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Bischofswerda: Neue Adresse für Menschen mit Handicap

Wer behindert oder chronisch krank ist, hat im Alltag oft mit Hürden und Vorurteilen zu kämpfen. Eine Beratungsstelle will das ändern.

Dorothea Spillmann von der EUTB-Beratungsstelle und David Gratzl vom Projekt „Bischofswerda Inklusiv“ wollen, dass alle Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, an der Gesellschaft teilhaben können.
Dorothea Spillmann von der EUTB-Beratungsstelle und David Gratzl vom Projekt „Bischofswerda Inklusiv“ wollen, dass alle Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, an der Gesellschaft teilhaben können. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Wo bekommt man Unterstützung nach der Reha? Wie erhält mein Kind eine Schulassistenz? Wer kann bei der Pflege Angehöriger unterstützen? Mit solchen Fragen kommen Menschen oft zu Dorothea Spillmann vom Verein „Lebendiger Leben!“ in die Beratungsstelle der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) nach Bischofswerda. „Eine gesundheitliche Beeinträchtigung, chronische Erkrankung oder Behinderung wirkt sich meist auf viele Lebensbereiche aus. Wir beraten Menschen, die Unterstützung für Teilhabe an der Gesellschaft benötigen“, erklärt sie.

Erst im Januar ist die Beratungsstelle von der Bischofsstraße auf die Dresdener Straße umgezogen. „Wir wollten etwas mehr in die Innenstadt und dort präsenter sein“, sagt Dorothea Spillmann. Allerdings seien passende Räume schwer zu finden. „Sie müssen barrierefrei sein, und das ist in Bischofswerda nicht so einfach“, sagt die Leiterin der Beratungsstelle.

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Bischofswerda: Inklusion soll präsenter werden

Auch die jetzigen Räume seien das noch nicht, aber „wir sind in guten Gesprächen mit unserem Vermieter. Er ist gewillt, uns zu helfen, Barrierefreiheit zu schaffen.“ So sollen der Eingang vergrößert und ein Zugang zur Küche und den Räumen im hinteren Teil des Hauses ermöglicht werden.

Genutzt wird die Beratungsstelle auch vom Projekt „Bischofswerda Inklusiv“. „Wir möchten gemeinsam mit der EUTB die Themen Inklusion und Teilhabe in Bischofswerda präsenter werden lassen“, sagt David Gratzl, Leiter des Projektes.

So sollen künftig mehr Menschen mit einer Behinderung oder einer chronischen Erkrankung Unterstützung für ein möglichst selbstbestimmtes Leben in der Beratungsstelle finden. „Gerade hier im ländlichen Raum stelle ich eine Unterversorgung fest. Betroffene erhalten zu wenig Unterstützung und wissen meist gar nicht, welche Hilfen sie bekommen können“, sagt Dorothea Spillmann. Die Beratung kostet dabei kein Geld.

In der Stadt gibt es noch einige Barrieren

Seit 2018 gibt es in Sachsen die EUTB-Beratungsstellen. „Entstanden ist dieses Angebot aus dem Bundesteilhabegesetz heraus“, sagt Dorothea Spillmann. Im Landkreis Bautzen ist der Verein „Lebendiger leben!" für sechs Büros verantwortlich. Neben Bischofswerda gibt es noch in Hoyerswerda, Königsbrück, Radeberg, Kleinwachau und Kamenz EUTB-Beratungsstellen.

„Die Themen Inklusion und Teilhabe sind in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, weil sie langsam in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind“, sagt Dorothea Spillmann. Dennoch bestehen immer noch einige Barrieren und Hürden für Menschen mit Behinderung.

Das weiß David Gratzl aus eigener Erfahrung. Der Rollstuhlfahrer sagt: „Zum Beispiel sind viele Supermärkte immer noch zu eng gebaut oder Bordsteine an den Ampeln nicht abgesetzt. Auch der Bahnhof ist nicht barrierefrei.

Vorurteile sind noch immer ein Problem

Die größten Hürden seien aber nicht zu hohe Bordsteinkanten oder enge Gänge im Supermarkt. Eine weitaus größere Barriere für die Teilhabe am öffentlichen Leben seien Vorurteile. „Erst neulich wurde ich an der Supermarkt-Kasse komisch angeschaut, als ich etwas länger zum Bezahlen brauchte“, erzählt David Gratzl.

Er meint, dass es zwei Extreme gebe. „Die einen haben Angst vor meiner Behinderung und schauen weg. Und es gibt wildfremde Menschen, die mich plötzlich anfassen und helfen wollen. Beides stört mich“, sagt der Bischofswerdaer. Er wolle normal wie jeder andere Mensch behandelt werden.

Wichtig sei deswegen, dass jeder Mensch so akzeptiert wird, wie er ist. „Eigentlich haben alle Menschen irgendeine Art Einschränkung. Doch niemand fühlt sich wirklich als ein Behinderter, sondern erst wenn er nicht mehr an der Gesellschaft teilhaben kann. Wir sollten deswegen erkennen, dass es körperliche, geistige und seelische Vielfalt gibt“, sagt Dorothea Spillmann.

Das Beratungsstelle der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) auf der Dresdener Straße 14 in Bischofswerda bietet dienstags zwischen 13.30 und 15.30 Uhr sowie mittwochs 10-12 Uhr offene Sprechzeiten an. Unter der Telefonnummer 0162 91 89 71 8 bzw. der E-Mail [email protected] kann einen Beratungstermin vereinbart werden.

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