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Wie möchte ich sterben?

Ein neuer Pirnaer Verein will das erste Hospiz im Landkreis errichten. Warum er sich Wegbereiter nennt und wie dieser Weg aussehen soll.

Sterben gehört in die Mitte der Gesellschaft, nicht an den Rand. Der Webgereiter-Verein sucht jetzt einen Standort für das erste Hospiz im Landkreis.
Sterben gehört in die Mitte der Gesellschaft, nicht an den Rand. Der Webgereiter-Verein sucht jetzt einen Standort für das erste Hospiz im Landkreis. © Steffen Unger

Die Oberärztin ist täglich damit konfrontiert. Die Hospizhelfer wissen um ihn. Der Rettungssanitäter weiß wovon die Rede ist. Die Betreuerin kennt die mit ihm verbundenen Schicksale. Die Angehörigen haben ihn vor Augen - den Tod. Er verbindet sie alle. Jeder von ihnen stößt immer öfter an eine Grenze. Dann, wenn es um den letzten Weg eines Sterbenden geht. Viele möchten ihn in einem Hospiz gehen. Die nächsten befinden sich in  Bischofswerda, Radebeul, Oederan, Leisnig. Zwei bis drei Monate Wartezeit sind normal. Unerreichbar für Menschen, deren Lebenserwartung oft nur noch wenige Wochen zählt. So entstand die Idee, das erste Hospiz im Landkreis zu gründen.

Das Gründen bzw. Bauen ist doppelt gedacht. Es ist auf der einen Seite das Haus, auf der anderen der Gedanke. Für beide das Fundament zu schaffen, ist die aktuelle Aufgabe des "Wegbereiter"-Vereins. Wege gibt es viele zu bereiten. Den des Hospizes, den des würdevollen Sterbens für die Kranken und ihre Angehörigen, auch den Weg für so ein Vorhaben in der Öffentlichkeit. Die Wege der Menschen, die ihn bereiten wollen, sind ganz unterschiedlich. Mariusz Noparcik zum Beispiel ist beim Rettungsdienst in Freiberg. Die Hospizidee ist ihm den Weg nach Pirna wert. Er hat in seinen katholischen Priesterjahren das Begleiten Sterbender als guten und wichtigen Dienst empfunden. 

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Nachbarn sensibilisieren

Auf der Suche nach einem geeigneten Objekt geht es nicht nur um Größe und Kosten, sondern insbesondere auch um die Lage und die Nachbarn. Statt irgendwo am Rande der Orte und der Gesellschaft, soll das Hospiz sich bewusst mittendrin befinden. Für die Menschen, deren letztes Zuhause es ist, für die, die sie hier besuchen und für alle drumherum. Die Pirnaer wissen von anderen Hospizen, so ein Standort bedeutet Gespräche mit den Nachbarn. Immer wieder mit dem Tode konfrontiert zu werden, wenn die schwarzen Autos vorfahren, das bedarf einer Sensibilisierung. Auch wenn es zunächst etwas provokatorisch klingt: Es kann auch gern ein Kindergarten daneben sein, sagt Claudia Struckmeier. Sie ist Oberärztin auf der Palliativ-Station des Pirnaer Klinikums und Vorsitzende des Vereins. Ob das Hospiz dann sechs, acht oder zehn Plätze hat, wird sich zeigen. Auch wo es sich befindet. Erste Objekte wurden schon geprüft und eignen sich jedoch nicht.  

Was ist ein Hospiz und wie arbeitet es?

  • Es ist eine stationäre Pflegeeinrichtung, die meist über nur wenige Betten verfügt und ähnlich wie ein kleines Pflegeheim organisiert ist.
  • Es sind Orte, an denen sterbenskranke oder alte Menschen in der letzten Lebensphase begleitet werden.
  • Zu den Konzepten gehört auch die Begleitung der Angehörigen. 
  • Die Krankenkasse trägt die zuschussfähigen Kosten zu 90 Prozent, bei Kinderhospizen zu 95 Prozent.
  • Benötigt der Patient keine Krankenhausbehandlung und keiner stationäre oder teilstationäre Versorgung in einem Hospiz, so kann der ambulante Hospizdienst zur  Sterbebegleitung in Anspruch genommen werden. 
  • Als Hospizarbeit wird die ambulante oder stationäre Begleitung und Betreuung von Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt bezeichnet.

Der Bedarf für Hospize ist mit den Jahren gewachsen. Und er wird weiter wachsen, umso mehr über sie berichtet und bekannt wird.  Sie sind nicht nur für Krebskranke und ältere Menschen, auch andere nicht heilbar Kranke können hier ihre letzten Wochen, Monate verbringen und Abschied nehmen. Diesen Weg des Abschiednehmens für sie und ihre Angehörigen zu bereiten, ihn gemeinsam zu gehen, ist das was ein Hospiz ausmacht. 

Ein Projekt für Jahre

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Wie schnell der Landkreis sein erstes Hospiz bekommt, hängt von Haus und Geld, von den Menschen und ihrer Bereitschaft, sich damit zu beschäftigen ab. In Leisnig dauerte es sieben Jahre, in Stralsund nur fünf, es kann aber auch zehn Jahre dauern, sagt Matthias Janak, der stellvertretende Vorsitzende. Es wird auf jeden Fall ein Projekt, für das alle Kraft und Geduld brauchen, auch wenn es manchmal schneller geht. Wenn jemand ein Haus spendet, ein Bauherr die Verantwortung übernimmt oder ein großer Betrag gespendet wird. Mit all dem können die Pirnaer nicht rechnen, würden sich aber freuen. Bis vielleicht so ein Zufall sie trifft, prüfen sie nun bereits Finanzierungen, unter anderem über Stiftungen, und nehmen Kontakt zu Einrichtungen und Firmen in der Region auf. Es ist Teil des Wegbereitens.

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