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Anstieg bei Drogen- und Sexualdelikten

Sachsens Kriminalitätsstatistik zeigt Beunruhigendes. Allerdings ist die Gesamtzahl der Verbrechen vergleichsweise niedrig.

Sachsens Polizei verzeichnet nach fünf Jahren wieder einen Anstieg bei Delikten mit der synthetischen Droge Crystal.
Sachsens Polizei verzeichnet nach fünf Jahren wieder einen Anstieg bei Delikten mit der synthetischen Droge Crystal. © dpa

Die Kriminalität in Sachsen bleibt das dritte Jahr in Folge auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die Zahl der von der Polizei erfassten Fälle stieg um 0,3 Prozent auf knapp 273.000, wie Innenminister Roland Wöller (CDU) und der Präsident des Landeskriminalamtes, Petric Kleine, am Dienstag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2020 mitteilten.

Die Entwicklung der einzelnen Deliktarten ist allerdings höchst unterschiedlich, Einfluss nimmt auch die Pandemie auf das Kriminalitätsgeschehen. Weniger häufig musste die sächsische Polizei wegen Wohnungseinbrüchen und Autodiebstählen ermitteln, was Beamte auf Ausgangssperren und stärkere Grenzkontrollen zurückführen.

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Besorgnis erregend ist dagegen trotz leicht sinkender Gewaltkriminalität (7.596 Fälle ) der Anstieg bei Vergewaltigungen und sexueller Nötigung (244 Fälle, 2019: 205). Auch bei Kinderpornographie verzeichneten die Ermittler einen erheblichen Anstieg. Knapp 600 Fälle der Verbreitung pornographischer Erzeugnisse über das Netz wurden erfasst, 2019 waren es 416. Kleine sagte, das hänge mit bundesweiten Ermittlungen zu Missbrauchsfällen etwa in Nordrhein-Westfalen zusammen. Wöller verlangte mehr Befugnisse für die Polizei, um Täter im Netz ermitteln zu können.

Mehr Drogendelikte im Corona-Jahr

Eine steigende Tendenz weist die Statistik für 2020 auch bei der Rauschgiftkriminalität auf. Die Zahl der Delikte wuchs um rund neun Prozent auf etwa 14.000 an. Erstmals seit fünf Jahren stiegen Fälle im Zusammenhang mit der synthetischen Droge Crystal wieder an. In 78 Fällen (2019: 80) ermittelte die Polizei wegen Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen, 21 Menschen wurden bei solchen Verbrechen getötet. Bei Gewaltdelikten lag die Aufklärungsquote bei mehr als 80 Prozent. Bezogen auf alle Delikte mit Ausnahme ausländerrechtlicher Verstöße stieg sie auf knapp 59 Prozent.

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Die politisch motivierte Kriminalität sank leicht auf 4.056 Straftaten. Bei den Gewalttaten darunter gab es einen starken Anstieg auf 366, die meisten aus dem linksextremen Spektrum. Auch die Zahl erfasster politisch motivierter Hasspostings im Netz stieg, der Großteil war dabei „rechts motiviert“. Gesunken ist die Zahl der durch Zuwanderer verübten Straftaten um fünf Prozent auf rund 15.600 Delikte. Innerhalb Sachsens blieben die Großstädte Kriminalitätsschwerpunkte. In Dresden stiegen die Deliktzahlen, in Leipzig sanken sie. Details sollen vor Ort in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

Angestiegen ist die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt, Kleine zufolge bleibt es aber Spekulation, ob dafür Corona verantwortlich ist. Wöller sagte, die Kriminalität sei mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit Anfang der 1990er-Jahre.

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