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Neue Funktionen für die elektronische Patientenakte

Die Vorbehalte bei Versicherten und Ärzten gegenüber der elektronischen Patientenakte sind nach wie vor groß. Das könnte sich in diesem Jahr ändern.

Von Steffen Klameth
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Gwendolin Noves ist Kundenberaterin bei der TK in Dresden und nutzt die elektronische Patientenakte selbst seit etwa einem Jahr: „Wirklich gut finde ich, dass sie mir auch Empfehlungen für sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen gibt.“
Gwendolin Noves ist Kundenberaterin bei der TK in Dresden und nutzt die elektronische Patientenakte selbst seit etwa einem Jahr: „Wirklich gut finde ich, dass sie mir auch Empfehlungen für sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen gibt.“ © www.loesel-photographie.de

Wo liegt noch mal mein Zahnbonusheft? Und wo ist der Impfpass abgeblieben? Diese lästige Suche können sich gesetzlich Versicherte künftig sparen. Ein paar Klicks auf dem Smartphone, und schon ist man im Bilde – immer und überall. Einzige Voraussetzung: Man verfügt über eine elektronische Patientenakte, kurz ePA. Die kann man sich im App-Store herunterladen und bei seiner Krankenkasse registrieren lassen.

Seit einem Jahr können gesetzlich Versicherte ihre Gesundheitsdaten digital speichern und abrufen. Rezepte, Röntgenbilder und Arztbefunde sind damit schnell zur Hand – für die Patienten, aber auch für die Mediziner ist das ein großer Vorteil. Trotzdem stößt dieser Service bisher auf wenig Resonanz. Eine Umfrage der SZ bei den mitgliederstärksten Krankenkassen in Sachsen zeigt, dass bisher nur eine kleine Minderheit der Versicherten eine ePA besitzt. Bei der AOK Plus waren es Ende Oktober 2021 in Sachsen und Thüringen zusammen gerade mal rund 3.300, also weniger als eine(r) unter eintausend Versicherten.

Die Barmer nennt bundesweit rund 20.000 registrierte Nutzer (Sachsen: 350), die Knappschaft etwa 12.500 (Sachsen: 508). Die IKK classic zählt deutschlandweit rund 1.400 registrierte E-Akten, die DAK spricht von einer „vierstelligen Zahl“. Am größten ist die Akzeptanz unter den Versicherten der Techniker Krankenkasse: Hier besitzen bereits 230.000 Versicherte die ePA, darunter etwa 4.000 in Sachsen. Worin sich alle befragten Kassen nicht unterscheiden: Es sind überwiegend Männer und vor allem Versicherte zwischen 30 und 60 Jahren.

Über 90 Prozent der Kassenärzte nutzen die ePA

Eine andere Frage ist, ob und wie häufig sie auch genutzt wird. Das weiß – zumindest offiziell – niemand. Den Kassen ist es per Gesetz untersagt, das Nutzungsverhalten ihrer Versicherten zu verfolgen. So kann man nur Vermutungen anstellen, wie sie etwa IKK-classic-Sprecherin Andrea Ludolph äußert: Man gehe eher „von einer noch geringen und vorrangig einseitigen Nutzung durch die Versicherten aus.“ Als wesentliche Ursache für die verhaltene Nachfrage sehen die Kassen die technischen und organisatorischen Probleme, die mit der Einführung der ePA einhergingen. Die Installation ist aus Sicherheitsgründen etwas aufwendiger, als bei einer normalen App. Außerdem sind die Funktionen noch sehr beschränkt. Und viele Ärzte verfügten lange Zeit noch gar nicht über eine Anbindung an die Telematik-Infrastruktur.

Zumindest Letzteres hat sich inzwischen geändert. Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen konnten Ende Oktober 485 Praxen nicht mit der ePA arbeiten und mussten dafür Honorarkürzungen in Kauf nehmen. Im Umkehrschluss heißt das: Über 90 Prozent aller Kassenärzte in Sachsen können die ePA nutzen – also etwa Arztbriefe und Medikationspläne in die Akte einfügen oder Befunde von Kollegen einsehen, sofern die Patienten damit einverstanden sind. Unklar bleibt aber auch hier die tatsächliche Nutzung. Thomas Margott von der AOK Plus sieht unter anderem den höheren Zeitaufwand für die Ärzte als Hemmnis.

Weitere Änderungen geplant

Nun liegt die Hoffnung auf den Änderungen, die in diesem Jahr umgesetzt werden sollen. Dazu gehören neue Funktionen wie der digitale Impfpass, das Zahnbonusheft, das gelbe U-Heft für Kinder und der Mutterpass. Zugleich sollen mehr Akteure im Gesundheitswesen die Akte nutzen können: die Krankenhäuser und Reha-Kliniken, Pflegepersonal, Hebammen und Physiotherapeuten. „Die Anbindung weiterer Berufe wird zur Akzeptanz, zu mehr Nutzung und zu mehr Nutzen der ePA beitragen“, prophezeit Fabian Magerl, Landeschef der Barmer in Sachsen.

Die Krankenkassen betrachten die ePA auch als Chance, ihren Versicherten noch mehr Service zu bieten – dies vornehmlich mit zusätzlichen Funktionen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. AOK Plus und TK zum Beispiel bieten eine chronologische Sortierfunktion an, mit der Versicherte einen schnellen Überblick über ihre Gesundheitshistorie bekommen. Beliebt und zunehmend verbreitet sind Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen sowie ein persönliches Arztverzeichnis. Barmer-Versicherte können Gesundheitstipps abrufen, geplant ist auch ein Schwangerschaftsbegleiter. Und nächstes Jahr soll dann auch der Krankenschein komplett digital und Bestandteil der ePA werden.