkreis ist damit eine positive Ausnahme.

Der Mieterverein Meißen hält für einen transparenten Wohnungsmarkt eher Mietspiegel und den Austausch der Mieter untereinander für unerlässlich. Die meisten Mitglieder wenden sich wegen zu hoher Betriebs- und Heizkosten, wegen Mängeln in der Wohnung und auch wegen Mietminderung und Mieterhöhungen an den Verein.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul